Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische Matt Nr. 24 Zwei Rätsel: Albert Fohlen, Püttlingen. — Georg u. Juliette Wahl, Dörnach. Georg Bloch, Rosheim. -- Robert u. Suzanne Geismar, Romansweiler. - David Bloch, Quotzenheim. Vier Rätsel (in Nr. 22 u. 23): Renee u. Georges Weill, Kürzel. — Karl Rees, Sulz u. W. Für die Obdachlosen in peeschnrg nnd für das abgebrannte berühmte Lehrhans. Familie Becker, Hochfelden 10 M. — Anonymus aus M. 10 M. — *Aus Ausbach 3 M. — *Gemeinde Heidenheim, durch Kultusvorstand Lehmeier 78 M. - Dauendorf: Felix Mandel 20 M.; Benjami.n Mandel 5 M.; Henri Mandel 5 M. — Müller, Diemeringen 5 M. Briefkasten. Dr. AI. Ja. Dr A. in A. Manuskripte dürfen nicht als Drucksachen aufgegeben werden. Vermischtes. Die jüdische Einwanderung in den Vereinigten Staaten im April 1913 belief sich auf 7281. In Baltimore 602, in Boston 40, in Galvestone 137. (Die Zahl für Philadelphia ist noch nicht festgestellt.) Eine jüdische Universität? Angesichts der an der Wiener Universität vorgekommenen Krawalle zwischen deutsch-nationalen und jüdisch-nationalen Studenten und dem Fortbestehen starker antisemitischer Strömungen an österreichischen Universitäten wird von einflußreichen jüdischen Persönlichkeiten die Gründung einer jüdischen Universität in Oesterreich angeregt. Namentlich die in Krakau erscheinende hebräische Zeitschrift „Hamizpoh" befürwortet das Unternehmen und gibt ihm den Vorzug vor dem Plane der Schaffung einer jüdischen Universität in Jerusalem. Es wird sich erst zeigen müssen, ob unter den leitenden jüdischen Persönlichkeiten genügendes Interesse für diesen Plan vorhanden ist. Eine jüdische Karawane. Aus Jaroslau in Galizien wird berichtet: Eine herzzerreißende Szene spielte sich dieser Tage in unserer Stadt ab. Auf vier Wagen, wie Zigeuner zusammengepfercht, passierten unsere Stadt 40 Personen, Juden, die auf Grund der letzten unmenschlichen Maßnahmen aus Kiew in Rußland vertrieben wurden. Diese Karawane jüdischen Elends befindet sich schon seit zwei Monaten auf der Wanderung. Ueber die Pessachfeiertage weilten sie in Czernowitz, wo zu ihren Gunsten mehrere Wohltätigkeits-Veranstaltungen stattfanden, aus deren Ergebnissen für die armen Vertriebenen Wagen und Pferde gekauft wurden, um auf diese Weise ihre Reise bis Wien fortsetzen zu können, von wo ein Teil nach Canada und ein Teil nach Palästina befördert werden wird. Diese arme Karawane ist aller Mittel bar und gezwungen, sich von Stadt zu Stadt durchzubetteln. Wie sie versichern, haben sie seit Jahrzehnten in Kiew gewohnt, die meisten von ihnen wurden auch dort geboren und der Ausweisungsbefehl traf sie um so härter, als er unvorbereitet kam und sie daher nicht in der Lage waren, ihre Habe in Ruhe entsprechend zu verwerten. Der Persische Schah und die Ehewra kadischa. Aus Odessa wird geschrieben: Dieser Tage starb hier infolge eines Zweiradunfalles der Schwager des gewesenen Schah von Persien, Abdul Mirza. Der Leichnam des Verstorbenen wurde nach Persien überführt. Um nun den Körper zur Bahn zu befördern, wandte sich der Ex-Schah an die hiesige Ehewra Kadischa mit der Bitte, ihm zu diesem Zwecke den Leichenwagen dieses Brudervereines zu überlassen, da die Familie Gewicht darauf legt, mangels einer ähnlichen mohammedanischen Körperschaft in Odessa, keine andere Gesellschaft als die jüdische, bzw. deren Leichenwagen zu benützen. Es ist nun interessant, daß das Rabbinat, welches über Befragen der Leitung der Ehewra Kadischa die Angelegenheit in einer eigenen Sitzung behandelte, die Bewilligung zur Bereitstellung des jüdischen Leichenwagens für den Leichnam des Abdul Mirza erteilte. Sprechsaal'. