Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Nr. 22. Das jüdische Statt. nannten Antrag genannten Zwecken in Anspruch genommen werden, müßten, die jiidischen Gemeinden Preußens zu einem großen Landesverband zusammengeschlossen werden, bzw. sich zusannnenschließen. Nur dadurch würde es möglich, nicht nur Mittel des Staates genannten Zwecken dienstbar zu machen, sondern auch die reichen jiidischen Gemeinden für die Deckung der Kultusbedürfnisse der kleinen Gemeinden heranzuziehen. Damit hat also die Budgetkommission des Preußischen Landtags die Frage berührt, die innerhalb der preußischen Judenheit am heißesten umstritten ist, die Frage der Organisation der Preußischen Jndenheit in einem einheitlichen Verbände. Aber jeder Versuch, diese Organisation herbeizuführen, hat mit Recht die bittersten Kämpfe Heraufbeschmoren und ist elendiglich gescheitert. Die autokratischen Machtgelüste der liberalen Großgemeinden trugen daran große Schuld. Seitdem gar die „Richtlinien zu einem Programm des liberalen Judentums" feierlich verkündet und von den größten Großgeineinden in Schuß genommen worden sind, ist für die Zukunft jeder derartige Versuch in Scherben geschlagen worden; seitdem es den Einsichtigen klar geworden ist, daß das Richtlinienjudentum eine besondere Konfession im Judentum geworden ist, die sich bewußt von dem überlieferten Judentum trennt, ist jede, Möglichkeit ausgeschlossen zwischen diesen beiden Konfessionen, dem Richtlinienjudentum und dem Thorajudentum eine kirchliche oder eine Steuergeineinschaft herzustellen. Es war daher nicht nur das Recht, sondern die Pflicht der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums (Siß Frankfurt a. M.), die Preußische Regierung auf das Schisma hinzuweisen, das die Richtlinien heraufbeschworen haben und ihr darzulegen, daß bei der krassen Verschiedenheit beider Bekenntnisse ein gemeinsamer Verband der jüdischen Gemeinden Preußens ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Bewilligung der Staatsbeiträge an notleidende Geineinden von der Ausrichtung eines Landesverbands der jüdischen Gemeinden Preußens abhängig zu machen, argumentierte die Eingabe der „Freien Vereinigung" kommt darauf hinaus, diese Bewilligung :><I Cnlmxüm «Taxens hinauszuschieben. Die Eingabe schlügt vielmehr vor, die etwaigen Beiträge des Staats, wie bei einer früheren Gelegenheit direkt durch die Staatsbehörden an die betreffenden Gemeinden verteilen zu lassen. Damit hat die „Freie Vereinigung" nur den Versuch gemacht, die Hindernisse hinwegzuräumen, die nach Ansicht der Preußischen Regierung sich der Bewilligung entgegenzuseßen schienen. (Die ganze Frage kam infolge des Ablaufs der Legislaturperiode nicht mehr zur Verhandlung vor das Plenum.) Nichtsdestoweniger hat die „Liberale Vereinigung" den Mut, in einein öffentlichen Rundschreiben die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentunis" als die Störerin „des von den Juden Preußens erhofften Werks" hinzustellen. Die „Liberale Vereinigung" möge doch vielmehr den entgegengesetzten Mut haben, aus ihren Richtlinien die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und zuzugeben, daß nachdem sie den Boden der Thora verlassen und sie sich au die Planke ihrer Richtlinien geklammert hat, sie selbst allenthalben in Deutschland die Jndenheit in zwei Lager, in zwei Konfessionen gespalten hat. Dies Verhalten würde eher der Wahrheit entsprechen, wie sie sie so gern für sich allein in Anspruch nimmt. Wenn sie