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Das jüdische Blatt · 1913-06-20 · 25 (20.6.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
25 (20.6.1913)
Date
1913-06-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 25. 8 Da» jüdische Kiatt. 50 Prozent gestiegen, was die Auswanderung nach diesem Lande via Basel merklich beeinflußt hat. Dank den vorziiglichen Verbindungen und dank den strengen Instruktionen des Eidg. Auswanderungsamtes in Bern, denen im allgemeinen gut nnchgelebt wurde, wickelte sich der große Verkehr sehr gut ab und gab zu keinen Reklamationen Anlaß. In Argentinien wurden die Einwanderungsgesetze infolge von Streitigkeiten, in die Auswanderer verwickelt waren, viel strenger gehandhabt wie früher und schriftenlvse und mit Fehlern behaftete Immigranten wurden van fast allen Schiffsgesellschaften van der Beförderung ausgeschlossen. Sogar einem argentinischen Bürger russischer Abstammung, der in Argentinien Landbesitzer ist und nach Europa kam, um seine alte Mutter zu besuchen, verweigerten sowohl die italienischen, als auch die französischen Schiffsgesellschaften die Rückbeförderung und dies aus dem einzigen Grunde, weil der Mann infolge einer früheren Gefichtsaperation etwas entstellt war. Obschon der Mann sich darüber auswies, daß er über 10 Jahren in Argentinien wohnte und seine Frau und alle seine Kinder dort habe, wurde er sowohl von Marseille als von Genua zurückgeschickt. Mit Hilfe der deutschen Registrierstation in St. Ludwig und der deutschen Behörden, die sich an den argentinischen Gesandten in Berlin wandten, gelang es uns schließlich, den Mann seiner Familie in Argentinien zuführen zu können. Auch im Berichtsjahre ist es uns in einigen Fällen gelungen, den Emigranten wieder zu ihrem Gelde zu verhelfen, das ihnen van Schwindel-Agenten an der Grenze und in Rußland abgenommen wurde. In anderen Fällen allerdings war all' unsere Mühe umsonst, da die Agenten unter Deckadressen gearbeitet hatten. Viel Mühe, Schererei und Geld verursachte uns auch in diesem Jahre die Beförderung des vielen Emigrantengepäckes. In vielen, vielen Fällen ist das mitgeführte Gepäck die Kosten nicht wert, die der Emigrant dafür zahlen muß, denn es ist ganz unglaublich, was die armen Menschen mit sich führen, von dem sie glauben, sich nicht trennen zu können und das sie sich für die dafür ausgelegte Fracht in ihrer neuen Heimat neu billiger kaufen könnten. Unsere wiederholten Bitten an alle Emigrationsbureaus in Rußland gehen dahin, durch erneute Bekannmtchungen auf diese Uebelstände aufmerksam zu machen und dadurch zu ihrer Abhilfe beizutragem Mit fast allen europäischen Komitees und Gesellschaften stehen wir ständig in regem Briefwechsel und wir hegen die Hoffnung, auch künftighin unser Bestes zur Linderung der Emigrantennot mit beitragen zu können. Türkei. Saloniki. Der griechische Finanzdirektor für Mazedonien, Herr C o f f i n a s, empfing vor kurzem den Redakteur der Zeitung „Progras" in Athen, der ihn wegen der künftigen Stellung der Juden im Handel von Saloniki interviewte. Auf die Bemerkung des Interviewers, daß die jüdische Bevölkerung in Saloniki zu befürchten scheine, die Griechen könnten sie aus ihren Positionen im kommerziellen Leben verdrängen, meinte Herr Cvffinas, es sei ganz ausgeschlossen, daß die kaufmännische Bedeutung der Juden Salonikis unter griechischer Herrschaft abnehmen sollte. Der wirtschaftliche