Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 21 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21. Das jüdische Platt. d Palästina. Ü b e r d e n O r a n g e n e x p o r t P a l ä st i n a s bringt die Allgemeine Obst- und Gemüsezeitung aus Smyrna folgenden Bericht, den wir auszugsweise wiedergeben. Der finanzielle Wohlstaird Palästinas wird wesentlich beeinflußt von dem Ergebnis des Fremdenverkehrs und dein Stand des Orangenexportes. Nun sind in den letzten Jahren ganz bedeutende Verluste im Orangenhandel zutage getreten. Dieser Mißstand liegt in den stetig wachsenden großen Quantitäten der Früchte und der schlechten Ordnung beim Verschiffen, Konkurrenz der Schiffahrtsgesellschaften und Schikane der Orangenhändler usw. Dieses Jahr ist die Unordnung größer als je gewesen. Die hiesigen Banken haben deshalb vielen Maklern den Kredit verschlossen. Die halbe Saison ist nun vergangen und bisher sind Preise erzielt worden, bei welchen nicht einmal die K o st e n gedeckt werden konnten. Die andere Hälfte der Früchte hängt noch an den Bäumen. Der Schaden ist ein allgemeiner, denn der geringste Arbeiter bis zum reichsten Grundbesitzer wird dadurch getroffen. Daher hat sich die zwingende Notwendigkeit ergeben, daß nun einmal ernstlich nachgeforscht wurde, welche Ursachen dafür vorliegen und welche Heilmittel anzuwenden sind. — Zu diesem Zweck haben sich die Deutsche Palästinabank und die jüdische Anglo-Palästina-Bank vereinigt und den zweiten Direktor der Anglo-Bank nach England, Deutschland und Holland geschickt, um an Ort und Stelle die Verhältnisse des Orangenmarktes zu untersuchen. Das Resultat berichtete der Direktor in einer Versammlung, zu welcher Notabeln, Großgrundbesitzer und Kaufleute eingeladen worden sind. Der Berichterstatter, Herr Arwas, hat nach Untersuchung aller in Betracht kommenden Märkte konstatiert, daß es notwendig sei, die Hauptquantität auch künftig nach Liverpool zu schicken. Dort herrschen allerdings Zustände, denen man die größte Aufmerksamkeit schenken müsse. Vor allem kümmern sich die dortigen Händler sehr wenig um die Aufpackung, die Verlesung usw. Die so nötige Beaufsichtigung fehlt und so wird das Verlesen schlecht durchgeführt und die verschiedenen Marken werden oft verinischt. Insbesondere, wenn solche große Quantitäten auf einmal von hier versandt werden. Dadurch gibt es eine zu große Ansammlung von Früchten. Herr Arwas schlägt der Versammlung vor, statt der bis jetzt nach Liverpool gesandten vier Sachverständigen, die das Verlesen dort besorgen, noch mehr Leute zu beordern, da der Gewinn die Auslagen hierfür reichlich decke. ' Ferner betont der Berichterstatter, daß eine weitere wichtige Ursache des Fallens der Preise dieArtderVerpackung sei. Sobald nur einige schlechte Früchte in einer Kiste seien, so zahlen die Händler dort nur noch den dritten Teil des normalen Preises. Diese würden durch das Sortieren und Wiederverpacken einen sehr schlechten Profit machen. Um die Verpackung sachverständiger zu gestalten, solle man Spezialisten aus Spanier! kommen lassen, welche die hiesigen Packer das Einwickeln der Früchte lehren sollen. Um die angeführten Mißstände zu beseitigen, sei es notwendig, e i n S y n d i k a t zu gründen, weches die Überwachung systematisch ausüben soll. Herr Arwas berichtete auch über den d e u f ch e n M a r k t i n H a nr bürg. Er führte aus, daß sich im Laufe der Jahre die Gewohnheit herausgebildet habe, nach Hamburg nur grüne Früchts zu senden. Es könne deinnach der Markt in Hamburg und auch in Amsteram dadurch