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Das jüdische Blatt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21. Das jüdische Statt. 7 Konsistorium eingesetzten Prüfungskommission, erstattete dem Ausschuß Bericht über die vom Els.-Lothr. Kantorenverband mit dem Konsistorium gepflogenen Verhandlungen und über die bis heute erzielten Resultate. Wir werden später über die geleisteten Arbeiten der Prüfungskommission an dieser Stelle berichten. Hinsichtlich der Ersatzkasse wurde der Versammlung nur mitgeteilt, daß die Kasse vorerst nur provisorisch genehmigt, in absehbarer Zeit aber definitiv werden wird, wozu uns die behördlicherseits gegebenen Zusicherungen zu großer Hoffnung berechtigen. Was in dieser Sache zu tun nötig war, ist geschehen und hat sich unser allbewährter Sekretär des Konsistoriums für Unterelsaß Herr A. Haguenauer sehr um die Sache verdient gemacht. Zur Beruhigung Ihres Berichterstatters möge an dieser Stelle gesagt sein, daß fast sämtliche Gemeinden in Elsaß- Lothringen (es fehlen im ganzen nur 2 bis 3 Gemeinden) mit ihren Beamten der Ersatzkasse als Mitglieder angehören. Die vor ca. 10 Jahren gegründete Hilfskasse (frühere Pensions- und Kranken-Unterstützungskasse), welcher allerdings noch viele Kollegen fern stehen, ist und bleibt für ihre Mitglieder was sie war; nämlich eine Unterstützungskasse in Krankheitsfällen, die auch im Falle der eintretenden Invalidität ihren Mitgliedern eine Ergänzungspension gewährt. Jedenfalls wird, wie auch der diesjährige Rechenschaftsbericht es wieder zeigt, dieselbe imstande sein, den an sie herantretenden Ansprüchen voll und ganz gerecht zu werden. Kantor F. Kaufmann, 1. Schriftführer des Els.-Lothr. Kantorenverbandes. Colmar. In unserer Khillo geht es ganz demokratisch zu. Hier ein Beispiel. Von den vier hierher berufenen Chasonin sollte einer als Oberkantor gewählt werden. Da die Verwaltungskommission die Verantwortung nicht Übernehmen wollte, sollten alle Wähler der Kultusgemeinde ihr Votum abgeben. Zu diesem Zwecke wurde ein Zirkular verschickt folgenden Inhalts: An die geehrten Mitglieder der isr. Kultusgemeinde. Hier. Die Verwaltungskommission im Bewußtsein ihrer Verantwortung der Kultusgemeinde gegenüber hat in der Sitzung vom 14. d. M. beschlossen, sämtlichen Gemeindemitgliedern Gelegenheit zu geben, sich darüber zu äußern, welchen der vier Kandidaten für die Oberkantorstelle sie für den geeignetsten erachten. Diese allgemeine Kundgebung findet am nächsten Sonntag, den 18. d. M., von 10 Uhr vormitags bis 1 Uhr nachmitags im Sitzungssaals des Konsistoriums, Chauffeurftr. 13, statt. Die in Betracht kommenden Kandidaten sind: 1. Herr W o l f f - Saarunion; 2. Herr W e i l l - Winzenheim; 3. Herr Wormser-Müllheim; 4. Herr Wolfs-Dijon. Wir bitten die geehrten Gemeindemitglieder ganz ergebenst, auf dem unten angefügten Abreißzettel den Namen eines der vier Kandidaten und dessen Wohnort angeben und diesen Zettel gefälligst in die Urne werfen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung: Für die Verwaltungskommission: Der Präsident: Paul W u r m s e r. Bon den 300 Wählern erschienen nur 132! Es erhielten: Herr W u r m s e r- Müllheim 85 Stimmen; Herr Wolfs- Saornnion 26 Stimmen; Herr Weil l-Winzenheim 16 Stimmen; Herr Wolfs- Dijon 5 Stimmen. Herr Wurmser-Müllheim, der eine sehr starke Stimme besitzt, ist also gewählt. Es bleibt nur abzuwarten, ob das Konsistorium seine Wahl bestätigen wird. — Noch etwas aus den Pesachtagen muß ich erwähnen. Einen edlen Akt jüdischer Glaubenstreue bewies der hiesige Arzt Dr. Hamburger. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß 11 Juden der hiesigen Pflegeanstalt am Pesach rituell verköstigt wurden. Das Essen wurde per Auto aus der bewährten Küche von Herrn Bloch, Enggasse, nach der 1« Stunde gelegenen Anstalt geführt und die unglücklichen Insassen konnten noch ganz warm die vortrefflichen Pesachspeisen genießen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf einen Mißstand aufmerksam machen, der an der Anstalt herrscht. Während die Katholiken und Protestanten von Zeit zu Zeit Besuche von ihren Geistlichen erhalten, ermangeln die Israeliten vollständig einen solchen. Ich habe zwar schon in früheren Jahren ein Konsistorialmitglied darauf aufmerksam gemacht. Man versprach Abhilfe, aber dabei blieb's. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß man auch dieser ilnglücklichen gedenke, und ihnen von berufener Seite ein Trostwort gebracht werde. Hagenau. Bei den Gemeinderats-Ergänzungswahlen, die am 18. Mai hier stattfanden (7 Mitglieder waren zu wählen), hatten sich zwei Israeliten als Kandidaten aufgestellt und zwar erhielten: Levy Moch, Hopfenhändler. 692 Stimmen Moritz Lewy, Juvelier. . . . . . . 396 „ Da zur absoluten Mehrheit 939 Stimmen erforderlich waren, ist keiner von beiden gewählt. Ob beide sich zur Nachwahl aufstellen werden, weiß man noch nicht. Es wäre aber ganz besonders in so wichtiger Sache notwendig, daß einheitlich vorgegangen wird, sonst geht uns der Sitz im Rathaus verloren. Er wird dann später so leicht nicht mehr zurückgewonnen werden. 21.W. Maursmünster. Auch die hiesige israelitsche Volksschule scheint dem Untergange geweiht. Unser Lehrer, Herr Wolf, verläßt uns am 1. Juni, um seine neue Stelle in Mommenheim anzutreten, und soll, wie es heißt, nicht mehr ersetzt werden. Mommenheim. Als Nachfolger des verstorbenen Lehrers Hr. L u ß ist Herr Wolf- Maursmünster ausersehen. Herr Wolf wird sein neues Amt am 1. Juni antreten. Mülhausen (Oberelsaß). Hier hat sich eine Ortsgruppe der Agudas Israel konstituiert, die vorläufig ca. 20 Mitglieder umfaßt. Präsident des Lokalkomitees ist Herr Dr. E. Meyer. Der Ortsgruppe Mülhausen können als Mitglieder alle Personen des Oberelsaß beitreten, an deren Sitz keine Ortsgruppe sich befindet. Sulz (Oberelsaß). Letzten Sonntag Abend wurde unsere Gemeinde plötzlich in eine große Aufregung versetzt. Aus dem nahen Jsenheim, wo nur 4 jüdische Familien wohnen, ist Herr Spiegel per Velo zum Minchah-Gottesdienst herübergefahren gekommen. Im Synagogenhof bemerkte Herr Spiegel dem Synagogendiener, es werde ihm schlecht, und in demselben Augenblick sank er leblos zusammen. Der gerade anwesende Arzt, Herr Dr. Elias aus Mülhausen, wollte sofort helfend eingreifen, mußte aber zu seinem großen Bedauern, sowie zum Bedauern der anwesenden Gemeinde den eingetretenen Tod konstatieren. Zabern. Den Mitgliedern des hiesigen israelitischen Vereins „Unitas" wird der vergangene Sonntag wohl noch recht

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