Aufschwung, dem Saloniki unter dem neuen Regime entgegengehe, werde im Gegenteil hauptsächlich den dortigen Juden zugute kommen, die ja schon jetzt den Handel beherrschen und denen die griechische Verfassung völlige Gleichberechtigung und freie Entfaltung ihrer Kräfte gewährleiste. In Alt-Griechenland sei ja die Lage der Juden in politischer und wirtschaftlicher Beziehung ebenfalls eine durchaus günstige. Ueberdies würde ja die griechische Regierung sich selber schädigen, wenn sie der Judenschaft von Saloniki, die eine zahlreiche, intelligente, gutsituierte und wohlorganisierte Bevolkerungsgrupe bildet, nicht in jeder Weise entgegenkäme. i§ Korrespondenzen. 11 Mi Elsaß-Lotlirrrraen. -- aljS Jubiläumsfeier in der Synagoge. Slraßburg. Am Samstag fand aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers eine erhebende Feier in der Synagoge statt. Dieselbe war auf das prächtigste mit Pflanzen und Fahnen geschmückt, um die Bundeslade zog sich ein herrliches Rosenarrangement. Der schone Anblick wurde noch verstärkt durch eine großartige Festbeleuchtung. Kurz nach 9 Uhr fanden sich die Ehrengäste ein: der Staatssekretär v. Bulach, Unterstaatssekretär Dr. Petri, Bezirkspräsiden Poehlmann, Oberregierungsrat v. Oesterly, Polizeipräsident v. Lautz und Abgeordneter Georg Wolf. Punkt 9,30 Uhr fuhr der Statthalter Graf v. Wedel am Portal der Synagoge vor und wurde dort vom Präsidenten des Konsistoriums, Justizrat Dr. Schmoll und dem Präsidenten der Gemeinde, Stadtrat M. B l u m, empfangen. Die Herren Oberkantor H e y m a n n und Kantor Kaufsmann trugen den Königspsalm vor, an den sich das von H a l 6 ü X) vertonte Minhamezar schloß, wobei Herr L. Helmer Gelegenheit hatte, seinen prächtigen Tenor zur Geltung zu bringen. Run bestieg Herr Oberrabbiner U r y die Kanzel. Er schilderte in begeisterten Worten die bisherige Regierungstätigkeit des Kaisers und feierte ihn als Friedensfürsten, worauf er das Kaisergebet sprach. Mit der Jubelhymne „Halleluja" fand die schone Feier einen würdigen Abschluß. Ebenso wurde in sämtlichen Synagogen des Landes am gleichen Tage das Kaiserjubiläum durch Predigt und Festgottesdienst gefeiert. Straßburg. Die schon vor einiger Zeit in Vorbereitung begriffene Konstituierung der hiesigen Agudagruppe ist nun am 8. Juni erfolgt. Herr Rabbiner Buttenwieser hielt ein Referat über den gegenwärtigen Stand der Aguda, worauf zur Wahl eines Vorstands geschritten wurde. Zum Vorsitzenden wurde H. Rabbiner Buttenwieser gewählt und zu weiteren Mitgliedern des Vorstands die Herren Samuel Wertheimer, Maier Bloch, Moritz Klein, Moise Wolfs, Israel Salomon, Sally Strauß. Die nun konstituierte Agudagruppe, die bereits 90 Mitglieder zählt, beabsichtigt, später eine größere öffentliche Propagandaversammlung zu veranstalten. Strahburg. I ü d. T n r n v e r e i n — I ü d. Jugendbnnd. Sonntag Tagesausflug: Wanzel—Hohkonigsburg— Rappoltsweiler Schlosser—Rappoltsweiler. Fahrkarte Wanzel Rappoltsweiler 1,95. Abs. 7.09. Mnndvorrat mitnehmen. D Eolmar. Am zweiten Tag Schevouoth fand die Beerdigung der Witwe Max H e i m e n d i n g e r hier statt. Der große Leichenzug bezeugte die Beliebtheit der Dahingeschiedenen, die eine gute Mutter, eine mildtätige Schwester und in einem Worte eine Sirj mar. Saarburg. Endlich ist in der hiesigen Kantorenfrage, die schon so viel Staub aufgewirbelt hat, die Entscheidung ge-

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