erobert werden, wenn dorthin auch in der Hauptsaison Früchte versandt würden. Der Vertrieb von Jaffaer Orangen sei durch unregelmäßige Sendungen verdorben worden und auf diese Weise beherrsche dort die spanische Ware durch den regelmäßigen Vertrieb den Markt. Es genüge der regelmäßige wöchentliche Versand von tausend Kisten. Es sei zwar zu gewärtigen, daß anfangs mit Verlust verkauft werden müsse, doch die Konsumenten gewöhnen sich dann an die köstliche Frucht. Aus diese Weise könne dann der Markt gehoben werden. Um so größer müsse später der Erfolg sein, da in Hamburg und Amsterdam die nordischen Händler (Schweden, Dänemark und Rußland) ihren Bedarf an Südfrüchten decken. Der Direktor der Levantelinie in Hamburg habe zugesagt, daß man anfangs mit der Levantelinie wöchentlich 1500 Kisten verschicken könne, und zwar 1000 Kisten für Hamburg und 500 Kisten für Amsterdam bestimmt. Die Makler dort wollen diese Masse absetzen. — Der Berichterstatter schlägt der Versammlung vor, daß alle Orangengartenbesitzer einmal je 10 Kisten ohne Marke, aber bester Qualität, als Mustersendung liefern sollten. Damit sei dann ein Anfang gemacht und die Konsumenten könnten dann regelmäßig von dieser Ware erhalten. Es wäre dadurch auch ein neuer Markt erschlossen. — Es wurde zum Schlüsse von den Beteiligten eine Kommission gewählt, da in dieser Saison kein Syndikat mehr in Aussicht stand. Die Kommission besteht aus 12 Personen, um die Geschäfte vorläufig zu besorgen, da die Ausarbeitung der Statuten noch viel Zeit und Mühe beanspruchen wird. Wenn die Kommission ihre Vorarbeiten beendet hat, wird das Resultat dann allen Beteiligten vorgelegt werden. Jüdisches Leben in Saloniki. Bon D. A r a v a n d i n o s, griechischer Bizekonsul. Das moderne Saloniki verdankt seine Entwicklung hauptsächlich den Juden. Durch ihren Geschäftsgeist, ihre Rührigkeit und Sparsainkeit haben sie aus Saloniki in den letzten Jahrzehnten eine blühende Handelsstadt europäischen Stils gemacht, die durch ihre schönen Geschäftshäuser, Banken und modernen Einrichtungen in jeder Beziehung von den anderen türkischen Handelsstädten vorteilhaft absticht. Die Gemeinde, die iin Jahre 1873 durch die „Alliance Jsraelite Universelle" und 1875 durch den reichen Bürger Allatini zu neuem Leben gebracht wurde und heute 33 Synagogen zählt, erhält 7 Schulen, darunter eine höhere Mädchenschule, mit 15 Lehrerinnen, eine höhere Knabenschule und drei Volksschulen mit insgesamt 800 Schülern und einem 20köpfigen Lehrpersonal, ferner ein Asyl, in dem 352 Kinder und 2 Lehrer wohnen, eine Fortbildungsschule mit 360 Mädchen und eine Handwerkerschule mit etwa 500 Schülern. Die armen Schulkinder werden mittags unentgeltlich auf Kosten der „Alliance" beschäftigt, die ein Budget von 112 000 Francs hat. Schon Samuel Usque, Salonikis großer Dichter, besingt die berühmten Schulen der Stadt, auf die sogar Jsaac Abravanel seinen Sohn schickte, und die große, durch den Sohn des spanischen Ministers Benwenisti gestiftete Volksbibliothek. Außer den Schulen erhält die Gemeinde noch das Krankenhaus „Hirsch", die Wohlfahrtseinrichtnng „Vardar", 3 Apotheken, 2 Polikliniken, den Armenverein „SocietO <1<» bi(Mifaisanc(i" und fünf Wohltätigkeitsvereine. Namentlich der „Vardar" ist eine Einrichtung, die in jeder Weise vorbildlich geworden ist und die große Organisationsfähigkeiten wie die Aufopferung und Hilfsbereitschaft der Salonikier Juden beweist. Der „Vardar" wurde nach dem großen Brand in Saloniki vorn 23. August 1800 ins Leben gerufen, nur den damals Obdachloseir einen