Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische Klatt. Nr. 26. Zu bilden und die Aufmerkscnnkeit der Allgemeinheit auf die Notwendigkeit einer derartigen Neuschöpfung in der Reichshauptstadt hinzulenken. Heydekrug. (Einweihung der Synagoge. Ain letzten Sonntag fand die feierliche E i n w e i h u ng der neuerbauten S y - n a g o g e statt. Neben den Gemeindeinitgliedern hatten sich die Vertreter der staatlichen und Gemeindebehörden und zahlreiche Gäste der Nachbargemeinde Tilsit, M e m e l lind Ruß eingefunden. Vor der im Flaggenschmuck prangenden Synagoge überreichte der Vertreter des Landrats dem Rabbiner Dr. R ö s e l aus Tilsit den Schlüssel, der denselben mit entsprechenden Bibelversen Rabbiner Dr. Stein aus Memel übergab . Unter den machtvollen Akkorden der Beethovenfchen Hymne „Die Himmel rühmen" strömten die Festgäste in das Gotteshaus. Kantor E p st e i n - Rogasen, ein Heydekruger Kind, stimmte nun mit seiner prächtigen Stimme das innige Begrüßungslied „Ma towu", Wie schön sind Deine Zelte, Jakob, an. Nachdem die heiligen Thorarollen unter den entsprechenden Gesängen in die heilige Lade gestellt worden waren, zündete Rabbiner Dr. Stein die ewige Lampe an, sprach das Gebet für Kaiser und Reich und hielt darauf eine, alle Herzen erhebende Weiherede. Er ivünschte, daß das neuerbaute Gotteshaus ein Bet- und Lehrhaus für die Gemeinde werden möge, daß sie an seinem Altäre Demut im Glück, Aufrichtung in der Not finde und Belehrung aus der Bibel schöpfe, um so zum wahren Menschentum zu gelangen. Nachdem Kantor Epstein-Rogasen zum Schluß das innige .7 (»hi Scliolamu baeheleeh gesungen hatte, verrichtete Ortskantor Epstein die erste Andacht. Im Anschluß an die ernste Feier fand ein gemütliches Beisammensein der Festteilnehemr im Hotel „ K a i s e r h o f" statt. Bei der Kaffeetafel begrüßte Synagogenvorsteher I. Liebermann die Erschienenen; ferner hielten die Rabbiner Dr. Stein, Dr. R ö s e l, Gemeindevorsteher Treichel und Kantor Süßk i n d - Tilsit, letzterer auf die Damen, Toaste und Ansprachen. Ein reichhaltiges Büffet sorgte für des Leibes Wohl. Ein fröhlicher Tanz beschloß das seltene Fest, das noch durch ein komisches Terzett „Lohengrin in Kyritz" gewürzt ward. Kaden. Karlsruhe i. B. Gegenwärtig wird die Synagoge der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft renoviert. Zur Abhaltung des Gottesdienstes stellte die Stadt in dankenswerter Weise die Ausstellungshalle des Landesgewerbeamts unentgeltlich zur Verfügung. E. ben J. Baden-Baden. Am Sonntag, den 22. Juni, fand die Eröffnung des von der Frau Baronin v. Rothschild in Frankfurt a. M. gestifteten E r h o l u n g s h e i m s für israelitische Frauen statt. Anwesend waren die Herren Geh. Oberregierungsrat Mayer-Karlsruhe als Vertreter des Oberrats der Israeliten, Geh. Oberregieungsrat und Amtsvorstand Frhr. v. Reck, Oberbürgermeister Fieser, der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Mayer und eine Anzahl geladener Gäste. Dr. H o r w i tz-Frankfurt a. M. äußerte sich eingehend über die verschiedenen Stiftungen gleicher Art, welche die Stifterin bereits errichtet hat und sagte herzlichen Dank für das neue Heiin in Baden-Baden. Gleich herzliche Worte des Dankes fanden die Herren Mayer und Rechtsanwalt Dr. H e r r m a n n für die Wohltäterin, die zu ihrem Bedauern am Erscheinen bei der