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Das jüdische Blatt · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24. Das jüdische Blatt. 11 S. $). Mosenthal, Bilder aus dem jüdischen Familienleben: Verlag: Max Koch. Leipzig; brosch. Ai 1,80, gbd. Ai 2,50. Immer wieder, wenn der Büchermarkt uns Mosenthals Geistesprodukte in die Hand gibt, freuen wir uns mit denselben. Sie verdienen es in der Tat, stets aufs neue gelesen zu werden. Woran die Väter und Mütter sich schon gelabt, das kann auch die Jugend noch begeistern: In schöner Form werden uns die Jdealgeftalten einer reich begabten Dichterphantasie vor Augen geführt. Der vorliegende Band enthält fünf Erzählungen, darunter die an Gemütstiefe so reichen: „Tante Guttraud" und Raafs Mine". Wir sind überzeugt, das Buch wird wieder viele Leser finden, die von seinem Inhalt inneren Gewinn davontragen. In der G ö s ch e n s ch e n S a m m l u n g hat Dr. S. F u n k zwei Bändchen über den Talmud erscheinen lassen: 1. D i e Entstehung des Talmuds behandelt in übersichtlicher Weise die Entstehung und Entwickelung der mündlichen Überlieferung, wie sie sich im jüdischen Volk in einem Zeitraum von mehr als zwei Jahrtausenden von Geschlecht zu Geschlecht vererbt hat. 2. Talmudproben sind Auszüge aus Halachah und Haggadah, nach historischen und literarischen Gesichtspunkten geordnet, und geben auch dem Laien ein Bild von dem Geiste, der im vielgeschmähten Talmud lebt. Der Verfasser, Rabbiner in Boskowitz, verfügt über ein reiches, talmudisches Wissen und ist dabei auch mit den neuesten Erscheinungen der talmudischen Literatur vertraut. Er konnte darum auch in gedrängter Kürze sein Thema erschöpfend und anschaulich behandeln. Von welchem wissenschaftlichen Standpunkt aus die Büchlein geschrieben sind, die wir nur bestens empfehlen können, mag ein Passus aus dem Vorwort des ersteren zeigen: „Die Zeugnisse der Tradition über Alter und Entstehung der einzelnen Ueberlieferungen werden wir außer acht lassen, obgleich die neuen Funde in vielfacher Beziehung den Standpunkt Fr. Spiegels rechtfertigen, der einst bemerkte, es müsse erlaubt sein, zu finden, daß auch die Tradition recht haben könne. Bei der Frische des Gedächtnisses, durch das sich das Altertum vor unserem papierenen Zeitalter auszeichnete, war es sehr gut möglich, daß sich,'ähnlich wie Buddhas Verordnungen, mündliche Traditionen Jahrhunderte hindurch im jüdischen Volke von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen konnten." 4. B. Denkmäler jüdischen ® e i ft es. Herausgegeben von Dr. B. May und I. B. L e v y. 2. Band: Gabriel R i e ß e r, eine Auswahl aus seinen Schriften und Briefen. Verlag von I. Kauffmann Frankfurt a. M. 1913. M —.90. Dieser Band — mit dem Bildnis Rießers geschmückt — schließt sich nach kaum einem halben Jahr dem ersten würdig [ an. Die Auswahl, die aus den Schriften und Briefen Rießers getroffen wurde, ist vortrefflich, zumal — wenn man sie als Lektüre in den Primen der höheren Schulen verwenden will. Rach dem Mendelsohn-Band dürfte vorliegende Schrift besser als jede dickleibige Geschichte dem Leser einen Einblick in die vielleicht wichtigste Epoche des Kampfes geben, den die deutschen Juden um ihre Gleichberechtigung geführt haben! Auch die Ausstattung des Büchleins ist trotz des geringen Preises tadellos. Straßburg i. E. Dr. G r o m b a ch e r. L u f t m e n f ch e n, v. Schachnowitz. Frankfurt a. M., Verlag des Israelit. 