Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052501--0443-9052510
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 25. Das jii-tfche Klatt. 9 fallen. Herr Dreyfus - Markirch ist als Kantor hierher berufen. — Herr und Frau Henri L e v y haben zum Schwouotfefte zwei prachtvolle Kronen aus künstlichen Blumen gestiftet zum Schmucke der Thorarollen. Winzenheim (O.-E.). Am 1. Juli verläßt uns unser Synagogendiener Samuel Bloch, um zu seinem Sohn nach Colmar überzusiedeln. 38 Jahre widmete er seine Dienste mit nie ermüdendein Eifer und großer Sachkenntnis unserer Geineinde. Es wird schwer sein, einen vollen Ersatz für ihn zu finden. Die ganze Gemeinde wünscht ihm einen glücklichen und heitern Lebensabend in seiner wohlverdienten Ruhe. Kayern. Vurgpreppach. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I I. und zugleich zur Erinnerung an die glorreiche Zeit der Befreiungskriege fand heute in dem mit frischem Grün und in deutschen und bayerischen Farben festlich geschmückten Musiksaale der Anstalt ein von der israel. Präparandenschule veranstalteter Festakt statt. Die Festrede hielt Herr Lehrer A. Berlinger, der gesangliche Teil wurde von Herrn Lehrer Kiesel geleitet. Die Schüler aus allen drei Klassen trugen auf die Bedeutung der Feier bezügliche Gedichte vor. Der Festakt kann in allen Teilen als wohlgelungen bezeichnet werden. Nürnberg. Eine Versammlung zur Gründung einer Ortsgruppe der Agudas Israel. Rabb. Dr. Klein eröffnete die Versammlung. Er wies darauf hin, wie in der Agudas Israel verschiedene Motive zu einem einheitlichen Wollen sich verschmolzen. Sinnig verglich er in Anlehnung an den Ramban diese mannigfaltigen Absichten mit den differenzierten Gesinnungen, in denen die Fürsten Israels ihre Opfer darbrachten — alle geeint und gleich in dem letzten Zwecke, Gott hienieden ein Heiligtum einzuweihen. Rach knapper klarer Einleitung gab er Herrn Provinzialrabbiner Dr. Bamberge r-Hanau das Wart zu seinem Referat: Von der einstigen durch keine Grenzpfähle aufgehobenen Einheit Israels erzählte uns der Redner. Oft und West hätten einst durch ihre Thoragrößen ,gemeinsam die wichtigen Fragen der Judenheit entschieden. Von uns zu den östlichen Brüdern, von dort zu uns seien die Thorajünger gekommen und die räumlich getrennten Brüder hätten sich innerlich nahe gestanden. Das sei anders geworden mit dem Augenblick, wo man die Thora, das bewährte Bindungsmittel, geringer einzuschätzen begann. Man sei sich fremder und fremder geworden und anfänglich kleine Verschiedenheiten wären zu gewaltigen trennenden Mauern geworden. Run rümpften die Juden im Westen über die im Osten die Rase, sprächen von mittelalterlicher Abgeschlossenheit und Weltfremdheit, nun zuckten die im Osten die Achseln über den Thorafremden Amharez des Westens. Und darum sei die Aguda gekommen, die Brüder zu lehren, gegenseitig das zu schätzen, was jeder habe. Das größere Wissen im Osten —wenn auch der Westen des Thorqgeiftes nicht so bar sei, wie viele östliche Brüder glaubten — und die Erfahrung, die der Westen im Kampf gegen den Abfall gesammelt. Ost und West hätten einander viel zu bieten. Dieses zum Bewußtsein aller zu bringen, Israel die mangelnde Einheit wiederzugeben, sei das große Ziel der Agudah. Diese ideelle Aufgabe bedinge aber auch eine materielle. Wohl seien andere Organisationen gegründet zur Linderung der Not und des Unglücks, unter denen unser Volk bald hier bald dort zu leiden habe. Aber wie oft werde