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Vor ca. drei Wochen war eine Vorbesprechung zur Gründung einer Agudahortsgruppe in Nürnberg. Der Rabbiner von Ansbach lieh durch einen Vertreter erklären, daß er zwar ein sehr warmer Freund des Agudah-Gedankens sei, daß er aber zurzeit wegen mancher noch ungeklärten Frage die Gründung einer Ortsgruppe für nicht opportun halte. Für Sonntag, 8. Juni wurde nun von einem Komitee eine Versammlung zur Gründung einer Ortsgruppe einberufen. Der Rabbiner von Ansbach fragte an, ob Diskussion gestattet und ob Nicht-Nllrnberger zu derselben zugelassen würden. Als ihm der Rat gegeben wurde, es zu versuchen, erwiderte er, er wolle es nicht riskieren, daß es ihm so ergehe wie den orthodoxen Herrn in der Würzburger Versammlung der liberalen Vereinigung. Er müsse klare Antwort haben, ob es ihm gestattet würde, Fragen an die Vertreter des provisorischen Komitees zu stellen. Daraufhin beschloß das Nürnberger Ortskomitee, von einer Einladung Abstand zu nehmen. Wir bedauern dieses Verfahren. Wir erblicken darin eine seltsame Bekundung des Mutes. Wenn man glaubt, auf solche Weise sich aller unbequemen Elemente entledigen zu können, so irrt man sich, denn wir hoffen, daß denn doch auch in den Reihen der Orthodoxie es noch Männer gibt, die auf der Basis der Wahrheit einem freien Meinungsaustausch nicht abhold sind. p. k. Bücheröelprechung. Reich, Berühmte Judengemeinden des osmanischen Reiches. Frankfurt a. M., bei I. Kauffmann. 80 S. Preis 1 Ji. Der Verfasser möchte in der jetzigen ernsten Situation des osmanifchen Reiches demselben eine Dankesschuld der Judenheit abtragen, indem er nachzuweisen versucht, wie sehr die drei Gemeinden Adrianopel, Saloniki, Konstantinopel ihren Aufschwung der türkischen Herrschaft verdanken, die einst in schwerer Stunde den Verfolgten eine Zufluchtsstätte gewährte. Die flott geschriebene Darstellung birgt auch eine Fülle interessanter Einzelheiten. Ignaz Balla, Die Rotfchilds; Verlag I. Ladyfchnikow, G. m. b. H., Berlin; broschiert 6 Ji, gbd. 8 Ji. Das Buch ist zum 100. Todestag (19. September 1912) von Maier Amfchel Rotschild, dem Begründer des Rotfchildfchen Bankhauses, erschienen. Die Geschichte der fünf Verzweigungen — London, Paris, Wien, Frankfurt, Neapel — wird uns vom Verfasser in spannender Weise vorgetragen. Wie die Familie aus kleinen Anfängen groß geworden und in ihrer Größe feftgewurzel blieb in den Grundsätzen, denen sie ihren Aufstieg verdankte — in Eintracht, Rechtlichkeit und Arbeitslust (..conconlia, integ-ritas. mdustria“ steht auf dem Familienwappen) — hat der Verfasser recht anschaulich geschildert. Manchmal allerdings scheint uns die „Geschichte" zu „rornanhaft", und sind andererseits die Auszüge aus fremden Werken (besonders Heine) zu mnfangreich. Das Buch ist mit zahlreichen Illustrationen geschmückt und sehr vornehm ausgeftattet. Wir können feine Lektüre nur empfehlen.