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Das jüdische Blatt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Nr. 21. Das jüdische Klatt. lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Zum erstemnal unternahm der Verein, da sich in letzter Zeit die Abhaltung der bisher üblichen Veranstaltungen als nicht begehrt zeigte, einen gemeinschaftlichen Ausflug, dem sich der grüße Teil der Mitglieder anschloß. Morgens 6 12 Uhr bestieg man den Zug, der die frohe Schar um '/AO Uhr nach Schlettstadt brachte, woraus der Aufstieg direkt nach der Hohkönigsburg ohne erhebliche Anstrengung erfolgte. Man ergötzte sich an der herrlichen Aussicht und kehrte in die Burg ein. Beim prachtvollen Wetter, das den ganzen Tag anhielt, erfolgte unter Vorantritt der Amateuroereinsmusikabteilung der wunderbare Abstieg, mit Scherzen und Lachen, nach Wanzel und in einigen Minuten kam man per Bahn in Schlettstadt ait, wo im Hotel Weil gei speist wurde. Den Reigen der Tischreden eröffnete unser liebenswürdiger Herr Lehrer F e i ft in geschickter Weise und brachte das Hoch auf die anwesenden Damen aus. Es erfolgten noch mehrere z. T. recht heitere Toaste. Rach dem Essen vereinigten sich die Herren zu einer kleinen Partie, während die Damen sich zu einem zwanglosen Plauderstündchen gruppierten. Rur zu rasch nahte die Abfahrtszeit heran, doch erhielt sich der übersprudelnde Humor des Tages noch während der Heimreise, so daß, als man sich in Zabern gegen '/AO Uhr wieder trennte, man allgemein das Bewußtsein mit nach Hause nahm, das Gefühl der Zusammengehörigkeit durch einen gemeinsam verlebten frohen Tag aufs neue gefestigt zu haben. Georgensgmünd. Wir entnehmen der Franks. Zeitung nachfolgende Notiz. Herr Dr. Ludwig Ascher, ein junger Arzt, der streng gesetzestreu lebt, stammt aus Nördlingen. Es freut uns, daß dieser Mitbürger der Menschheit und der Wissenschaft große Dienste zu leisten berufen ist. In der „Münchener Medizinischen Wochenschrift" berichten nämlich Mehler und Ascher (Georgsgemünd bei Nürnberg) über Resultate, die sie mit einer chemischen Verbindung von Bor und Cholin — unter dem Namen E n z y t o l im Handel befindlich — bei tuberkulösen Erkrankungen erzielt haben. Sie sahen in einer Reihe von Fällen erhebliche Besserung der Krankheitsprozesse. Die weitere Beobachtung und Erprobung wird ergeben müssen, ob es unserm Mitbürger und Glaubensbruder wirklich gelungen ist, in dem Borcholin ein Mittel herzustellen, das geeignet ist, tuberkulöse Prozesse dauernd zu heilen. Schon in dem bisherigen Erfolge fühlen wir uns erfreut und geehrt. Preußen. Berlin. Die Beisetzung des verunglückten Fliegers Elia D u n e tz fand auf dem israelitischen Friedhof in Köpenick statt. Der Beerdigung ging eine Trauerfeier in Johannisthal voraus. Auf dem freien Platze vor dem Aeroklub war der schmucklose Sarg aufgebahrt, neben dem die Eltern, eine Schwester und ein jüngerer Bruder des Verstorbenen Aufstellung nahmen. Unter den Erschienenen sah man Abordnungen der Döberitzer und Johannisthaler Offizierflieger. Regierungsbaumeister Hack st etter widmete dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Dem Trauerzuge, der die Köpenicker Chausse entlang führte, folgten sämtliche Anwesende. Auf dem israelitischen Friedhof in Köpenick ergriff dann Rabbiner Franke das Wort. Kaden. Karlsruhe. Herr Rechtsanwalt Dr. Moritz Straus von