Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische Matt. Nr. 25. Preußen. Frankfurter Brief. (Aus der A. I. Jugendbewegung. — Dr. Israel Roos. — Hospitalsammlung. — Organisierung der östl. Juden.) 8. Frankfurt a. 7N., 9. Juni 1913. Die 2t. I. Jugendgruppe, die hier eine eifrige Propaganda-Tätigkeit entfaltet, und schon über 700 Mitglieder zählt, versendet heute ihren Lehrplan. Aus demselben ist zu entnehmen, daß vorerst stattfinden 3 Gemorokurse (1 für Anfänger und 2 für Fortgeschrittene), 3 Tnachkurse (Tauroh, Nwijim, Ksuwim), 2 jüdische Geschichtskurse, hebr. Sprachkurse sowie Religionsphilosoph. Kurse. Die Mädchengruppe der Agudas Jisroel hielt heute Abend eine glänzend verlaufene Versammlung ab. Die Vorsitzende, Fräulein Jentilla Jeidel, hielt eingangs eine hebräische Ansprache, dann referierte Frl. Clementine Goldschmidt über das Thema „Die Aufgaben und Ziele der Mädchen-Gruppen". Die Rednerin führte aus, daß von jeher die Frauen im Judentum an den großen Aufgaben für das jüdische Volk mitgearbeitet hätten. Es sei notwendiger denn je, daß das jüdische Mädchen mehr mit der Torah bekannt werde und es lerne, daß man neben dem modernen auch das alttraditionelle halten könne und wo dieses nicht möglich fei, müsse man das moderne abschütteln. — Energisch machte die Referentin gegen die neutralen Mädchenvereine Front, die das Prinzip der Toraherhaltung nicht kennen würden. Zu unserem Bericht über die Beerdigung von Dr. Israel Roos V't ist noch nachzutragen, daß ihm von Herrn Rabbiner Dr. S. Breuer die Morenu Raaw verliehen wurde, mit der Begründung, damit das Andenken an den Vater den Kindern stets ein Ansporn sei, ihm nachzueifern. Um die hauptsächlich von Dr. Israel Roos S 7 geleitete Hospitalsammlung der I. R. G. wesentlich zu fördern, wurde ein Jugendkomitee ins Leben gerufen. Die hier wohnenden östlichen Juden haben sich vor einigen Wochen organisiert, um so ihr geistiges Niveau zu heben. Der neu gegründete Verein hat bereits eine sehr eifrige Tätigkeit entfaltet und bemüht sich, seinen Mitgliedern mit den Schätzen der jüdischen Wissenschaft, insbesondere der Geschichte und Literatur vertraut zu machen. Hamburg. Die Hamburger Ortsgruppe der Agudas Jisroel hielt am 9. Juni ihre konstituierende Versammlung. In geheimer Zettelwahl wurden gewählt die Herren Dr. med. Fink, Jakob Drucker, Jakob F l 0 r s h e i m, S. Hesse, Dr. med. Landskron, Hugo Mainz und Dr. Lipmann Schlesinger. H. Dr. Fink erklärte sich bereit, das Präsidium anzunehmen. Herr Jakob Goldschmidt wurde als Vorsitzender der Propagandakommission per Akklamation gewählt, und ein Antrag auf Verschmelzung mit der Altonaer Ortsgruppe angenommen. Herr Auerbach, Mitglied des Provisorischen Komitees und Vorsitzender der Versammlung berichtete in der Einleitung der Versammlung über die Fortschritte der Bewegung, teilte mit, daß das Provisorische Komitee 10 000 Kr. der durch Vrandunglück heimgesuchten Jeschiwa zu Prehburg geschickt und an die russischen Jeschiwaus 10 000 Al gesandt habe, die nach Weisung der russischen Mitglieder des rabbinischen Rats verteilt werden. Es sei daher Pflicht, weiter zu arbeiten und zur Förderung des Fonds Jesaud Hamaaloh beizutragen. Äadeir. Karlsruhe. Am Sonntag, den 8. Juni, unternahm der Verein Chinuch Neorim (Jüdischer Jugendverein) von hier