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Das jüdische Blatt · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Nr. 22. Das Misch- Mit. solche Statutenänderung im Bereich der Möglichkeit liegt, oder man hat die Orthodoxen für Narren gehalten. Auf seiten der Orthodoxie war ernster Wille zur Erhaltung der Konferenz, es wurde ein Statut nusgearbeitet, in welchem mit Ausschaltung der religiösen Differenzpunkte die Zweckbestimmung der Konferenz zwar geändert, aber immer noch bedeutungsvoll erhalten wurde. Es war ein Werk der Offenheit und des ehrlichen Bekenntnisses. Es kam zur Beratung. Die statutengemäß verlangte Dreiviertel-Mehrheit kam nicht zustande. Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, auf welcher Seite die Schuld liegt, daß dieses Resultat erzielt wurde. Und abermals ergriff die Orthodoxie die Initiative zu einem Versuch, die Konferenz zu erhalten, indem sie sagte: Gut, wenn die anderen Herrn in dieser Statutenänderung eine „Kränkung" erblicken zu müssen glauben, dann gibt es noch einen Weg. Man löst die alte Konferenz auf und gründet eine neue, der man dann eine Verfassung geben kann, welche allen billigen Anforderungen gerecht wird. Dieser Weg wurde auf vielen Seiten für sehr gut gangbar gehalten, aber er wurde auf der „andern" Seite nicht beliebt. Das ist der augenblickliche Stand der Sache. Uns genügen diese Feststellungen gegenüber dem Versuch, die Orthodoxie wieder einmal snicht ohne stille Freudes als Friedensstörer hinzustellen. Ach ja, die Richtlinien hat man gern verziehen, sehr gern, aber denen, die blutenden Herzens auch nur die allernotwendigsten Konsequenzen daraus ziehen, gegen die ziehet man mit Schwert und Spieß. Vergleiche Simri. -- ZLrief vom Lande. LXVIII. „Nix wie schimpfen, nix wie schimpfen. Es scheint, Du bildest Dich zur Spezialität aus. Und dabei bist Du sonst gar nicht so. Bitte, sei ruhig und unterbrich mich nicht in einer Tour. Ich will auch mal zu Worte kommen. Nein, Du bist sonst wirklich nicht so. Du hast ja gar keinen Charakter. Da Hab ich Dir gestern nachgeguckt, als Du fortgegangen bist. Da habe ich gesehen, daß Dir der begegnete, der jüngst so mit Dir angestellt hat, weil er in der Steuer raufgekommen ist. Natürlich hast Du zuerst sehr hochachtungsvoll den Hut gezogen. Du hast wirklich keinen Charakter...." fPause zürn Atemholen.j Der also sprach war aber gar kein Der, sondern eine Die, meine liebe Frau nänrlich, die sich über meinen jüngsten Brief ganz schrecklich geärgert hat. Ich aber benutzte die Pause gleichfalls zürn Holen eines gehörigerr Atemvorrats, Hub an und sprach: „Siehst Du, liebe, gute Frau, da war einmal ein alter, gelehrter Mann, steinalt sage ich Dir, den fragten einmal seine Freunde, wieso bist Du so alt geworden. Da sagte er unter andere,n: Weil mich niemals jemand zuerst gegrüßt hat. Denn was meinst Du, liebes Kind, wieviel Gesundheit diese ungesunde Ehrsüchtelei unserer Tage kostet. Vor lauter Empfindung und Empfindsamkeit, Aerger und Roges zehrt inan sich geradezu auf. Und ist doch alles so einfältig. Da habe ich jüngst von einem deutschen Schriftsteller ein nettes Buch über die geruhsamen Leute gelesen, das hat mir mächtig gefallen und bei der Gelegenheit fiel mir ein, daß schon in den Sprüchen der Väter geschrieben steht, daß Neid, Lust und Ehrsucht den Menschen aus der Welt jagen. Und bei der Gelegenheit, liebe Frau, möche ich Dir sagen, daß wenn Du alles Ernstes die Sprüche der Väter lesen würdest, Du vielleicht etwas weniger Studien über den Charakter Deines Mannes machen würdest; siehst Du wohl? Jetzt sind doch die Schabbos-Nnchmittage so hübsch lang. Meinst Du nicht?" Na, wie gefällt Ihnen diese häusliche Szene Ihres R o s ch H a k o h o l. Aus aller Wett. Die Brandkatastrophe in Preßburg. Das Riesenfsuer, das am Samstag, 17. Mai, das Preßburger Ghetto zerstörte, hat, wie bereits berichtet, 6000 jüdische Seelen obdachlos gemacht. Das Elend ist unbeschreiblich. Tausende, Väter mit Frauen und Kindern, haben kaum das nackte Leben gerettet. Und was uns ganz besonders mit Wehmut erfüllt: das Lehrhaus, die berühmte Jeschiwa, wo die gefeiertsten Weisen gewirkt, Jünger der Lehre herangebildel und unser heiliges Schrifttum gepflegt und gefördert haben, unser Heiligtum, wie der unten folgende Aufruf sagt, ist zur Wüstenei geworden. Es ist dem verheerenden Eleinente zum Opfer gefallen. Jetzt gilt es, aus den Ruinen neues Leben zu wecken und die Wunden des Unglücks zu teilen. Der Rotschrei der so schwer getroffenen Menschen und des historisch gewordenen Lehrhauses dringt zu uns. Wir machen uns unter dem Eindruck der Kchreckenskunde zum Dolmetsch des Hilferufs, wir find bereit, Gaben für das Hilfswerk weiter zu vermitteln. Die Redaktion des „Das Jüdische Blatt". Aufruf! Unsere Jeschiwa, die altehrwürdige Gemeinde Preßburg, ist von namenlosem Unglück betroffen worden, ein verheerender Brand hat ain letzten 2H*]p die Judengasse eingeäschert. Tausende Seelen sind obdachlos und ihrer Habe gänzlich beraubt. Der Größe des Unglücks entspricht die allgemeine Teilnahme und es ist begründete Hoffnung, daß die>>z^ C'j'rrH dem großen Elend in reichem Maße steuern werden, so daß unseren unglücklichen Brüdern eine Existenzmöglichkeit geboten werde. Durch diese furchtbare Katastrophe ist auch die Jeschiwa, die der Grundpfeiler von nN'TI rHin. die feit uralten Zeiten viele Tausende Jünger erzogen, dem Judentum eine große Anzahl hervorragender Rabbiner herangebildet hat, in ihrem Bestand bedroht! Unser Lehrhaus, die berühmte Preßburger Schiurstube, ist leider zerstört. 1^52HP2 vs'syb Die kleine Habe der größtenteils unbemittelten Hörer wurde vernichtet, sie blieben obdachlos. Unsere Gemeinde und deren Mitglieder sind durch das allgemeine Unglück zur Anspanuung aller Kräfte gezwungen, so daß sie für diesen speziellen Zweck, die Erhaltung der Jeschiwa, die ein allgemeines Interesse der Judenheit bildet, kaum die nötigen bedeutenden Mittel aufbringen können. An alle n“Tin inniN besonders an die ehemaligen Jünger der Preßburger Jeschiwa ergeht unsere dringende,; heiße Bitte, uns nach inöglichen Kräften zu helfen, damit wir! diese heilige Jnstiturion erhalten können.

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