Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 23 (6.6.1913)
- Date
- 1913-06-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das füdische Dlatt 7 über zu machen, und H. Tafthat die Versicherung abgegeben, daß in eine solche Verständigung nie eingetreten werden würde, und daß kein Modus vivendi in Erwägung gezogen werden könne, der die Versprechungen der drei politischen Parteien in dieser Angelegenheit nicht mit ausdrücklichen Worten erfülle. Ich bin so glücklich, erklären zu können, fuhr L. Marschall fort, daß Präsident Wilson sich in den bündigsten Ausdrücken in gleichem Sinne ausgesprochen hat. Es ist daher ausgeschlossen, daß irgend ein Vertrag zustande kommt, der den durch das amerikanische Volk verkündeten politischen Grundsätzen widerspräche. Korrespondenzen. - Elsaß Lothringen. Straßburg. Die von der Zweiten Kammer in dritter Lesung angenommene Vorlage über Teuerungszulagen an die Beamten, Lehrer und Geistliche ist von der Ersten Kammer in ihrer Sitzung von letzten Freitag abgelehnt worden. Es wurde dann von derselben folgende Resolution angenommen: Die Kammer nimmt Kenntnis von der Erklärung der Regierung, daß sie unverzüglich die Ausarbeitung eines Gesetzes betreffend die Neuregelung der Gehälter der Geistlichen vornehmen wird und spricht das Ersuchen aus, daß die Vorlage mit möglichster Beschleunigung eingebracht werde. Strahburg. Das Konsistorium des Bezirks Unter-Elsaß teilt uns mit, daß auf seinen Antrag durch Erlaß des Kaiserlichen Ministeriums vom 16. Mai d. Js. O. S. 4281 den israelitischen Schülern und Schülerinnen aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums S. M. des Kaisers am 14. Juni die Möglichkeit gegeben sein wird, dem Festgottesdienst in der Synagoge beizuwohnen. Slraßburg. Die von dem Konsistorium zu Colmar vorgenommene Ernennung des Rabbinatskandidaten Dr. Julius Weil aus Buchsweiler zum Rabbiner in B o l l w e i l e r ist durch das Ministerium bestätigt worden. Dr. Weil hat seine Stelle am letzten Sonntag angetreten. Straßburg. Zu der Schwurgerichtsperiode in diesem Sommer ist als Geschworener auch Herr Leon Cers, Direktor des Hospiz „Eliza" berufen worden. Straßburg. Der Jüdische Turnverein veranstaltet am Sonntag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, in den Sälen des Zivilkasinos ein Sommer-Familienfest, das in der Hauptsache dazu bestimmt ist, seinen Passiv-Mitgliedern, die sich an den sonstigen mannigfaltigen Veranstaltungen des Vereins nicht beteiligen, einen genußreichen Abend zu bieten. Das Fest besteht aus einem Tanzkränzchen, dessen Pausen durch einzelne Vorträge, Reigen usw. ausgefüllt werden. Der Vorstand hat keine Mühe gescheut, um der Veranstaltung einen vollen Erfolg zu sichern, und es steht somit zu erwarten, daß sich diese auf ihre Art würdig neben die großen Winterfeste reihen wird. Strahburg Der Jüdische Turnverein und der Jüdische Jugendbund veranstalten gemeinsam am nächsten Sonntag, den 8. Juni einen Ausflug nach Rothau, Pquelles, Katzenstein, Lac Lamaix, Praye, Schirmeck. Abfahrt 6,43 Uhr, Treffpunkt 6,30 Uhr; Rückkehr: 9,48 Uhr; Sonntagskarte Rothau: 1,65 dt. Mundvorrat für Mittag und Abend ist mitzunehmen. Gäste sind willkommen. Altkirch. Zu der Ergänzungswahl zum Gemeinderat, die