Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052433--0369-9052436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 21. Das jüdische Blatt 3 Jugend" boten für den Außenstehenden wenig neue und anregende Momente. Nach dem Berichte der Geschäftsführerin Frl.CoraBerliner zählt der Verband 113 Vereine mit 14 500 Mitgliedern, davon 11 500 jugendliche. Der Verband fußt auf dem Prinzip der Neutralität in religiösen Dingen. Danach ist es verständlich, daß auf der Tagung von der „Lehre" nicht die Rede war. Das Lernen und Lehren der Thora ist aber für Israels Jugend die Wurzel der Kraft. Wir wollen gewiß nicht verkennen, daß es unter den heutigen Verhältnissen ein verdienstliches Werk sein kann, junge Juden zu sozialen Werken und gegenseitiger Anregung zusammenzuschließen, in ihnen das jüdische Bewußtsein zu stärken und, wie Dr. Werner es betont hat, aus den jungen Menschen in sich gefestigte Persönlichkeiten zu machen. Aber es ist uns unerfindlich, wie ein derartiges Werk der Heranbildung jüdischer Persönlichkeiten ohne die liebevolle Versenkung in unsere jüdische Lehre und die Vertiefung wahrhaft jüdischen Lebens möglich sein soll. Dem Prinzip der Neutralität zuliebe muß die Beschäftigung mit der Thora von den Jugendvereinen serngehalten werden. Das nennt man dann die Aufrechterhaltung der Einheit Israels. Im Grunde ist das aber nichts als eine Verkleisterung der Gegensätze, die von dem „Liberalen Judentum" durch alle Schattierungen hindurch bis zum streng traditionellen Judentum sich hinziehen, ein Verzicht auf die mannhafte Vertretung der eigentlichen jüdischen Solidarität, die in der gemeinsamen Verpflichtung auf das Gesetz besteht. Eine Einheit Israels ist nur auf dem Boden der Thora möglich, und die unentwegte Treue zu ihr ist allein der feste Kitt, das alle Glieder des Volkes zusammenhält. Eine Einheit Israels, die auf der Voraussetzung beruht, die ungeschmälerte Verpflichtung Aller auf das Religionsgesetz zu verschweigen, ist eine Erfindung der neuen Zeit, die nicht von Dauer sein kann. Sie mag vorübergehend in der Not der Zeit einigen Nutzen verschaffen, aber sie verflacht das wahre jüdische Wesen. Aus aller Welt Deutschland. Die Juden im deutschen Heer. Berlin. In einer stark besuchten Versammlung, die der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gestern Abend in Berlin einberufen hatte, wurde nach einem mit großer Begeisterung aufgenommenen Vortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. Haas folgende Resolution gefaßt: „Die am 17. Mai von über tausend Personen besuchte Versammlung des Zentralvereins deutscher Saatsbürger jüdischen Glaubens legt Verwahrung ein gegen die Zurücksetzung der Juden im deutschen Heer und gegen die der Wahrheit und der geschichtlichen Entwicklung widersprechende Unterstellung, daß die Juden ein Fremdkörper im Staetsleben seien." Berlin. Am 20. Mai (13 Jjar) vollendete Professor Dr. A. Berliner, ehemaliger Dozent am Rabbinerseminar zu Berlin, in voller Frische des Geistes und Körpers sein 80. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß hatte die Adaß-Jsroöl, bei der der greise Gelehrte seit Jahren schon das Ehrenamt eines Repräsentantenvorstandes mit dem ihm eigenen Interesse und Eifer für alle im Sinne der Thauro verwalteten Institutionen ausübt, bereits am verwichenen Schabbos eine Festfeier in den Räumen ihrer Synagoge veranstaltet. Der Gottesdienst am Freitagabend trug das Gepräge einer wirkungsvollen Ehrung des Gefeierten. Die Synagoge selbst hatte ihr Feierkleid angelegt. Begleitet von seinen Amtskollegen betrat unter den Klängen des durch den Synagogenchor meisterhaft rezitierten Boruch habo, der trotz seines Alters ungebeugte Gelehrte seinen mit Girlanden und Blumen festlich geschmückten Ehrenplatz. Mit welchen Gefühlen mag der Gefeierte den zu diesem Anlaß in eigener Melodie vorgetragenen „And jenuwun beseifa" vernommen haben. Zu Tränen gerührt, gab Pros. Berliner beim Schachrisgottesdienst nach einem von Rabbiner Dr. Munk gesprochenen Mischeberach den Gefühlen seines Herzens für die bis zu diesem Tage erfahrene Gotteshilfe Ausdruck. In markigen Worten schilderte darauf Rabbiner Dr. Hildesheimer im Anschluß an die Wochenpredigt die hohen Verdienste des Jubilars sowohl um die Gesamtheit Israels als auch im besonderen um das Wohl der engeren Gemeinde. Der eigentliche Feststag (13 Jjar) begann mit einem Empfang der zu diesem Zwecke aus allen Teilen des Reiches angemeldeten Deputationen. Wir erwähnen insbesondere die Ansprache des Rektors Dr. H o f f m a n n, der inmitten der Dozenten und Schüler des Rabbinerseminars erschienen war. Eine in klassischem Hebräisch abgefaßte Adresse schilderte in kurzen Zügen das Lebensbild des Gefeierten, fein Wirken im Dienste des Seminars und seinen Ruhm auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft. Auch die Vertreter der Synagogengemeinde Adaß-Jsroöl überreichten als äußeres Zeichen ihres Dankes eine Adresse nebst einem die verschiedenen Bauten der Gemeinde darstellenden Bilde. Es folgten des weiteren ein Sprecher des Kuratoriums, ein Abgesandter der Kultusgemeinde Prag, und Vertreter weiterer Bildungs- und Wohltätigkeitsinstitutionen u. a. Nicht konnte es sich der Jubilar, trotz der ihm durch seine Repräsentationspflichten erwachsenen Anstrengungen versagen, wenn auch nur mit wenigen Worten für die Ehrungen zu danken, die ihm von allen Seiten entgegengebracht worden waren. Den Clou der Feier bildete ein Festkommers, der von dem seminaristischen Verein „D i b b u k C h a v e r i m" veranstaltet worden war. Außer den verschiedenen Reden ist besonders hervorzuheben ein symbolisches Schauspiel, in dem die verschiedenen Zweige der jüdischen Wissenschaft als Personen auftreten, um ihrem erfolgreichen Förderer ihre Ehrerbietung darzubringen. An der Hand des Satzes A v r o li o m audenmi aumed usw. stattete der Gefeierte Prof. Abraham Berliner allen Erschienenen seinen herzlichen Dank ab. Bis spät in die Nacht hinein blieb die Festversammlung in gemütlichem Zusammensein. Noch lange wird dieser Tag allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Für unseren Gefeierten aber sprechen wir aus den innigsten Herzenswunsch. Möge der Allmächtige unfern lieben Professor noch lange in ungeschwächter geistiger und körperlicher Kraft erhalten. Uns aber möge es vergönnt sein, noch oft den belehrenden Vorträgen unseres Lehrers lauschen zu können, noch oft unseren Wissendurst zu stillen, an dem nie versiegenden Quell seiner Weisheit, dem Meister der jüdischen Wissenschaft wünschen ***** Ad meio weesrim Schono. Berlin. Ausländische jüdische Studenten andeutschenUniversitäten. Nach der „Statistischen Korrespondenz" liefert in neuerer Zeit Rußland den deutschen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.