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Das jüdische Blatt · 1913-06-13 · 24 (13.6.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
24 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24. Das jüdisch- Matt. andere Gruppe wollte es bei dem früheren Beschluß belassen. Nach einer längeren Debatte kamen folgende Anträge zur Abstimmung: Antrag Burg: Die vereinigten Konsistorien wollen beschließen: In Erwägung, daß die von dem elsaß-lothringischen Rabbinerverband in seiner Eingabe vom 25. April 1913 behandelte Frage durch den Beschluß der vereinigten Konsistorien vom 13. Oktober 1912 ihre Erledigung gefunden hat, über die bezeichnete Eingabe zur Tagesordnung überzugehen. Der Antrag wurde mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Antrag Meyer: Die vereinigten Konsistorien wollen beschließen, das von dem Rabbinerverbande erworbene Diplom des Herrn Kohn nicht anzuerkennen, und ihm aufzugeben, ein solches an einem Seminar zu erwerben. — Der Antrag wurde mit 11 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Antrag A d l e r - W e i l: Die vereinigten Konsistorien wollen beschließen, den in der Plenarversammlung vom 13. Oktober 1912 gefaßten Beschluß aufrecht zu erhalten. — Der Antrag wurde mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Antrag Klein -B err: Die vereinigten Konsistorien wollen beschließen, das Diplom der liberalen Kommission nicht anzuerkennen und Herrn Kohn daher zu veranlassen, eine Prüfung vor dem Herrn Oberrabbiner Dr. Netter und 2 beisitzenden Rabbinern abzulegen. — Der Antrag wurde mit 8 gegen 7 Stimmen angenommen. 5. Vorschlag betreffend Aenderung der Kultusverfassung und Ernennung einer Kommission zur Ausarbeitung eines Entwurfs einer neuen Verfassung. Die Angelegenheit wurde vertagt und soll auf die Tagesordnung einer nächsten Plenarsitzung der drei Konsistorien gesetzt werden. 6. Pensionskasse der Kantoren in Elsaß-Lothringen. Versicherungs- und Pensionskasse für Witwen und Waisen der israelitischen Vorsänger in Elsaß-Lothringen. Nachdem am 31. Dezember 1912 die Herren Kommerzienrat Kaufmann und Stein aus dem hiesigen Konsistorium ausgeschieden und sie den Wunsch ausgedrückt haben, von dem Amte als Präsident resp. als. Mitglied der beiden Kantoren-Kassen entbunden zu werden, beschlossen die vereinigten Konsistorien, an Stelle des ersteren Herrn Aron Weil, sowie an Stelle des letzteren Herrn Anton Adler, beide Mitglieder des Konsistoriums des Bezirks Unterelsaß, zu ernennen. Der Vorstand der Kasse besteht nunmehr aus folgenden Herren: Ehrenpräsidenten: Justizrat Dr. Schmoll, Mannheimer, Hannaux; Präsident: Aron Weil, Mitglied des Konsistoriums von Unterelsaß; Vizepräsidenten: Oberrabbiner Weil, Oberrabbiner Ury, Oberrabbiner Dr. Netter; als Delegierte des Konsistoriums von" Unterelsaß Otto Adler, von Oberelsaß Armand Bernheim, von Lothringen Coblentz; als Mitglieder: Oberkantor Heymann-Straßburg, Oberkantor Zivy-Colmar, Oberkantor Kahn, Mülhausen; Schatzmeister: Kantor Weyl-Dornach; Schriftführer: Kantor Kaufmann- Straßburg. Aus aller Wett. Frankreich. Die Alliance Jsraelile in Palästina. Wie bereits berichtet, hat die französische Regierung in der Liste ihrer Beschwerden gegen die türkische Regierung auch eine gewisse Anzahl jüdischer Lehranstalten in Palästina als unter ihrem Schutze stehend erklärt. Nicht ohne Zusammenhang mit dieser Politik scheint das neue Verfahren der Alliance Jsraelite Universelle gegenüber Palästina zu stehen. In einem Vortrag nämlich, den der Sekretär der Alliance, M. I. B i g a r t, in einer öffentlichen Versammlung der jüdischen Volksuniversität in Paris über „Die Tätigkeit der Alliance in der Türkei" gehalten hat, führte er ungefähr folgendes aus: „Es mag viele unter Ihnen überraschen, wenn ich für die kolonisatorischen Unternehmungen in Palästina, die heute so viel von sich reden machen, für die Alliance die Priorität beanspruche. Aber tatsächlich war es die Alliance, welche um 1870, zu einer Zeit, wo niemand an Palästina dachte, außer einigen Schwärmern wie Pinsker, den ersten Schritt auf dem Wege der Besiedlung des Landes durch Juden tat, und der Name Mikweh Israel', den sie ihrer Musterschule beilegte, zeugt von den Hoffnungen, die sie an die Gründung knüpfte." Herr Bigart erklärt ferner, daß gewisse Umstände leider die Alliance daran gehindert haben, dem Werke in Palästina die Sorgfalt und die Mittel zuzuwenden, die ursprünglich dafür gedacht waren, so daß die Entwicklung viel zu langsam vor sich ging. Dies solle jetzt aber anders werden. Das Komitee habe beschlossen, mit größter Energie an die Ausgestaltung des begonnenen Werkes heranzugehen. Die erste Aufgabe sei die Fürsorge für die schulentlassene Jugend. (Österreich Ungarn. Elster Zionisienkongreß. in Wien. Wie nunmehr endgültig feststeht, wird der elfte Zionistenkongreß vom 2. bis 8. September d. I. in Wien im dortigen Musikvereinssaal stattfinden. Es ist interessant, daß die zionistische Bewegung, deren Begründer der verstorbene Dr. Theodor Herzl, bekanntlich Wiener war, jetzt zum erstenmal mit ihrem Kongreß nach der österreichischen Metropole geht. Von den bisherigen zehn Kongressen fanden sieben in Basel, einer im Jahre 1909 in London, einer 1907 im Haag und einer 1909 in Hamburg statt. Rußland. Die Anklagerede des kadeltenführers Aliljukow in der Duma In der Sitzung der Reichsduma vom 3l. Mai hat der Leader der Kadettenpartei M i l j u k o w gegen die Politik des Ministers des Innern Mattlakow eine scharfe Rede gehalten, in der er sich besonders ausführlich und eindringlich gegen die systematische Verfolgung der Juden ausgesprochen hat. Die Rede enthält eine zusammcnfassende historische Schilderung der empörenden Politik der Judenvertrnbung, die wir für interessant genug finden, um sie möglichst vollständig wiederzugeben. Die Juden sagte Miljukow, sind das erste Opfer der Nationalisten gewesen. Ihnen gegenüber fiel es leicht, den Haß zu schüren und die mittelalterlichen Instinkte wachzurufen die dumpfen Töne nationalen Hasses anzuschlagen und das Volk zu Taten zu treiben zu denen es seiner Natur nach nicht fähig ist. An den Juden lassen sich leicht alle Phasen beobachten, die die nationale Frage bei uns durchgemacht hat. Zur Zeit der Befreiungsbewegung wurde die Frage angeregt, alle Rechtsbeschränkungen der Juden aufzuheben. Schon waren die Vorarbeiten dazu ausgenommen. Die Einleitung dazu bildete Stolypins bekanntes Zirkular vom 22. August 1907, durch welches wenigstens den Vertreibungen derjenigen Juden Einhalt geboten

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