einen Ausflug nach Worms a. Rh., um dort die Denkmäler aus altjüdischen Zeiten zu besuchen. Um 9.05 Uhr verließ man die badische Residenz und traf um /Al Uhr in Mannheim ein, von wo aus man die Weiterreise nach Worms per Dampfer bewerkstelligte. Kurz nach 12 Uhr erreichte man das ehemalige „Jerusalem am Rhein". Man begab sich sofort zur Synagoge, die eingehend besichtigt wurde. In der heiligen Lade sahen wir eine Thorarolle, die Rabbi Me'ir von Rothenburg (Maharam) im Gefängnis zu Ensisheim (Elsaß) geschrieben haben soll. „Sowohl Pergament als Schrift lassen sofort das hohe Alter des heiligen Gegenstandes erkennen, aus welchem dreimal im Jahre am Schlüsse der Freudenfeste (~p ein Abschnitt beim Gottesdienste verlesen wird. Die Art und Weise, wie die Wormser Gemeinde in den Besitz dieser Thorarolle gekommen, ist sagenhaft ausgeschmückt." (Sams. Rothschild, Aus Vergangenheit und Gegenwart der isr. Gemeinde Worms.) Von der Synagoge aus wurden wir in das im Westen angebaute Lehrhaus Raschis, genannt „Rafchikapelle", geführt. Hier fesselte unser Auge vor allen Dingen der sogenannte Raschistuhl, ein in der Wand eingelassener Steinsessel. Von hier aus soll Raschi (Rabbi Salomo Jsak) seine Schüler in das Studium der heiligen Schrift eingeweiht haben. Ferner gewahrten wir außer Raschis Werken noch verschiedene Machsorim mit Malereien versehen, die ein Alter von 5—600 Jahren haben sollen. Nachdem noch das Frauenbad besichtigt worden war, begab man sich auf den Friedhof. Hier übernahm in liebenswürdiger Weise Herr Lehrer Rothschild von der Stadtschule in Worms die Führung. „Ein Gewirr von Grabsteinen, uralten, grauen, moosbewachsenen, starrt uns aus Gras und Gestrüpp entgegen." (Rothschild.) Wir erfahren, daß nicht nur auf diesem Friedhose „die älteste Grabschrist gesunden wurde, sondern auch verhältnismäßig die meisten Heroen der jüdischen Wissenschaft und Märtyrer des jüdischen Glaubens ruhen." (Rothschild.) Einzelne Steine hier näher zu beschreiben, würde zu weit führen. Nach der Besichtigung war es Zeit, die Rückreise anzutreten. Es wäre nur eine bessere Beteiligung zu wünschen gewesen, denn alle waren sich einig, einen interessanten Tag verlebt zu haben. E. ben .7. Karlsruhe. Wie im Verordnungsblatt des Gr. Oberrats der Israeliten bekannt gegeben wird, sind bei dem Sekretariat des Oberrats aus den Beständen aufgelöster badischer Landgemeinden gut erhaltene Thora-Rollen abzugeben. Gemeinden und Minjanim, die Seforim benötigen, können sich an das Sekretariat wenden. Frankreich. Bayonne. Zum hiesigen Oberrabbiner wurde Herr Joseph Cohen, bisher Rabbiner in Sütif (Algerien), ernannt. England. Einweihung einer Jeschiwa in London. London. Ein für englisch-jüdische Verhältnisse wichtiges Ereignis hat sich am Sonntag, 8. Juni, hier vollzogen: Die Jeschiwa Ez-Chaijim wurde eingeweiht. Das Gebäude liegt in Hutschison-Street, wurde von einem der Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Londoner Jüdischen Gemeinde angekauft, für den Zweck hergerichtet und geschenkt. Reden hielten der Dajan C h a i k i n, Herr Landau, der als das Ziel der Jeschiwa die Verbreitung und Vertiefung des Talmudstudiums hinstellte und von ihr eine Stärkung des Judentums erwartet. Denn, sagte er, das Reformjudentum ist gescheitert und seine Anhänger gehen dein Judentum ver-