aber sich dazu nicht entschließen kann, dann wird sie es sich schon gefallen lassen müssen, daß die Orthodoxen den Schleier zerreißen und vor aller Welt die Sache bei ihrem richtigen Namen nennen. Wegen der mannhaften Vertretung der Grundsätze des überlieferten Judentums die Orthodoxen mit dem Schmeichelworte Fanatiker zu belegen, ist eine Ausrede so billig wie Brombeeren. Ebenso verwerflich ist es, wenn Organe, die in allen Farben schillern, bei dieser Gelegenheit zu dem im öffentlichen Leben abgenutzten Stichwort „Hyperorthodoxie, oder Separatisten" greifen. Diese Waffe ist verrostet und richtet nichts mehr aus. Aber eineil solchen nützlichen Kunstgriff läßt man sich nicht gern entschlüpfen. Man hüllt sich selbstgefällig in den Mantel der Toleranz und gibt sich den Anschein als ob man die Orthodoxie als solche nicht angreife. Gegen die lammfronnnen Orthodoxen haben wir nichts, sagen sie gewissermaßen. — Im Gegenteil! Wir geruhen, sie zu tolerieren. Den Hyperorthodoxen, denen gilt unser Kampf. Diese allein haben das Werk des Verbandes aller preußischen Juden gestört. Nein! Die Eingabe der „Freien Vereinigung" an den Landtag ist im Namen aller in der „Freien Vereinigung" zusammengeschlossenen Orthodoxen ergangen und alle sind bereit, sie mit ihrem Namen lind ihrer Persönlichkeit zu decken. Jedem Versuch, die preußischen Juden unter Führung der radikal-liberalen Großgemeinden zu organisieren, werden sie sich mit ganzer Kraft widersetzen. Was haben wir und Ihr gemein, sagen wir zu den Richtlinien-Männern, daß wir gemeinsam das Haus Gottes aufbauen könnten? Diese jüngste Aktion aber als eine isolierte Tat einer von den Liberalen besonders gehaßten Gruppe hinzustellen, ist eine Irreführung. Unsererseits diesem Glauben durch schweigende Duldung Vorschub zu leisten, wäre Feigheit. Wie lange wollen wir diese Verschleierung der Tatsachen, diese unedle Kampfesweise rroch hinnehmen? Sollen wir es verschweigen, daß in den grrnrdlegenden Angelegenheiten und eine solche ist die Frage der Organisation in Preußen, es in der Orthodoxie keine Meinungsverschiedenheiten geben kann, wollen wir es ungerügt durchgehen lassen, daß man „hyperorthodo'x", „fanatisch", „Separatist" sein muß, um zu erklären, daß dieRichtlinien eine Kluft im Judentum gegraben haben, über die es keine Brücke gibt, sollen wir anstehen, zum wievielsten Male zu wiederholen, daß das Richtlinien-Judentum ein neues Bekenntnis ist, mit dem wir keine kirchliche und keine Steuergemeinschaft haben wollen? Wir werden nicht zögern, dies immer und wieder zu betonen. Wenn unsere Gegner meinen, daß es Fanatismus fei, seine Ueberzeugung redlich, mutig und offen vor aller Welt zu verteidigen, so möchten wir selbst ihnen einen solchen Fanatismus wünschen. Dann würde der Kampf der Meinungen die edlen Formen annehmen, die die Erklärung der „Liberalen Vereinigung" vermissen läßt. Zu dieser Angelegenheit geht uns von dem Bureau der Freien Vereinigung f ii r die Interessen des orthodoxen Judentums folgende Zuschrift zu: Erklärung. Die „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" veröffentlicht in den jüdischen Blättern eine Erklärung, die in dem Varwurf gipfelt, unsere Vereinigung habe durch eine an das preußische Abgeordnetenhaus gerichtete Eingabe auf die Annahme des Antrages Easfel-v. Campe (betreffend Gewährung van Staatszuschüssen für leistungsschwache Synagagengemeinden) h e m - m e n d e i n g e w i r k t und auf diese Weise den Erfolg einer zum