Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. Das jüdische Klatt. y Trauerhause sprachen die Rabbiner Dr. Goldstein-Mutzig, Dr. A. Debrü-Ansbach, Enkel des Verstorbenen, Dr. M. Debrü- Saarunion, Dr. A. Bloch-Oberehnheim und Lehrer Weil- Rosheim, die alle die hohen Eigenschaften des Verblichenen rühmten, und demselben den Dank aussprachen für sein selbstloses Wirken. Dr. Goldstein ehrte ihn noch mit Erteilung des '~on Titels, was er bei dessen Lebzeiten schon gerne getan hätte, aber wegen seiner großen Bescheidenheit hatte unterlassen müssen. Möge sein Sohn, seine Töchter und Enkel im Geiste des Verblichenen weiter wirken, und mögen sie Trost finden in dem Gedanken, daß ihr Vater nicht umsonst gelebt. Er ruhe in Frieden. Kayern. Eine offene Frage an die Orthodoxie Bayerns. Im Anfänge der Revisionsbewegung wurde von dem Eros der Orthodoxie behauptet, daß sie es in der Hand habe, selbst dann, wenn schon ein Entwurf an das Parlament gebracht sei, die Revision unmöglich zu machen, falls die Orthodoxie sage, jetzt gebe sie ihr Revisionsbegehren auf. Wir fragen den orthodoxen Revisionsverein bzw. den Verein für die Förderung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Bayern, ob derselbe noch jetzr an diesem Glauben festhält? Wir bitten dringend um Antwort und stellen ihm dieses Organ zur Antwort zur Verfügung. Wir haben Grund anzunehmen, daß, wenn sich der Verein der Beantwortung dieser Frage entzieht, er sie nicht bejahen kann. Dann aber gibt es ein wesentlich verändertes Bild der Situation. Weiden. In der für unfern Schlachthof erlassenen Schlachthofordnung wurde bestimint, daß nach dem Schächten das Tier durch den Kopfschlag zu betäuben sei. Als unsre Gemeinde dem Distriktsrabbinat Regensburg zugeteilt wurde, tat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Meyer sofort Schritte zur Beseitigung dieser Bestimmung, welche gegen das Religionsgesetz verstößt und die den israelitischen. Kultusgemeinden arich staatlich auferlegte Pflicht zur Beschaffung ritualmäßigen Fleisches unmöglich macht. Einem auf Antrag des Herrn Bürgermeisters Knorr vom Magistrat gefaßten Beschluß, diesen Passus zu streichen, verweigerte das Gemeindekollegium die Zustimmung, und so sah sich das Rabbinat zur Beschwerde an die Kgl. Kreisregierung veranlaßt. Diese erkannte den Standpunkt des Rabbinats für richtig an und gab dem Stadtmagistrat auf, die Aufhebung der beanstandeten Ziffer zu beschließen, widrigenfalls die Regierung als Oberaufsichtsinstanz die ganze Schlachthofordnung außer Kraft setzen müßte. Daraufhin erfolgte auch die sofortige Streichung der beregten Klausel durch die Gemeindekörperschaften, so daß das Schächten dem Religionsgesetz entsprechend erfolgen kann. Unserm ehrwürdigen Herrn Rabbiner gebührt aber herzlicher Dank für sein mannhaftes Auftreten, nicht nur von seiten unserer Gemeinde, sondern auch seitens der gesamten bayerischen Iudenheit, da diese Entschließung der oberpfälzischen Regierung wohl geeignet ist, den Kampf gegen etwa in andern Kreisen auftretende Schwierigkeiten die Wege zu ebnen. mi. Drenste». S. Frankfurt a. Al. Heute Abend fand hier die glänzend verlaufene Eröffnung des neuen Vereinslokales der Agudas Jisroel-Jugendgruppe unter äußerst zahlreicher Beteiligung der jüdischen Bevölkerung statt. Zur Einweihung der prächtigen Klubräume sprachen die Herren Frankenthal und Martin Feist für die Jugendgruppe, Herr Direktor Dr. Lange für die Ortsgruppe Frankfurt, Herr Jakob Rosenheim für das Prov. Komitee der A. I. sowie Herr Leopold Perlmutter für die auswärtigen Jugendgruppen. Die A. J.