durch jene Verbände der Thorageist getötet, wenn sie dem Körper Hilfe brächten. Nur zu geben, nicht zu nehmen, se: Aufgabe der Agudah. Ueber der Gegenwartsarbeit jedoch dürfe die Zukunft nicht vergessen werden, die Erziehung der Jugend. Bei ihr das Wissen der Thora und damit die Liebe zu Gottes Wort zu erhalten und zu heben; Alte und Junge aufbrechen zu lassen vom Refidim, brechen zu lassen mit dem Rifjaun Jodajim, mit der Schwäche, die die Thora schlaffer Hand preisgibt, wenn des Lebens Not und des Lebens Lust es heischt, sie einmütig zu scharen, um den Eottesberg, das sei des Schweißes der Edlen der Aguda wert. Diesen Aufgaben gegenüber naaße wenischma, wir alle wollen Mitarbeiten, wenn uns auch die Einzelheiten der Aufgabe und des Weges erst später verständlich werden können. In der sich anschließenden Diskussion brachte H. Dr. D e b r ck - Ansbach die Bedenken des Ansbacher Rabbiners Dr. Kohn zum Ausdruck. Er bemängelt es, daß jeder „Glaubenstreue" Mitglied werden kann und möchte die Zulassung zur Mitgliedschaft aus die „Gesetzestreuen" beschränkt wissen. Außerdem äußert er Zweifel darüber, ob nach dem bisherigen Plan der rabbinische Rat so aktionsfähig sei, wie er es wünschen müßte. Kurz, so schön das Ziel sei, er fürchtet, man könnte einen falschen Weg einschlagen. Eine ganze Anzahl Herren ergriffen das Wort, um diese Bedenken zu zerstreuen, die Herren Jakob R o s e n h e i m - Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Klein- Nürnberg, David Lehmann- Fürth und Grünbaum - Nürnberg. Herr Rosenheim führte aus: Ueber die prinzipiellen Fragen fei man einig, und wenn noch über manche Bestimmungen Ungeklärtheit herrsche, so sei der R a b b i n i s ch e Rat berufen, zu entscheiden. Der Rabbinische Rat bilde die Thora-Autorität der Aguda. Dadurch haben alle die sichere Bürgschaft, daß die Aguda aus dem Religionsgesetze als auf granitenem Boden sich aufbaue, dadurch habe die Aguda auch das Organ gewonnen, durch das nicht nur heute, sondern auch in aller Zukunft alle die Aguda, ja die gesamte gesetzestreue Judenf)ett. bewegenden religiösen Fragen ihre Lösung finden können und finden werden. Die Hauptaufgabe für jeden einzelnen wie für die Gesamtheit sei die unverdrossene Arbeit für die Forderung der Thorawissenschaft und aller Aufgaben, die sich heute der gesetzestreuen Judenheit aufdrängsn. Wolle man warten, bis nicht nur die prinzipiellen Fragen, sondern alle Einzelheiten geregelt seien, so werde man vor lauter Besorgnis, Fehler zu machen, nie zur Aktion gelangen. Die klaren und energischen Ausführungen des Redners fanden stürmischen Beifall. Die Kritik kam noch einmal zum Worte. Nachdem Herr Dr. Klein und andere aus die Gefahr des Zweifelns einer so großen und wichtigen Organisation gegenüber, wie die Agudas Jisroel ist, hingewiesen hatten, ergriff der geschätzte Referent das Schlußwort und betonte, daß ein so schwieriges und kompliziertes Unternehmen wie die Agudas Jisroel Zuversicht und Arbeitsfreudigkeit dringend zur Pflicht mache, die Zukunft werde den Beweis erbringen, wie berechtigt das Vertrauen sei, das zu allen Zeiten die Gesetzestreuen über alle Zweifel und Bedenken hinweg auf die Höhe freudigen erfolgreichen Schaffens iTTinn pp getragen und zu segensreicher einmütiger Zusammenarbeit geführt habe. Der Erfolg des Abends war die Gründung der Ortsgruppe Nürnberg-Fürth und die Gewinnung einer ansehnlichen Anzahl von Mitgliedern.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.