Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Klatl. Nr. 23. Mitglieder eine mehr passive, zur Interesselosigkeit hinführende Rolle zumeist, hat es bis jetzt an einer Vereinigung gefehlt, deren Programm eine mehr nach innen gerichtete, die Einzelmitglieder selbst umfassende Betätigung aufweist. Um diese Lücke auszufüllen, haben sich einige jüngere Leute zusammengefunden und unter dem Namen „Jüdischer Wanderbund" einen Verein konstituiert, der einerseits durch gemeinsames Wandern, verbunden mit Sport und Spiel, die körperliche Kräftigung und Gewandtheit seiner Mitglieder erstreben und so die bis auf unsere Zeit nachwirkenden Schäden eines fast tausendjährigen Ghettos ausmerzen will, der ferner den Geist jüdischer Kameradschaftlichkeit zu pflegen und die Freude an der Natur unter seinen Mitgliedern zu wecken sucht. Andererseits will er, davon ausgehend, daß gerade hier unter den meisten jüngeren Leuten der krasseste Jndifferentismus für ihr Judentum herrscht, durch Vorträge, Referate und Diskussionen über historisches und aktuelles Judentum, durch Gründung einer gediegenen, jüdischen Vereinsbibliothek das geistige Interesse seiner Mitglieder für ihre jüdische Eigenart wachrufen und sie zu stolzen, aufrechten Bekennern ihres Judentums machen dadurch, daß sie es kennen und schätzen lernen sollen. Dem Verein, der heute schon an die 40 Mitglieder zählt, können alle jüngeren Leute als aktive, ältere als unterstützende Mitglieder beitreten. Anmeldungen sind zu richten an Dr. phil. P. Levy, Spinnereistraße, der auch zu jedweder weiteren Auskunft bereit ist. Saargemünd. Bei der Gemeinderatsersatzwahl vom 1. Juni, bei der sieben Mitglieder zu wählen waren, wurden gewählt: 5 Fortschrittler, 1 Sozialist und 1 Zentrumsmitglied und zwar als solcher Herr C a h e n. Saargemünd. Der älteste Mann unserer Gemeinde, M. Backereit, ist im Alter von 80 Jahren in der vergangenen Woche nach kurzer Krankheit gestorben. Der Verstorbene hat früher lange Jahre in Frauenberg gewohnt. Eine große Menschenmenge gab dem Verblichenen das Geleite zur letzten Ruhestätte, allwo Rabbiner Dr. Dreifus in kernigen Worten die Vorzüge des Dahingeschiedenen pries. ,7. 7k. Struth. Eine segenversprechende Einrichtung traf unser geehrter Herr Rabbiner, Dr. Debrü-Saarunion. Er wird nämlich alle 14 Tage unsere Gemeinde besuchen, um die reife Jugend und auch ältere Leute in religiösen Dingen zu unterweisen. Heute erschien er zum erstenmal. Ueber 20 Personen, darunter auch verheiratete Männer, haben sich im Schulsaal versammelt, um dem interessanten Lehrvortrag zu folgen. Der Zuspruch zu diesen Versammlungen wird voraussichtlich immer größer werden, und der gute Erfolg wird in unserer religiösen Gemeinde nicht ausbleiben. An dieser Stelle sei dem Herrn Rabbiner der herzliche Dank seiner Zuhörer ausgesprochen. I. Gradwohl, Kantor. Trimbach. Am vergangenen Dienstag hat unsere Lehrerin Fräulein Levy unseren Ort verlassen, um ihre neue Stelle in Metz anzutreten. Sie war hier über fünf Jahre und hat ihrem Berus gewissenhaft obgelegen, insbesondere die Jugend religiös zu erziehen gesucht. Eine Nachfolgerin erhält sie voraussichtlich nicht, den Religionsunterricht erteilt der Lehrer von Niederrödern, Herr Levy. Bayern. Feuchtwangen. Ernste Wehmut ist in unserer Gemeinde eingekehrt. Jäh und plötzlich schied nach einem unbedeutenden Unfall unser Lehrer L e v i t aus dem Leben. Es ist ein arbeitsvolkes und kampfesreiches Leben, das da seinen Abschluß fand. Seit mehr als 20 Jahren versah Herr Lehrer Levit n"y dahier alle Kultussunktionen. Sein Andenken wird ein ehrenvolles bleiben. Die Beerdigung fand am Sonntaa unter außerordentlich zahlreicher, ehrender Teilnahme statt. Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn zeichnete das Wirken und mühevolle Leben des Verklärten. Herr Kultusvorstand Stern sprach am Grabe den Dank der Gemeinde aus. Jchenhaufen (unlieb verspätet). Der Ausgang des freudenreichen Freiheitsmonats gestaltete sich für die hiesige Gemeinde zu einem Trauertage durch das Hinscheiden eines ihrer Besten und Edelsten, des Herrn Herman Löwenstein, der im Alter von 57 Jahren nach einer leider ohne Erfolg gebliebenen Operation in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Mit ihm schied ein echter Jehudi der^ ^mit^"-s in sich vereinte. Als Kaufmann, ausgezeichnet durch Fleiß, Ehrlichkeit und Redlichkeit, erfreute er sich besonders auch bei seiner zahlreichen nichtjüdischen Kundschaft ob dieser Eigenschaften der größten Beliebtheit. Trotz seiner ausgedehnten geschäftlichen Tätigkeit versäumte er aber keinen Tag oder vielmehr keine Nacht, das Studium der Thora und besonders der Gemoro zu pflegen. Dabei beobachtete er alle Mizwos mit der peinlichsten Pünktlichkeit. Er war aber auch ein großer der seinen gewissenhaft abgesonderten nur zu edlen Zwecken und ganz besonders auch für das heilige Land verwendete. Da die pnnp am Rosch Chodesch Jjar stattfand, durfte der allgemeinen Trauer über den Verlust dieses großen Jehudi nicht Ausdruck durch einen verliehen werden. Um ihn trauert nicht allein die schwergeprüfte Gattin und seine braven, in echt jüdischem Geiste erzogenen Kinder, sondern auch ein Waisenknabe, den er zum tüchtigen Menschen und guten Juden herangebildet hat. Wir aber können nur ausrufen: jTDrvtfs abi by b^n. Kihingen. Als letzte Woche abends einige junge Leute auf dem Main ruderten, stießen zwei Boote aneinander, so daß das eine kenterte. Die beiden Insassen fielen ins Wasser, konnten jedoch nicht schwimmen. Während der eine gerettet werden konnte, fand der zweite namens G. Weinberg, ein hoffnungsvoller 20 jähriger Mann aus Gersfeld i. Röhn den Tod in den Wellen. Möge der Allmächtige die Angehörigen trösten. Nürnberg. Es herrscht eine gewisse Erregung wegen der Frage der bayrischen Rabbiner-Konferenz. Und sehr Unberufene brüsten sich mit der Allwissenheit, daß das schon längst hätte geschehen müssen nsw. Diesen orthodoxen Herren möchten wir folgendes ins Stammbuch schreiben. Die Herren, die für sich selbst gar keine Konsequenzen kennen, lustig weiter in neutralen Vereinen gondeln, im Kampf gegen die Richtlinien die Rabbiner sehr hübsch allein ließen, die sollten auch jetzt hübsch ruhig sein und den Rabbinern die schwere Stunde nicht noch erschweren. Uffenheim. Unser langjähriger, wohlverdienter Kultusvorstand, Herr Meier Zucker, hat infolge hohen Alters sein Amt niedergelegt. An seine Stelle wurde Herr Josua Flamm gewählt. Preußen. Dr. Israel Roos b"2JT. Frankfurt a. 7N Wiederuin, nach kurzer Frist, seitdem wir unseren bescheidenen und verdienstvollen Aron Wolf