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Das jüdische Blatt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26. 7 Das jüdische Klatt. habe ja schon bewiesen, aber, da diese Behauptung auch seitdem noch fortgesetzt wiederholt wird, so sei es für ihn eine doppelte Freude gewesen, am Nachmittag in der Schiurstube sein Referat halten zu dürfen, und jetzt hier, an doppelt geweihter Stätte nochmals zu Wort zu kommen. Das dokum-ntiere am besten, wie Ost und West, bei aller Verschiedenheit in Äußerlichkeiten, doch in einem Punkte: „Im Eintreten für die Erhaltung des jüdischen Gesetzes", einig seien. Es folgten noch eine Reihe meist auswärtiger Redner, dann nahm Herr Rabbiner Schnur das Schlußwort, uni auch hier die Versammelten in feierlicher Weise zu mutigem Eintreten für die Aguda zu verpflichten. In beiden Versammlungen wurde folgende Resolution angenommen: Die heute hier aus allen Schichten der thoratreuen Bevölkerung Tarnows zufannnengetretene Versammlung erklärt einmütig ihre Zustimmung zu der erhabenen Idee einer Vereinigung aller in der ganzen Welt zerstreuten thoratreuen Juden unter dem Banner der Agudas Jisroel: sie betrachtet die Agudas Jisroel als bestes Mittel zur Stärkung in HUP und HNT und erhofft von ihr Schutz und Schirm gegen äußere Angriffe und Hilfe in der Not. Im Sinne dieser Erklärung treten die Anwesenden der hier unter dem Vorsitze Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners A. Schnur bestehenden Ortsgruppe bei und verpflichten sich, in Freundeskreisen die Verbreitung der Idee, die Vergrößerung der Ortsgruppe und die Bildung neuer Ortsgruppen zu propagieren. Es reihte sich daran das Abendgebet. Stimmungsvoll, wie diese Versammlung, wenn dieser Name itoch dafür angebracht ist, begonnen, klang sie aus. Nach dem Gebete sammelte sich draußen, auf einem großen, freien Platze, die nach vielen Hunderten zählende Menge, um dort gemeinsam die Neumondsweihe zu begehen. Wie der sich immer einende Mond das Symbol Israels ist, das aus allen Stürmen und Gefahren in Iugendfrische auftaucht, so darf es für die Aguda in Galizien ein günstiges Omen sein, daß ihre erste Tagung auf galizischem Boden mit dieser Weihe abschloß. Rußland. Der Ritualmordprozeh. Einen interessanten Kommentar zu unseren Ausführuitgen der den Beilis-Prozeß in Nr. 25 liefert die „Russische Korespondenz", der aus Kiew geschrieben wird: Die Bestätigung der Anklageschrift im Fall Justschinski ist, >ie man nachträglich erfährt, nicht ohne erhebliche Kämpfe anerhalb des Richterkollegiums erfolgt. So heißt es mit Beämmtheit, daß der Vorsitzende der betreffenden Gerichtsammersitzung Kamenzow und der Berichterstatter Ryschow en Antrag gestellt Hütten, die Anklage gegen Beilis allen zu lassen und ihn sofort aus dem Gefängnis u befreien. Sie haben die Ansicht vertreten, daß s auch keine indirekten Indizien gäbe, aus denen ie Berechtigung zur Erhebung einer Anklage gegen Zeilis abzuleiten wäre. Die anderen Richter wiesen hingegen arauf hin, daß es jetzt eine Unmöglichkeit sei, den Mann freiulassen, nachdem inan ihn fast zwei Jahre hindurch hinter schloß und Riegel gehalten habe. Mögen nunrnehr " so aendeten sie ein - die künftigen Geschworenen den Beills l°eisprechen, wenn er unschuldig ist. Ohne Prozeßverhan ung önne jedoch die Angelegenheit nicht erledigt werden. So unlogisch diese Meinung auch sein mochte, fte trug. Dort) en Sieg davon. Damit ist aber auch die gesamte Rituall aordhetze aufs neue entfesselt worden, ,"e<? leute fürchten den Prozeß, wenn er un Lichte der Oeffeiiichkeit stattfinden sollte. Sie wissen es ia imr zu genau, aß weder für