Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. Abonnements nimmt jede pottrmttalt entgegen. iv. Zrwrgang. Nnsbacb-Stratzburg, 30. /Dai 1913, 23. Zjar 5673. ißr. 22 Inhalt. Leitartikel: Ein Dreigestirn. — Reine Waffen. — Die neue bayerische Kiichengemeinde-Ordnung. — Die bayerische Rabbiner- Konferenz. Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Bücherbesprechung. — Sprechsaal. — Biiefkasien. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachriltiten. — Rätsel-Ecke. — Eine Wette. — Inserate. Zu "DIOD. Ein Dreigestirn. Alte Weisheit knüpft an den letzten Vers der Haftorah des heutigen Wochenabschnitts drei Namen, die Kinder eines Amrani und einer Jochebed, ein Dreigestirn am jüdischen Himmel. Moscheh und Ahron und Mirjam sollen in sich alle Geistesgröße und Gemütstiefe vereinigen, welche Hosea als Ideal vorschweben. I. Schon als Jüngling von frappanter Intelligenz läßt sich Moscheh nicht einschnüren in die Vorurteile seines Milieus. Am Hofe der Pharaonen, in der ägyptischen Anschauung vom Kasten- und Klassenunterschied groß gewachsen, schlägt sein Herz warm und mitleidvoll für den gedrückten Arbeiterstand. Zwei Juden streiten miteinander, worüber weiß man nicht. Wahrscheinlich schon damals über Kleinigkeiten. Moscheh, dem Schlichter, wird mit Denunziation gedroht. Er flieht, aber sein heiteres Gemüt' wird durch Menschenundank nicht umschattet. Er wird nicht bitter, und seine erste Tat auf midjanitischem Gebiet ist eine Tat der Menschenliebe. Der Mann, des Geistesgaben ihn befähigen, Mittler zu werden zwischen Gott und Israel, hütet die Schafe des midjanitischen Priesters, er ist groß in seinem kleinen Berufe. Moscheh ist bescheiden: „Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehen sollte?!" II. Ahron, der Hohepriester ist frei von Herrschsucht. Nirgend eine Spur, nirgend ein Hauch von Hierarchie. Er kennt nur größere Pflichten, nicht größere Rechte als jeder Gemeine in Israel. Er unterwirft sich dem Gesetz, und ein Gerichtshof von Dreien darf über ihn urteilen und ihn verurteilen. Ohne Neid sieht er auf seines Bruders weltliche Macht, achtet i nicht Reichtum und nährt sich von Hebe, Erstlingen und ' Opferteilen, von den Gaben des Volkes. Der oberste Priester ’ steht mitten irrt Leben und verliert nie die Fühlung mit dem i Volk. Er kennt die Menschen und ihre Schwächen, und weltklug schlägt er eine Brücke über die Kluft, welche Menschen und Parteien trennt. Ahron ist nicht unfehlbar. Ohnmächtig schaut er den Reigen um das goldene Rind am Fuße des Gottesberges. III. Mirjam wacht mit sorgendem Mutterauge an den Wellen des Nil über des kleinen Moscheh Geschick und opfert ihre beiden Söhne auf dem Altar der Religion (vgl. Midrasch), als am Horeb dunkler Verrat unverbesserlicher Tieranbeter das Licht der Offenbarung in Nacht umwandelt. Mirjain ist eine kraftvolle Frauengestalt, aber stets — weiblich. Ein Vorbild für die Moderne. Das Ideal der menschlichen Entwicklung geht nicht dahin, die seelischen Gegensätze zwischen dem weiblichen und männlichen Geschlechts zu nivellieren und aufzuheben, sondern sie zu bewahren und zu entwickeln. Nicht durch ein geäfftes männliches Wesen ist die Frau den Aufgaben und Konflikten ihres Berufes gewachsen. Die männliche Art der Unabhängigkeit und Selbstbehauptung rauben ihr das Mysterium der Fraulichkeit, und die höchsten Fähigkeiten der Frau, die sichersten Bürgschaften häuslichen Glückes, gehen unter in männlicher Härte und männlichem Egoisnms. Wo nicht männlicher Willenskraft weibliche Lisbeskraft gegenübersteht, männlicher Unabhängigkeit weibliche Opfersähigkeit, da leben im besten Falle die Geschlechter friedlich nebeneinander, aber nicht miteinander. Dr. M. Debrv. Hieine Waffen. Im preußischen Landtag haben in der jüngsten Sitzungsperiode der jüdische Abgeordnete Dr. Cassel und der Abgeordnete Dr. v. Campe den Antrag eingebracht, den nicht genügend leistungsfähigen Synagogengemeinden zum Zwecke der Besoldung und Versorgung ihrer Knltusbeamten Staatsbeitrüge zu gewähren. Im Laufe der Verhandlungen über diesen Antrag wurde im Schoße der Budgetkommission die Meinung vertreten, bevor Staatsmittel zu den im vorge-