Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1U Das jüdische Statt Nr. 22. Woche in London, 54 Jahre alt, gestorben. Der Verstorbene war eine hervorragende Persönlichkeit. In ihm erleidet das überlieferte Judentuin einen herben Verlust. Auf der Jeschima in Woloschin (Rußland) erzogen, ist er ein bedeutender Kenner des Talmud geworden, der dieser berühmten Pflanzstätte jüdischer Gelehrten alle Ehre machte. Er offenbarte so glänzende Fähigkeiten, daß er noch als Knabe das Rabbinerdiplom erhielt. Doch er verschmähte es, sich dem Rabbinerberuf zu widineu, uud zog es vor, sich schriftstellerisch zu betätigen, indem er mit seinen scharfen Argumenten den „Maskilim" zu Leibe rückte, den „Aufgeklärten" unter den russischen Juden, die über eine bedeutende Kraft im hebräischen Stil verfügten und alles Religiöse mit ihrein Spott begossen. Gegen Jehuda Leib Gordon, ben Löwen unter den damaligen Maskilim, richtete er die scharfen Pfeile seiner Kritik und erlangte dadurch die erste Berühmtheit. Als 19 jähriger Jüngling begann er die Herausgabe seines vierbändigen „Knesfes Israel", in dem er das überlieferte Judentum gegen die Angriffe der „Maskilim" zu verteidigen suchte. Später gab er „Das Leben des Juden nach dem Talmud" (Ti^Spn by '’TITn heraus, in dem er das Vernunftgemäße, die Vortrefflichkeit und Reinheit der jüdischen Lehre glänzend darstellte. Infolge widriger Schicksalsschläge, die den Verlust seines Vermögens herbeiführten, siedelte er von Warschau nach London über, wo er vor 16 Jahren den „I e h u d i" gründete, die einzige in England erscheinende hebräische Zeitschrift. In diesem schwachen Körper wehte ein großer Geist, stark genug, den Kampf gegen die zersetzenden Mächte der Zeit aufzunehmen und ein ungebrochener Mut der Ueberzeugung, mit dem er das Leben der jüdischen Gemeinschaft zu läutern strebte. Seine unverwüstliche Arbeitslust konnte weder durch Kraukheit noch Unglück geschwächt werden. Einst hatte er bessere Tage gesehen. Mittellos mußte er im Hospital sterben. Amerika. Ilew-Dork. Am 7. und 8. Mai tagte hier das leitende Komitee der „Association <>!' Orthodox Rubins of TTni-!<*d States & Canada" und beschäftigte sich eingehend mit den Bestrebungen der „Agudas Jisroel". Es wurde beschlossen, sich der nijK anzuschließen und den Mitgliedern des Rabbinerverbandes zu empfehlen, mit allen Kräften in dke Propaganda für die Weltorganisation der Gesetzestreuen einzutreten. — In der nach j"S hier stattfindenden Generalversammlung sollen die Wege geprüft werden, die in den Vereinigten Staaten zur Förderung der „Agudas Jisroel" eingeschlagen werden sollen. Es steht außer Zweifel, daß es gelingen wird, die nach vielen Tausenden zählende Masse der amerikanischen E'WT für die „Agudas Jisroel" zu gewinnen. Die amerikanischen gesetzestreuen Rabbiner betrachten es als ihre vornehmste Pflicht, durch den Anschluß au die „Agudas Jisroel" der Heranwachsenden Generation den Weg zu zeigen zur Aufrechterhaltung der ideellen Beziehungen zu den Ländern ihrer früheren Heimat und sie dadurch zur unverbrüchlichen Treue an die traditionellen Lebensaufgaben des Judentums zu erziehen. -^ - Mucheröesprechung. Eine u n getonnte Welt. Zweiter Band: Zwischen Rhein und Wolga. Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben. Von I u d a e u s. Verlag von Sänger & Friedberg, Frankfurt a. M. 5673. Das ist lebendiges Judentuin, was uns der in der Literatur mahl bekannte Verfasser in seinem mit dem Griffel des belletristischen Künstlers geschriebenen Buche varführt. Ob sie leideil ader sich freuen, lebendig treten inliner die Personen der Erzählungen var liils. Wir sehen sie handeln und hären sie reden, als wären wir körperlich mitten in ihrem Kreis. Wir sitzen mit dem schlichten galizischeil Gutspächter Feiwel Schick bei seiner braven Fanlilie in der festlich beleuchteten Sabbatstube, lauschen den frahen Klängen der Sabbatlieder und freuen uns, indem mir des Hauses weihevalle Stimmung mitgenießen; da vergessen wir all den Werktag um uns. Wen erbauten nicht der einfache Tagelöhner Hirsch Pappenheim durch sein Tharawissen und die seine ganze Umgebung sa hach überragende Herzensbildung, ader die zwei armen Hausierer mit ihrem Durchdrungensein van Derech Erez? Und erleben wir nicht mit, Phase um Phase, jene gewaltigen Seelenkämpfe der jugendlichen Helden in „Der Findling" und „Eine vereitelte Hachzeit"? Welches ' Riilgen um das Finden des eigenen Ich! Gespannt verfalgen wir van Seite zu Seite, wie sich bei ihnen die Gegensätze zwischen Erziehung und Selbsterkennen entwickeln und lösen. Erschüttert stehen wir var der Tragik des Menscheillebens in „Kreuzbauer". Ehrfürchtig schauen wir in „Ein Sabbatengel in Unifarm" des Ewigen Fügung, der seinen Beistand auf wunderbare Weise denen gibt, die redlich ihren Sabbat halten wallen. Liebliche Idylle reiht sich neben die Besprechung ernster Prableme; feiner Humar zu markiger Belehrung über jüdisches Pflichtenleben. Wie unaufdringlich und zugleich eindrucksvoll aber erfolgt die Uilterweifuilg; es ist kein gesuchtes Dozieren, sanderil geistvolle und väterlich gütige Vermittlung der Lehren: ungezwungen flechten sich Rechtsgrundsätze (S. 239), Warte der Weisen, Schulchanregeln in den Reden ein, gleich farbenprächtigen Blumen in einem Gewebe. Da werden lebendig die großen früheren Jahrhunderte und sagen denl Leser, was er sonst nie zu Gesicht bekam. Aber! Hand aufs Herz! Wenn wir das Buch schließen, müssen wir da nicht ausrufen: „Es ist wirklich eine ungekannte Welt, was wir schauten. Wie sehr ferne und ungekannt lag bis daher uns so viel der Schönheit!" Möge deshalb jeder sich stille Stunden suchen, fern vom Tagesgetriebe, in denen er mit dem Buche zu den Schätzen schürft, die es birgt! Er wird also reiche Werte für sich gewinnen und ein offenes Auge, warmes Herz für jene ungelannte Welt. Freude ain Thoraleben und an der Menschheit, gerechtes Urteil und innige Liebe zu seinem Bolk. Dr. I. W e i g l- München. Sprechfunk. (Für die in dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Rischheim (Alsace), lc 25 mai 1913. Mon eher Monsieur Rraguo! Votre lettre me surprend beaucoup, eher ami. ('eminent vous, M. Rrague, l'liommc foncierement pioux, si attache aux traditions et au culto de nos ancetros, au eultc de ceux auxquels vous rendez un si justc hommage, vous ne paraissez pas reconnaitre qu’uu changement s’est opere, depuis I’epoque de la fondation du — Vous vous effacez, a ce qu’il me scmble, devant radmiuistrateur-vicepresident. Le fcHTEn rPE m° Liit, a moi, l’effet d’un fils de talmudiste qui heritant de la bibliothöque de son pdro, monte au grenior los Ouemoras etc., pour les remplacor pas des oeuvres d’histoire juivo ou de Science juive moderne. Vous etiez, nous etions (car je suis membre depuis 30 ans), tSH'IEM ot, nous sommes dovenus pp^n 5VD- — Vous avez dünne tont le luxe que vous pouviez a