hier, der vor kurzem zum Mitglied des badischen Oberrates der Israeliten gewählt wurde, wurde am vergangenen Samstag vom Großherzog Friedrich I I. in Audienz empfangen. E. Württemberg. Lin Stammbuchblatt für die Zentralkaffeschwärmer. Man meint doch täglich oder man sagt wenigstens so, daß in einenr Lande, das mit einer Zentralkasse gesegnet ist, alles in bester Ordnung ist; da gibt es natürlich keine Not der Landgemeinden und alles geht wie am Schniirchen. Stimint, wie das folgende Beispiel lehrt. Wir haben jetzt in Württemberg einen engeren und einen weiteren Rat und natürlich große Geldknappheit. Und da müssen halt die Rabbinate daran glauben. Also war beschlossen, das Rabbinat Weikersheim mehr oder minder sanft der Auflösung anheimzugeben (der derzeitige Inhaber Herr Dr. Schweizer wird nach Horb versetzt) und das Rabbinat Oberdorf auf den Aussterbeetat zu setzen. jUns erscheint das als eine ganz natürliche Konsequenz. Eine Zentralkasse in u ß „ökonomisch" arbeiten. Und so wird es allenthalben erfolgen, wo man sich nach den Segnungen einer Zentralkasse sehnt. Daß dabei Gemeinden wie Olenhausen rmd Berlichingen einein Rabbinate zugeteilt werden, welches zwar bisher einen konservativen Inhaber hat, aber vielleicht doch einmal einem Richtlinienherrn zufällt, was verschlägt's? Wenn man nur eine Zentralkasse hat? Wir sind zwar felsenfest überzeugt, daß auch uiisere orthodoxen Zentralkassenschwärmer die gläiizendsten Kautelen auf dem Papier finden werden.j (Hfteeeeich-Uugnen. Wien. Am Samstag fanden in der lluiversitütsaula zwischeii deutsch-nationalen und zioiijstischeii Studenten kleiiiere Zusainmenstöße statt, die sich heute in verstärkter Weise wiederholten. Es kam wiederholt zwischen den Gegnern zu wüsten Schlägereien, wobei zahlreiche Studenten blutig geschlagen wurden. Schließlich wurden die zionistischen Studenten aus der Aula hinausgedrängt, worauf die Schlägerei auf der Rampe der Universität ihren Fortgang nahm. Die Polizei schritt ein, nahm zahlreiche Verhaftungen vor und verhinderte weitere Zusammenstöße. Die deutsch-nationalen Studenten sammelten die in der Aula herumliegenden Stücke: Hüte, Kravatten, Bücher usw., die die zionistischen Studenten im Handgemenge verloren hatten, schichteten sie auf der Freitreppe der Aula auf und zündeten sie an. Die Polizei schritt wieder ein und verhaftete eine Anzahl Exzedenten. Schmer;. Bern. Sonntag den 11. Mai fand in Bern der erste Bundestag des Bundes jüdischer Akademiker in der Schweiz (B.J.A.S.) statt. Aus Basel, Bern, Lausanne, Luzern, Neuenburg und Zürich waren die Bundesbrüder in recht stattlicher Anzahl erschienen. Von der Ortsgruppe Bern nahmen auch Bundesschwestern an den Beratungen teil. Nachdem der Bbr. Herr cand. phil. L u d w i g K r a u s die Teilnehmer mit recht herzlichen Worten begrüßt hatte, ergriff Herr Rabbiner Dr. Cohn-Basel das Wort zu einenr Referate über die „Richtlinien". In einer einstündigen, äußerst gediegenen Rede entwickelte der Referent die Gründe, die einige deutsche Rabbiner bewogen haben, Richtlinien aufzustellen und zeigte in scharfem Lichte das Unheil, das diese Richtlinien angerichtet haben und noch weiter anrichten körrnerr. Gerade in unserer Zeit ist es deshalb eine Notwendigkeit geworden, daß die gesetzestreuen Akadenriker sich zusannnenschließen, um ein

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