gestern stattfand, waren unter den sieben Kandidaten von den Parteien auch je ein jüdischer Mitbürger aufgestellt. Leider ist im ersten Wahlgang keiner von ihnen durchgedrungen. Doch hat unter den unterlegenen Kandidaten unser Parnaß, Herr Lazare Dreyfus, die höchste Stimmenzahl — es fehlten ihm nur zwei Stimmen zur Majorität —, so daß begründete Aussicht vorhanden ist, daß er auch am nächsten Sonntag an der Spitze der Gewählten stehen wird. Es würde damit nach langen Jahren der Fall eintreten, daß unser Gemeinderat zwei jüdische Mitglieder zählen würde, ä condition, daß auch unsere jüdischen Mitglieder ihre Wahlpflicht ausüben. Finstingen. Ein Fall von erschütternder Tragik ist von hier zu melden. Sylvain Ury aus Großblittersdorf, dessen Frau vor 10 Monaten an den Folgen ihrer Niederkunft gestorben ist, ein Töchterchen zurücklassend, kam Eres Jomtof der hinteren Tage Pesach hierher zu seinen Schwiegereltern Felix Bloch zu Besuch. Kaum war er hier, als er erkrankte und an Lungenentzündung am letzten Montag starb. Von nah und fern, besonders aus seiner Heimat Großblittersdorf, waren viele Leute zu seiner Beerdigung erschienen. Rabbiner Dr. Levy-Saarburg, sowie der hiesige Kantor sprachen erhebende und zu Herzen gehende Worte, die alle Anwesenden zu Tränen rührten. Der Verblichene hat ein Alter von 31 Jahren erreicht. J. B. Freialtdorf. Vorige Woche starb in unserer Gemeinde, die nur noch 4 jüdische Familien zählt, Fr. Wwe. C. Bloch im Alter von 80 Jahren. Fast die ganze christliche Bevölkerung hatte sich am Tage der Beerdigung vor dem Trauerhause eingefunden, so daß der Nachruf auf offener Straße gehalten werden mußte. Ihrem Wunsche gemäß wurde ihr Sarg auf einfachem Wagen nach Saarunion gebracht, wo ihr Gatte seit acht Jahren die ewige Ruhe gefunden hat, um auch im Tode mit ihm vereint zu sein. Manche Träne wurde um diese allgemein geachtete Frau geweint. £ Gebweiler. Schwer verunglückt ist letzten Donnerstag der hiesige Möbelhändler Levy. Als er des nachts mit seinem Fuhrwerk von Mülhausen nach Hause fuhr, begegnete ihm an der Brücke zu Bollweiler ein schwerer Lastwagen, der in sein Fuhrwerk hineinfuhr. Levy stürzte durch die Gewalt des Stoßes vom Wagen herunter, wobei er schwere Verletzungen davontrug. Der Verunglückte mußte sofort nach Mülhausen in das Hasenrainspital verbracht werden. Lingolsheim. Jugendbund Lingolsheim. Am Sonntag den 1. Juni unternahm der Jugendbund Lingolsheim einen Ausflujg nach Urmatt—Nideck—Schneeberg— Wangenburg—Romansweiler. Trotz der morgens noch ungünstigen Wetterverhältnisse schlossen sich 16 Mitglieder der Führung an, 5 wanderten von Romansweiler nach Wangenburg, so daß über die Hälfte der Mitglieder sich an der Wanderung beteiligt hatte. Bereits am 1. Mai hatte ein Ausflug von ca. 25 Kilometer in die Umgebung stattgefunden, und beidemal hat sich die hiesige Jugend als gute Wanderer bewährt. Im Laufe des Jahres werden noch verschiedene Wanderungen statthaben. Ls. Mülhausen. An jüdischen Vereinen fehlt es nicht in Mülhausen, obwohl ihre Zahl nicht im Verhältnis zur numerischen Bedeutung der jüdischen Gemeinde steht. Aber während sich ihre Tätigkeit in letzter Linie ausschließlich aus das Gebiet der Wohltätigkeit konzentriert und der Mehrheit der