die Ritualmordbeschuldigung noch für die Ve - urteilung voii Beilis auch nur die geringste Basis vorhandeii ist. Vor der großeii Welt wird darin die Anklage sich nicht aufrecht erhalteii lassen, falls iiicht von vornhereiii dafür gesorgt ist, daß die Affäre hinter verschlosserien Türen und von einein iiach befttmmten Grundsätzen zusammengesetzten Gerichtshof erledigt werde. Deshalb geht das Bestreben der Kiewer Reaktioiiäre darailf aus, daß diese Rechtssache dem Schwurgericht entzogen uni) einer Kronkammer übergeben werderi soll, wobei die Ausschließuiig der Oeffentlichkeit bei den Verhandlungeii für sie eine selbstverständliche Voraussetzung ist. In diesem Siiine agitiert sie jetzt in der Presse uiid in ihren Zusammenkünften, in diesem Sinne haben sie vor allem ihre Petersburger Schutzpatrone zu einer radikalen Aktion veraiilaßt. In der Tat ist auch schon aus Petersburg die Nachricht eingelaufen, daß der berüchtigte Samyslowski eine Beratung von hervorragenden Führern der Rechten und Nationalisten sowie von mehreren Vertretern des Justizministeriums und anderer: hohen Beamten abgehalten hat. In dieser Versammlung hat der bekannte Moskauer Antisemit Schmakow über die neue Anklageschrift geklagt, daß sie völlig unzureichend sei, da sie nicht auf die Hauptschuldigen, die jüdischen Geistlichen, Hinweise. Dieser Mangel sei nur durch die eifrige Agitation gegen die Ritualmordbeschuldigung zu erklären. Darum gebe es nur einen Ausweg aus der gegenwärtigen Situation, nämlich die Anstrebung einer ergänzenden Untersuchung, mit der der einzige kompetente Mann, der Witebsker Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten, betraut werden müsse. Nun erzählt aber Samyslowski, daß das Streben nach einer ergänzenden Untersuchung beim Gericht keinen Anklang finden werde. Einem Vertreter der Kiewer Monarchisten habe der Vorsitzende der dortigen Gerichtskammer erklärt, daß von oben ein Befehl erfolgt sei, die Angelegenheit so schnell als möglich zu erledigen und keinen Aufschub mehr zuzulassen. Darauf beschloß die Versammlung, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Prozeß der Koinpetenz des Schwurgerichts zu entziehen und es durchzusetzen, daß die Berichterstattung über die Prozeßverhandlungen nur nach Durchsicht des Gerichtsvorsitzenden gestattet werden solle. Vorläufig aber mühte es überhaupt den Zeitungen verboten werden, über die bekannt gewordenen Gutachten irgend welche kritischen Artikel zu bringen. Aus allen Beschlüssen der Reaktionäre leuchtet es ein, welche Heidenangst sie vor den Enthüllungen des Prozesses hegen. Sind sie auch schon des Ausgangs nicht sicher, so beunruhigt sie noch mehr die Aussicht, daß ihre ganzen Machenschaften und Fälschungen zu.tage kommen könnten. Denn keine Ritualmordaffäre der letzten Jahrzehnte dürfte eine solche Fülle organisierter Gemeinheiten enthalten haben. Die demoralisierende Wirkung des Hasses hat vielleicht einzig und allein in der Dreyfusaffäre ebensolche erschreckende und abstoßende Erscheinungen gezeitigt. Die geriebenen Führer der Reaktion fürchten darum, wie gesagt, noch mehr als den eventuell für sie ungünstigen Ausgang des Prozesses die Aufhellung ihrer eigenen Missetaten. Dadurch in erster Reihe erklärt sich ihre Nervosität, dadurch ihre Unruhe nach ihrem Sieg, den ja die Bestätigung der Anklageschrift bedeutet! * * Der Anklageakt des Kiewer Ritunlmord- Prozesses ist, wie aus Petersburg gemeldet wird, jetzt der Verteidigung zugegangen. Die Schrift umfaßt dreiundvierzig Druckseiten, wovon der größte Teil sich mit Nebenhandlungen

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