Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 24 (13.6.1913)
- Date
- 1913-06-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nl. 24. Das jüdische Kiatt. Palästina. Jerusalemer Brief. Dein hiesigen Gesetze zufolge sind nicht nur aktiv amtierende Geistliche aller- Konfessionen, sondern auch solche vom Militärdienst befreit, die im Studium ihrer Religionslehre ein geistliches Leben führen. Im Sinne dieses Gesetzes wurden auch allen jungen Leuten, die von der Leitung einer der hier bestehenden Jeschiwaus ein von Chachambaschi legalisiertes Zeugnis aufweisen konnten, daß sie in der zuständigen Jeschiwa sich dem Toralernen widmen, als „Chachamim" vom Dienste entlastet. Daß die Zahl solcher Chachamim viele Hunderte ausmacht, konnte einem jeden, der die Eigenschaft. Jerusalems als religiösen Mittelpunkt kennt, nur natürlich sein. Es war daher selbstverständlich, daß alle diese Hunderte von der Behörde unangetastet ihre rechtsmäßige Militärfreiheit erhielten. In diesem Jahre jedoch gelang es einem bekannten Denunziator als jüdischer Vertreter in die Stellungskommission — die Leute werden von der Behörde gewählt — einzudringen. Diesem professionellen Erpresser konvenierte diese feierliche Militärfreiheit so vieler junger Leute nicht. Anstatt die Interessen seiner Glaubensgenossen pflichtgemäß zu vertreten, hetzte er in Gegenwart der Kommission mit allerlei höhnischen und herabsetzenden Fragen diese jungen Wesen so lange ab, bis sie ihm Antwort schuldig bleiben mußten. Daraufhin empfahl er jedesmal dem Vorsitzenden Militärkommandanten öffentlich, das vorgewiesene Chachamzeugnis nicht anzunehmen und den Inhaber ohne weiteres als militärpflichtig einzutragen. Diesem Menschen genügte aber diese Gewalttat noch immer nicht. Um einem etwaigen Proteste der Jeschiwaus vorzubeugen, verschmähte er es nicht, vor der Behörde deren ganzen Charakter als Lehranstalten wegzuleugnen und sie als Winkelanstalten zu zeihen. Eine Bekräftigung für diese lächerliche Verdrehung suchte er darin zu finden, daß diese Jeschiwaus nicht von den Gemeinden, sondern von den Gründern selbst verwaltet werden, die andererseits wieder nicht immer ottomanifche Untertanen sind. Als alle Eingaben und Einwendungen der Jeschiwaus und des Chachambaschis infolge der Wühlereien des in Rede stehenden Denunziators ergebnislos verliefen und die zuständigen Behörden sie immer wieder mit der bündigen Erklärung abfanden, daß die jungen Leute sich binnen 14 Tagen in der Garnison einzufinden haben, sah sich die hiezu aus Mitgliedern beider Gemeinden (sephardischen und aschkenasischen) gebildete Kommission gezwungen, in dieser Angelegenheit Rabbi Israel P o r a ß als Emissär zum Grandrabbin Haim Rahoum zu entsenden, um diesen zu energischerer Verwendung zu bewegen. Run kommt vom Rabbi Israel P o r a ß, der bereits von Konstantinopel seine Rückreise antritt, die telegraphische Nachricht, die doppelt erfreulich ist. Erstens wird im Auftrag des Grandrabbin Nahoum zur eingehenden Untersuchung der Sache der als Soldaten eingestellten Chachamim Rabbi Jsak S ch a k u von dort hierher entsendet. Zweitens hat der Grandrabbin eine kultusministerielle Anerkennung aller Jeschiwaus — Chaje-Olam, Eiz-Chajim, Mea- Schearim, Ohel Mosche und Poratz-Chajim — als öffentliche Lehranstalten durchgesetzt. An den hiesigen Militärkommandanten gelangte eine behördliche Anweisung, die Lernenden genannter Jeschiwaus im allgemeinen als Chachamim zu betrachten; und in der Sache derjenigen, denen die Eigenschaft als Chachamim bestritten ist, weitere Informationen abzuwarten. Jedoch scheint auch ihre Sache infolge einer sachlichen Untersuchung erledigt. Bestand ja ihre Schuld nur darin, daß sie nicht pfiffig genug waren, schurkischen Hohn energisch genug von sich abweisen zu können. So siegte die Wahrheit wieder einmal. Schade nur um die Anstrengung, deren der nichtswürdige Angeber wahrhaftig nicht wert ist. P Korrespondenzen. II MW - Glsaß-Kothringerr. - eliQ Altkirch. Wie vorauszusehen war, ist Herr Lazare Dreyfus bei den Nachwahlen in den Gemeinderat gewählt worden. Diese Wahl wird in unserer Gemeinde besonders nach der Richtung begrüßt, daß jetzt zwei jüdische Mitglieder im Gemeinderat sitzen, und hoffentlich dieser Besitzstand bei den nächstjährigen Wahlen beachtet werden wird. Balbronn. Ein judenfreundlicher Pfarrer. Mit unfern christlichen Mitbürgern bedauern wir das Ableben des hiesigen prot. Pfarrers H. K i e f f e r. Ein hervorragender edler Menschenfreund, hat er auch den Juden bei jeder Gelegenheit durch Wort und Tat seine Liebe bezeugt. Als Schüler des Rabbiner Simon Levy von Schirrhofen und Lazarus von Westhofen hat er sich reiche Kenntnis des Judentums erworben und oft sprach er seine Hochachtung aus vor jüdischen Gebräuchen und Sitten. Er übte Wohltätigkeit ohne Unterschied der Konfession und viele jüdische Arme wissen von seiner Herzensgüte zu berichten. Mit Stolz und Dankbarkeit erinnern wir uns immer noch der Predigt, mit der er uns bei der Einweihung unserer Synagoge ehrte, voll Wehmut gedachten wir an seiner Bahre des Nachrufs, den er seinem Lehrer, Rabbiner Lazarus, widmete. Es war sein letzter Wille, ihn äußerst einfach, ohne Kränze, Gesang und Predigt zu Grabe zu tragen! — Wir werden seiner stets voll Dankbarkeit gedenken. 21. Bergheim. Eine eigentümliche Brutstelle hat sich ein Rotschwänzchen in der hiesigen Synagoge herausgesucht. Dasselbe hat sich oberhalb des £Hpn j'Htf sein Nest eingerichtet, worin mehrere Jungen sich befinden. Während des Gottesdienstes sieht man dasselbe durch ein Fenster aus- und einfliegen und den Kleinen Futter bringen. Dammerkirch. Der israelitischen Feiertage wegen ist der nächste Jahrmarkt, der gewöhnlich an jedem zweiten Dienstag ds Monats stattfindet, auf Dienstag, den 17. Juni, verlegt worden. Hagenau. Herr Jacques Hirsch, Hopfenhändler, ist zum Geschworenen für die am 23. Juni beginnene Session des Schwurgerichts ernannt worden. — Von dem Jugendgottesdienst ist wieder alles stille. Und doch wäre jeder Vater und jede Mutter sehr damit einverstanden, daß für die religiöse Erziehung der Kinder etwas getan werde. Und eben so sicher ist es, daß unser Herr Rabbiner sehr für die Sache eingenommen ist, und auch Herr Lehrer Picard würde gewiß nicht zurückstehen. Daß es absolut notwendig ist, daß etwas geschehe, gibt jeder zu. Und doch geschieht noch immer nichts. Woran mag das liegen? 21. W. Mülhausen. Herr A. Gintzburger, Präsident der Sparkasse, hat den roten Adlerorden erhalten.