2 Ji. Allmählich mehrt sich die Zahl der guten belletristischen Werke für unsere reifere Jugend; die Luftmenschen dürften mit in erster Reihe stehen. Es ist ein Bild der ringenden osteuropäischen Jugend, die teils schmählich unterliegt, teils mit Wunden bedeckt endlich siegt. Zu ihr in Parallele gestellt ist die westeuropäische Jugend, in welcher der Verfasser, als den Erben des Gedankenkreises von S. R. Hirsch die fast kampflosen Meister des Lebens sieht. Packend ist die Schilderung des Pogroms in Kiew. Im Hintergrund des ganzen leuchtet das Bild der ewig unveräußerlichen Heimat des jüdischen Landes. ReligiöfeZeitfragen. Von Dr. L. M ü n z, früher Rabbiner in Kempen (Prov. Posen). Berlin. Verlag von Louis Lamm. Gar selten sind die köstlichen Bücher, die das Zwiefache in sich vereinen: Die elementare Gewalt religiösen Empfindens und die scharfe Dialektik logischen Denkens. Wird durch jene die Welt als eine Welt Gottes dargestellt und in das warme Licht religiös-sittlicher Betrachtung gerückt, so wird durch diese das mit dem glühenden Herzen Erfaßte begrifflich destilliert und in die feste, unzerbrechliche Form logischer Gedanken gebracht. Glücklich ist der Lehrer zu schätzen, dem ein solches Buch in die Hand fällt, gleichermaßen ein Labsal für Geist und Gemüt. Zu diesen gehaltvollen Schriften gehört das vorliegende Buch. Der Verfasser hat in überaus gewandter Weife für seine Ausführungen die Darstellungsform von Vorträgen gewählt, um das, was seine Seele erfüllt, recht eindringlich und überzeugend Vorbringen zu können. Das Buch setzt sich aus fünf Vorträgen zusammen: 1. Was hat in der neuen Zeit den Niedergang des religiösen Geistes bei den Juden herbeigeführt? — 2. Wie ist es in unseren Zeiten möglich, bei der Jugend eine religiöse Gesinnung bleibend zu begründen? — 3. Das Zeugnis der Geschichte über die Bedeutung des jüdischen Volkes. — 4. Israels Trauer und seine Hoffnung. — 5. Die Aufgabe des Seelsorgers in der jetzigen Zeit. — Diese schlichten anspruchslosen Titel, die wie die ganze Schrift fern von jeder leeren Phrase sind, deuten kaum äußerlich an, was uns das Buch an Reichtum und Gründlichkeit des verarbeiteten Gedankenstoffes bietet. Mit einem feinfühligen, intuitiven Verständnis für das innerste Wesen der jüdischen Religion ausgerüstet, führt uns der Verfasser die Probleme des Judentums in moderner Zeit vor Augen, entwirft er großzügige Bilder von dem Arbeiten und Ringen des jüdischen Geistes gegen die sich ihm entgegenstellenden Widerwärtigkeiten, beantwortet er aus der Fülle seines tiefgründigen Wissens die aufgeworfenen Fragen mit solch sieghafter Klarheit, daß es bisweilen beim Lesen mancher Stellen wie eine Erleuchtung über uns kommt. Der Wert des gediegenen Buches wird durch die leichtfaßliche, anschauliche Darstellung erhöht, die es besonders geeignet macht, in größeren Kreisen, wie in Literaturvereinen und Jugendbünden, vorgelesen zu werden. Auch der reifern Jugend kann es warm empfohlen werden; es wird da einen Segen stiften. Im Anhänge befindet sich ein erschöpfendes Sachregister, das über den reichhaltigen Stoff orientiert. . ^- Die iWßoOoffracjc der Juden. (Schluß.) Der wirtschaftliche und sittliche Ruin ist die weitere Folge, die den Trinker schließlich auf die Bahn des Verbrechens treibt. Zudem geschehen viele Rechtsbrüche unmittelbar im Banne des Alkohols. Lord Coleridge hat bereits 1877 gesagt: Die Verbrechen aus Gewalttätigkeit entstehen mit wenigen Ausnahmen im Wirtshaus und sind durch Trunkenheit bedingt. Dr. Hoppe teilt mit, daß von den 1909 in Deutschland vorgekommenen gefährlichen Körperverletzungen viermal mehr auf den Sonntag, den typischen Trinktag, fallen als auf jeden Wochentag. Ganz

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