Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das jüdische glatt. Nr 21. Unterschlupf zu gewähren. „Vardar" besteht aus d r e i h u n - dert kleine nHäufern, mit zwei Zimmern, Küche und kleinem Vorhof, in denen arme Familien unentgeltlich Wohnung finden. Zwei Schulen, eine Synagoge, eine Apotheke und eine Poliklinik, 1898 von Baron Hirsch gegründet, vervollständigen das ganze Werk. Die Poliklinik wird von einem ganz selbständig handelnden Komitee geleitet und beschäftigt vier Ärzte und fünf Krankenpfleger. Die Erhaltungskosten von „Vardar" werden durch einen monatlichen Zuschuß der Gemeindemitglieder von 5 Francs und den Erträgen von Wohltätigkeitsfesten und durch verschiedene Schenkungen bestritten. Einzelne Salonikier Handelsfirmen liefern verschiedene Bedarfsartikel unentgeltlich. In der Poliklinik werden täglich 50 bis 60 Kranke unentgeltlich behandelt; 740 Operationen wurden 1912 vorgenommen. „Vardar" gibt ferner jährlich armen Juden 3000 Kilo Milch, 2000 Pfund Fleisch und Brot; er sendet Kranke in Bäder und verteilt Medikamente, Verbände und Kräftigungsmittel an die Armen. Außer dem „Vardar" gibt es noch bei Kalamaria eine im Jahre 1890 gegründete Armen kolonie, die von Arbeitern und anderen kleinen Handwerkern bewohnt und von der Gemeinde unterstützt wird. Sie besteht gleichfalls aus dreihundert Häusern. Das Krankenhaus gewährt jährlich etwa 900 Kranken Aufnahme und 18 000 anderen vorübergehende Hilfe. Zwei jüdische Zeitungen erscheinen in französischer, fünf in spaniolischer Sprache. In Wilajet Saloniki wohnen 75 000 Juden, 2 009 995 G r i e ch e n, 28 500 Bulgaren und 105 109 Türken. In der Hauptsache haben sich die Juden dem Handel zugewandt, der verhältnismäßig sehr bedeutend ist. Die Einnahmen aus den Zöllen erreichten im Jahre 1910 25 653 935 Francs, 1289 Dampfer (davon an erster Stelle 522 griechische) und 1976 Segler (1807 griechische) liefen den Salonikier Hafen an. 74 000 Tonnen Getreide, 1 400 000 Häute und Felle, 160 000 lebende Tiere, 2 000 000 Kilogramm Tabak wurden exportiert. Außer als Kaufleute spielen die Juden Salonikis aber auch als Aerzte, Rechtsanwälte und Journalisten eine bedeutende Rolle. Im allgemeinen hat es die jüdische Bevölkerung seit alters her verstanden, mit den Türken auszukommen. Am meisten unterstützt wurde sie durch Sultan Bayarzid II, unter dessen Herrschaft auch die größte Einwanderung aus Spanien, Italien und Portugal erreicht wurde. Unter Selim II. brachten es zwei Juden sogar zu großen Ehren, der Arzt Salomon Askeuari und Juan Miquez, der unter dem Namen Rasci zum Fürsten von Naxos ernannt wurde. Ebensogut war das Verhältnis der Juden zu den Griechen, bis auf die unbedeutenden Unruhen am Beginn der Neuzeit. Die Saloniker Juden sind friedliebend, fleißig und ruhig und kümmern sich sehr wenig um Politik. Und da im allgemeinen die Israeliten in Griechenland in jeder Beziehung zufrieden sind, auch heute den Griechen jeder religiöse Haß fehlt und die griechischen Gesetze jedem absolute Religionsfreiheit gewähren, so ist anzunehmen, daß die israelitische Gemeinde unter griechischer Herrschaft in jeder Weise gedeihen wird und daß die Juden Hand in Hand mit den Griechen zu ihrer und ihres neuen Vaterlandes Wohlergehen aus Saloniki eine der größten Handelszentren des Orients machen werden. Die griechische Regierung erkannte von Anfang an die Bedeutung und den Wert der