Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 18 (2.5.1913)
- Date
- 1913-05-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. IS. Das jüdische Statt. f> B. Eppstein, I. M. T u k o z i n s k i, G. und I. Horovicz und S. Rubin; Aktionskomitee: I. Awritscher, M. Blau, R. C a h a n e , I. F r i e d m n n n , W. M ü n zberg, I. Poraß und W. Schocher. Diesem Wahlergebnis ist eine sehr bewegte hauptsächlich gegen die Person des Rabb. Horovicz gerichtete Kampagne vorausgegangen, die in Ansehung der Stellung, die er als Vertreter des Amsterdamer Palästina-Bureaus sowie der Frankfurter Freien Vereinigung einnimmt, allgemeines Interesse erregte. Diese Kampagne nahm eine solche intensive Gestalt an, daß sich eine Anzahl von sonst ganz ruhigen Personen dazu hergab, eigens in die Aguda mit dem Hintergedanken einzutreten, um durch ihre Anwesenheit diesen ihnen angeblich wegen seiner Vorgeschichte als langjähriger Rabbiner einer nicht als orthodox konstatierten Gemeinde in Ungarn (Alsa-Kubin) nicht zusagenden Rabbi Horovicz zu Fall zu bringen. Ain Tage nach diesem Masseneintritte fand die Wahlversammlung (1 Adar II) statt. Zum Ersatz des wegen Gesundheitsrücksichten ferngebliebenen Ehrenpräsidenten Rabbi Jsak Diskin wurde Rabbiner I. Horovicz mit dem Vorsitze betraut. Kraft dieses Amts erklärte er, er werde die in Massen gestern Eingetretenen zur Wahl überhaupt nicht zulassen, weil zufolge eines Protokolls des provisorischen Aktionskomitees ein Mitglied erst dann als solches betrachtet wird, wenn es vom Komitee in einer regelmäßigen Sitzung akzeptiert wurde, was aber bei diesen neuen Mitgliedern infolge des Zeitmangels noch nicht geschehen sei. Die Mitglieder bestanden aber energisch auf ihr Wahlrecht auch dann noch, als der Vorsitzende eine Abstimmung in seinem Sinne erzielt hatte; daher schloß er die Sitzung mit der Bemerkung, die Wahl werde nunmehr in der Weise stattfinden, daß man den Mitgliedern die Urne nach Hause zustellen wird, und ferner betreffs der Aufnahme der neuen Mitglieder werde das provisorische Komitee in einer Sitzung entscheiden. Jenes Komitee, in dem der in Rede stehende Rabbiner Horovicz das entscheidende Wort hatte, wies auch alle diese Mitglieder massenweise ab mit der Erklärung, daß nur solche Mitglieder ausgenommen werden, die das Komitee in seiner Mehrheit persönlich gut kenne. Einige von diesen abgewiesenen Mitgliedern sollen auch die Verfasser der hierauf an allen Ecken und Enden der Stadt angeschlagenen Erklärung gewesen sein, in welcher in abfälligen gegen den oftgenannten Rabbiner Horovicz gerichteten Ausdrücken vor dessen Wiederwahl gewarnt wird. Natürlich konnte eine solche öffentliche Warnung bei ihrem unschönen Charakter mehr als eine Bloßstellung überhaupt kaum erzielen. Wahltaktisch war diese an den Mauern der heiligen Stadt angeschlagene Erklärung gegen Rabbiner Horowicz verfehlt. Denn sie schlug gerade in die gegenteilige Wirkung um. Die sonst gleichgültigen Elemente nämlich sahen sich in ihrer Verurteilung einer derartigen Kampfesweise erst recht veranlaßt, gerade den so arg befehdeten Rabbiner Horowicz doch zu wählen. Diesem Umstande hat er in Wirklichkeit hauptsächlich seine Wahl zu verdanken, die wie schwach auch seine Majorität sein mag (74 gegenüber 220 überhaupt abgegebenen