-Jugendgruppen in Breslau, Hamburg und Würzburg, sowie die B. I. A. Heidelberg und einige Mitglieder des Prov. Komitees sandten warm gehaltene Glückwunschtelegramme. Es fand dann eine Besichtigung der Räume statt und das Einlernen durch gleichzeitige Eröffnung der drei Gemoroh-Schiurim, worauf Erfrischungen herumgereicht wurden. Es sprachen noch zum Schlüsse die Herren Gustav Kausmanir, Albert Meier, der ein Telegramm des Herrn Eduard Feist vorlas und des Herrn Kommerzienrat Louis Feist gedachte, und zuletzt nochmals Herr Martin Feist, der den Delegierten und Teilnehmern dankte. Es herrschte echte Festesstimmung und eine ganze Reihe neuer Mitglieder traten an diesem Abend der Jugendgruppe bei. Dieselbe zählt bereits 600 Mitglieder. Halberstadt. Auf dem Messingwerk bei Eberswalde der Firma Aron Hirsch & Sohn, Halberstadt wurde bei Ausschachtungsarbeiten für den Bau eines Arbeiterwohnhauses ein bedeutender G o l d f u n d gemacht, welcher aus dem siebenten oder achten Jahrhundert vor der üblichen Zeitrechnung stammt. Es wird darüber geschrieben: In einem groben etwa 25 Zentimeter hohen Tongefäß fanden sich 78 Goldgegenstände zusammengepackt, nämlich 8 schön verzierte Näpfe der bekannten nordischen Art, wie sie besonders durch die Stücke von Stralsund und Werder bei Potsdam bekannt ist, ferner ein dicker, gewundener Halsring, 33 kleine Drahtspiralringe, eine Menge von Drahtbündeln und Blechstreifen, schließlich ein paar Barren und das Stück eines Schmelzkönig. Der gesamte Fund wiegt etwa 2,5 Kilogramm. Er entstammt der letzten Bronzezeit, etwa des siebenten oder achten Jahrhunderts vor der üblichen Zeitrechnung und ist einer der größten und bedeutendsten Goldfunde, die je in Deutschland gemacht worden sind. Auf Ersuchen des Borstandsmitgliedes der Gesellschaft, Herrn Aron Hirsch, Berlin, hat Direktor Professor Schuchardt vom Völkermuseum an Ort und Stelle den Fund besichtigt und inventarisiert. Dem Vernehmen nach wird der Vorstand der Gesellschaft dafür Sorge tragen, daß der einzigartige, überaus wertvolle Fund der heimischen Archäologie erhalten bleibt/' In dieser Angelegenheit wurden vorige Woche Herr Koinmerzienrat Hirsch, Holberstadt, und Direktor Prof. Schuchardt vom Kaiser in Audienz empfangen, und Herr A. Hirsch stellte den G o l d f u n d dem Kaiser zur freien Verfügung. Kaden. Karlsruhe Von schwerem Leid betroffen wurde die Famile Ignaz I n t e r st e i n. Das sechsjährige Töchterchen der Familie kam, während die Mutter im Keller weilte, den Flammen eines kleinen Gasherdes zu nahe. Die Kleidchen fingen Feuer und das Kiild rnnllte vor Aufregung lichterloh brennend ins Bett. Die älteren Geschwister verloren gleich den Kopf und schrien. Durch das Geschrei aufinerksain gemacht, eilten einige Hausbewohner herbei, die die Flainrnen löschten. Das Kind wurde schwer verletzt mit dem Krankenauto ins Städtische Krankenhaus verbracht, wo es bald nach der Einlieferung unter den gräßlichsten Schmerzen seinen Geist aufgab. E. Ihmi ,J. England. Isaae Suwalski, der H e r a u s g e b e r der hebräischen, den o r t h o d o x e n j ü d i s ch e n Interessen dienenden Zeitschrift, i"iirpn ist vorige