jüdischen Gemeinde Salonikis und beweist das durch ihr Bestreben, die israelitischen Interessen durch Unterstützungen jeder Art zu fördern, was die Juden Salonikis schon heute erkannt haben. Und bei Bearbeitung aller Projekte, welche die griechischen Behörden für die Zukunft der Handels- und Hafenstadt Saloniki in Angriff genommen haben oder planen, werden die bedeutendsten jüdischen Kaufleute und Industriellen Salonikis als Berater herangezogen. Hoffnungsvoll darf man also auch der Zukunft des griechischen Saloniki entgegensetzen. (Aus dem „Berliner Tageblatt".) m Korrespondenzen. m Mia - GNast-Kotlirirraen. - -ötraßburg. Wegen des Leestes findet die nächste n£pL'X bereits Dienstag, 3. Juni statt. Straßburg. Rechenschaftsbericht der Pensionskasse und der Witwen - und Waisenkasse der Kantoren in Elsaß-Lothringen pro 1912. Nach den soeben erschienenen Berichten ist der Stand beider Kassen insofern günstig, als deren Vermögen in dem Berichtsjahre wieder gestiegen ist, doch ist sehr auffallend, daß noch so viele Kantoren sich von denselben fernhalten. Die Pens i o n s k a s s e zählt nur 55 aktive Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 584,20 Jl,' daneben 48 Ehrenmitglieder, mit einem Beitrag von 454 JL Vom Staat erhält sie einen Zuschuß von 1000 Jl und von 27 Kultusgemeinden 675 JL Pensionen (je 200 Jl) wurden gezahlt an die Ehrenkantoren Becker, Oberehnheim, Bloch, Niederehnheim (im Berichtsjahre verstorben), Meyer, Westhausen und Raas, Paris. Einmalige Unterstützungen erhielten 2 aktive Kantoren. Das Vermögen ist von 12 626,25 Jl auf 14 907, 73 Jl gestiegen. Die Witwen- und Waisenkasse zählt 76 aktive Mitglieder mit einem Beitrag von 509,60 Jl, und 146 Ehrenmitglieder mit einem solchen von 1045 JL Auch zu dieser Kasse bezahlt der Staat einen Zuschuß von 1000 Jl, aber nur 4 Kultusgemeinden (Bergheim, Bischweiler, Thann und Markirch) zahlen an dieselbe Subventionen im Gesamtbetrag von 91 JL Pensionen wurden bezahlt an 16 Witwen in Höhe von 160 bzw. 200 Jl, außerdem einmalige Unterstützungen an eine Witwe und an einen früheren Kantor. Insgesamt 3090 Jl Das Vermögen ist von 35 148,31 Jl auf 35 659,04 Jl gestiegen. Der Vorstand beider Kassen besteht aus den Herren Kommerzienrat Kauffmann (Vorsitzender), G. Stein-Straßburg, Armand Bernheim-Mülhausen, Coblenz-Saargemünd, den Herren Präsidenten und Oberrabbinern der 3 Konsistorien (Ehrenpräsidenten), den Oberkantoren Heymann-Straßburg, Kahn-Mülhausen, Metzger-Colmar, Zivi-Metz (Beisitzende), Kantor Kaufmann-Straßburg (Schriftführer) uud Weyl-Dornach (Schatzmeister). Strahburg. Von dem Vorstand des Els.-Lothr. Kantorenverbandes erhalten wir folgende Berichtigung zugesandt, der wir mit größter Bereitwilligkeit Aufnahme gewähren. In Ihrem „Das Jüdische Blatt" Nr. 20 vom 16. Mai cr. findet ich einen mit I. B. Unterzeichneten Bericht über den Verlauf der diesjährigen Vorstandssitzung des Els.-Lothr. Kantorenverbandes, welcher vollständig aus der Luft gegriffen ist und ich bitte Sie, denselben nach meinen Angaben in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes berichtigen zu wollen. Angeblich soll Herr Kantor Kaufmann- Forbach einen Vortrag über „Der Kantor als Religionslehrer" gehalten haben, welcher zu einer angeregten Diskussion Anlaß gab. In dieser Sitzung wurde überhaupt kein Vortrag gehalten, nur meine Wenigkeit, als Mitglied der vom unterelsässischen