Stimmen) immerhin einen Erfolg bedeutet. I e r u s ch a l m i. (Solche unheimlichen Treibereien sollten unter dem Namen der Agudas Jsroel jedenfalls nicht Vorkommen. Red.j lg Korrespondenzen. ii MP - Gllaß-Lotllviirae». - MP. Die Geistlichengehälter beschäftigten die Kommission der Zweiten Kammer weiter. Die Geistlichen beider Konfessionen sollen Zulagen bis zur Regelung der Gehaltsfragen erhalten. Die Schwierigkeit der Lösung bietet noch immer die Deckungsfrage. Doch machen sich Anzeichen sichtbar, daß das Zentrum zu einem Kompromiß neigt. In der Ersten Kammer sprach sich das Mitglied Dr. C u rt i u s, Präsident des protestantischen Oberkonsistoriums, zu dem Anträge des Zentrums auf Festlegung des Kultusbudgets und auf Einführung einer Kirchensteuer für die darüber hinaus Für die Bestreitung der Notwendigkeiten der kultusnötigen Beträge dahin aus, daß, wenn man an der Besoldung der Geistlichen aus Staatsmitteln festhält, die Höhe der Besoldung durch das Bedürfnis bestimmt werden müsse. Auf dem Boden des bestehenden Rechts sei daher die Berücksichtigung des Familien st ands durchaus gerecht und normal und daher der Zustand der geringeren Besoldung der katholischen Geistlichen gerechtfertigt. Der beste Weg wäre die Abschaffung des Kultusetats und die Einführung der Kirchen st euer n. In dem vorliegenden Antrag des Zentrums bemängelt er das m Anspruch genommene Recht auf Entschädigung des Staates an die Katholiken für die Säkularisierung der Kirchengüter und erklärt, daß in einem zukünftigen Kultusbudget auch die bis jetzt nicht berücksichtigten Israeliten in billiger Weise Berücksichtigung finden müßten. Darauf ergriff das Mitglied Oberrabbiner Ury das Wort zu folgenden Aeußerungen: Die Ausführungen des Mitgliedes Curtius gelten auch fast ganz für die Israeliten. Ich brauche mich daher seinen Ausführungen nur anzuschließen. Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen; es wird genügen, wenn ich darauf Hinweise, daß, wenn der Antrag der Budgetkommission auf Neuregelung des Kultusbudgets nach der Kopfzahl durchginge, die Israeliten gegenüber dem jetzigen Zuschuß von 200 000 di einen Fehlbetrag von rund 122 770 c U haben würden. Ich hege die Hoffnung, daß die Zweite Kammer, in der so viele hervorragende Köpfe sitzen, in letzter Stunde sich selbst eines Besseren belehren wird. Sollte das aber wider unser Erwarten nicht geschehen, so hoffe ich, daß in dieser Ersten Kammer, wo ebenfalls erleuchtete und sachliche Köpfe zu finden sind, das gerechtere und paritätische Prinzip siegen wird. Staatssekretär v. Bulach will auf die Frage der Reform der Geistlichengehälter nicht näher eingehen, da der Gegenstand in der Zweiten Kammer eben behandelt werde. Jedenfalls sei die Regierung mit H. Curtius in dem Wunsche einig, daß die subtile Angelegenheit möglichst bald und zum Nutzen des Landes und zur Befriedigung der Beteiligten erledigt sein möge. Strahburg. Jüdischer Turnverein in Straßburg. Wie erinnerlich war in der letzten Generalversammlung die Errichtung einer Fechtabteilung beschlossen worden. Nachdem die erforderlichen Vorkehrungen getroffen und zur Leitung der Kurse eil, erfahrener Fechtlehrer gewonnen war, trat der Verein an seine Mitglieder heran, um sie zur Beteiligung an seiner neuen Einrichtung aufzufordern. Der Er-