Feier verhindert war. Nach Schluß der Feier fand eine eingehende Besichtigung des Hauses statt, das in schöner Gegend in der Werderstraße gelegen und praktisch eingerichtet, für etwa 20 Personen Unterkunft bietet. Schwei;. Basel. Herr Rabbiner Dr. C o h n veranstaltete hier eine Sammlung für die B r a n d b e s ch ä d i g t e n in Preßburg, welche die Summe von 2800 Franken ergab. Basel. Seit vier Jahren ist Herr cand. phil. Simon Adler hier als Lehrer des Schomre-Thora-Männervereins tätig. Nunmehr hat Herr Adler einen Ruf als Lehrer an die israelitische Realschule in Antwerpen erhalten, dem er bereits in den nächsten Tagen Folge leisten wird. Der Schomre- Thora-Jünglingsoerein, dem Herr Adler einen großen Teil seiner Tätigkeit gewidmet hat, ließ es sich nicht nehmen, Herrn Adler eine würdige Abschiedsfeier zu bereiten. Als er am jüngsten Sonntag das Redepult bestieg, um seinen Vortrag über „Der jüdische Jüngling und die moderne Geistesströmung" zu halten, fand er seinen Platz mit Blumen geschmückt. Der Präsident des Vereins, Herr Emil H e y m a n n , überreichte mit schwungvollen Worten Herrn Adler ein Ehrengeschenk und die folgende Dankadresse: Hochgeehrter Herr! Im Namen unseres Vereins sprechen wir Ihnen für die zahlreichen, gediegenen Vorträge, die Sie gehalten und für die Diskussions-Abende, die Sie so erfolgreich geleitet haben, unseren aufrichtigen Dank aus. Wir bedauern, daß Sie uns verlassen, da wir in Ihnen einen tatkräftigen Freund verlieren. Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen Glück und hoffen, daß Sie auch in Ihrem neuen Wirkungskreis Gelegenheit finden werden, Ihre idealen Bestrebungen betätigen zu können. Unsere herzlichste Sympathie begleitet Sie auf Ihrem ferneren Lebenswege. Im Namen des Schomre-Thora-Jünglingsvereins. Die Kommission. Auch der Ehrenpräsident des Vereins, Herr Rabbiner Dr. Cohn, sprach warme Worte der Anerkennung, in welchen er Herrn A d l e r für die treue Hilfe dankte, die er ihm bei der Erziehung und Fortbildung der reiferen Jugend geleistet hat. Herr Adler dankte gerührt für die ihm erwiesene Ehrung. Möge er auch in Antwerpen ein geeignetes Feld für seine Tätigkeit finden. Hermann Cohn. Frankreich. Paris. (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraülite Universelle). Das Zentralkomitee hat für die Opfer der von einer furchtbaren Brandkatastrophe im Judenviertel zu Preßburg heimgesuchten Israeliten einen Betrag von 3000 Francs angewiesen. England. Die Londoner Presse war vorige Woche voll Lobs für die Juden des Eastend. Bei den letzten Prüfungen in der Universität Cambridge haben sich 31 Studenten ausgezeichnet, darunter 10 Studenten aus London. Unter den 10 Londoner Studenten befanden sich 3 Kinder von eingewanderten Juden des Oftends. Zieht man in Betracht, daß von der ganzen Londoner 7 Millionen-Bevölkerung sich 10 Studenten ausgezeichnet haben und daß die wenigen 100 000 Juden des Easteads 30 Prozent zu den Londoner Preisauszeichnungen gestellt haben, so ist das Lob der Londoner Presse tatsächlich voll verdient. Eine von den Zeitungen stellt bei dieser Gelegenheit folgende Betrachtung an. Vor der jüdischen Einwanderung waren die Ghettogassen, wo die eingewanderten Juden wohnen, das Versteck des häßlichsten Gesindels und der Nachträuber — jetzt stellen diese Gassen die Preisträger unter den Studenten.