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Das jüdische Blatt · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Statt. Nr. 18. zusügen könne, und entschloß sich, mit Skuridin zu handeln. Die angesehensten Mitglieder der Verwaltung, Margulies, Feldmann und Puritz, luden Skuridin zum Abendbrot in einem Separatkabinett des Restaurants London ein und übergaben ihm bei dieser Gelegenheit 2500 Rubel. Als Skuridin sich beklagte, diese Summe sei zu niedrig, weil er davon noch an andere abgeben müsse, versprach man ihm noch eine Zuzahlung. Doch Dr. Puritz stellte ihm die Frage: Fürchten Sie nicht, wegen Annahme von Bestechung Ihre Stelle zu verlieren? Darauf erwiderte er: „Ich kann gut schießen." Diese Antwort verstanden alle als eine Drohung, den zu erschießen, der ihn verraten würde. Rach einigen Tagen forderte Skuridin noch 1000 Rubel. Die gesamteu Herren luden ihn wieder zum Abendbrot in einem Separatkabinett ein und gaben ihm die verlangten 1000 Rubel. Die Belästigungen der jüdischen Anstalten hörten aber nicht auf. Im Gegenteil! Die Herren, die Zeugen gewesen waren, wie Skuridin sich hatte Geld zahlen lassen, wurden chikaniert. Margulies wurde nicht als Vorsitzender der Gemeindeverwaltung und Puritz nicht als Kurator des jüdischen Spitals bestätigt. Als der neue Gouverneur von Odessa Kammerherr Sotznowski sein Amt antrat, war es mit der Macht aus, die Skuridin in Tolmatschefs Zeiten ausgeübt hatte. Die Erpressung Skuridins kam ans Licht und ihm wurde der Prozeß gemacht. Vor Gericht erklärte Skuridin die Anklage als Racheakt der Juden für die im Kampfe gegen die Revolution von ihm bewährte Energie, und sein Zusammensein mit den Mitgliedern der Verwaltung der jüdischen Gemeinde im Separatkabinett stellte er als Spionage dar. Beim Zeugenverhör stellte sich heraus, daß der „Rabbiner" Dr. Awinowitzki sich wie eine Art Genosse des schwarzen Hunderts benommen hatte. Er nutzte sein Ansehen bei Tolmatschef für seine persönlichen Zwecke aus. Auf seine Empfehlungen hin mußten an die Spitze jüdischer Gemeindeanstalten Besitzer öffentlicher Häuser gestellt werden. Skuridin, die rechte Hand des Generals Tolmatschef, hat sich deshalb erboten, gegen Vergütung von 5000 Rubel die jüdische Gemeinde von dem Ungeheuer Awinowitzki zu befreien und hat sogar von dem früheren Vorsitzenden der Gemeindeverwaltung Briskin 1500 Rubel im voraus erhalten. Alles dies wurde von den Zeugen bestätigt. Einer fügte hinzu: Als man Skuridin die Banknotenpäckchen übergab, fand er beim Nachzählen, daß ein Hunderter in einem Päckchen fehlte, und forderte die sofortige Zahlung des fehlenden. Auf die Frage des Vorsitzenden wegen der Beziehungen zu Skuridin erklärte Margulies als Zeuge: Besser wäre es, wir hätten Skuridin nie gekannt, aber wir wußten, daß er bei Tolmatschef gut angeschrieben sei, daß er daher eine große Macht habe, und wir hatten Angst vor ihm. Skuridin erhielt, wie oben bemerkt, seine verdiente Strafe. Aber in welchen Abgrund von moralischer Fäulnis innerhalb russischer Regierungskreise blickt man da hinab. iinmütmit. Unverbürgten Gerüchten zufolge hat das Rumänische Kabinett einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der beiden Kammern vorgelegt werden soll und in welchem allen Juden des Landes volle bürgerliche Gleichberechtigung zugestanden werden soll. Dieser Entschluß soll auf den Druck zurückzuführen sein, den der jüngst in London bei der Friedenskonferenz tätig gewesene demokratische Minister Take I o n e s c u ausgeübt haben soll. Es wird außerdem berichtet, daß, um die Beratung dieses Gesetzentwurfes zu ermöglichen, die parlameutarifche Session verlängert werden soll. In letzter Zeit haben sich jüdische Korporationen in allen Ländern geregt, die „Hilfsvereine" in Deutschland, die „Allianz" in Oesterreich, die „Anglo Jewish Association" in England, die „Union der jüdischen Gemeinden" in Italien, um bei ihren Regierungen um die Besserstellung der Rechte der Juden in Rumänien vorstellig zu werden. Es ist endlich Zeit, daß die mittelalterliche Barbarei verschwinde, nach der die Juden in Rumänien als „Fremde ohne fremden Schutz" behandelt werden. Bulgarien. Die Bulgaren in den neueroberten Gegenden. Seit Beginn des Balkankrieges hat eine große Zahl Juden das von den Bulgaren besetzte Strumza verlassen, da sie die Gewalttaten der bulgarischen Eroberer befürchteten. Da der bulgarische Kommandant mit Mißvergnügen die fortdauernde jüdische Abwanderung beobachtete, begab er sich kurzerhand in die Synagoge, um diese Angelegenheit mit unseren Glaubensgenossen zu erörtern. Ihm wurde mitgeteilt, daß die Juden sich bisher eifrig mit Handel beschäftigt hätten, daß sie aber die Gegend zu verlassen gezwungen seien, weil der Markttag auf Samstag verlegt worden und dadurch ihre geschäftlichen Interessen gefährdet worden seien. Außerdem trage die Unsicherheit der öffentlichen Dinge zur Abwanderung bei. Der Kommandant erwiderte, sie brauchten nicht länger ängstlich zu sein, und was die Verlegung des Marktes auf Samstag angehe, so werde er sich deswegen an den Minister des Innern richten. Er erkundigte sich, ob die Synagoge irgend einen Schaden erlitten habe, und ließ sich die Thorarollen zeigen. Beim Abschied richtete er Worte der Ermunterung an die Versammelten und ersuchte sie, volles Vertrauen auf die zukünftige Gestaltung der Dinge zu fassen. . Palästina. Die in Jerusalem erscheinende orthodoxe Zeitung „Moria" bringt in ihrer Numiner vom 11. April beachtenswerte Ausführungen über die Austragungen, die vom alten Jifchuv zur Verbreitung des Handwerks gemacht werden, um auf diese Weise Arbeit und Thorastudium zu verbinden. Besondere Beachtung verdient die Idee, Jerusalem und das heilige Land iin allgemeineir zu einem Zentrum für die H e r st e l l u n g von S i f r e Thora, T e p h i l l i n und M e s n s a u s zu nracheu. Diese Gegeustände erfreueu sich bereits jetzt einer großen Nachfrage. Diese würde bedeutend steigen, wenn in Jerusalem eine von rabbinischen Autoritäten kontrollierte Arbeitsstätte für die Herstellung dieser heiligen Gegenstände errichtet und für den Absatz eine gut geleitete Organisation gegründet würde. Daß dank einer geschickten Organisation der Arbeit und des Verkaufes die Nachfrage beständig wachsen ivürde, steht außer Frage. Auf diese Weise könnten Tausende von Familien einen genügenden Erwerbszweig finden, die Ehre des heiligen Landes würde vermehrt und das jüdische Pflichtbewußtsein des Golus würde einen neuen Ansporn und eine reiche Befriedigung finden. Jerusalemer Brief. Eben wird das Wahlergebnis der hiesigen bereits über 300 Mitglieder zählenden Aguda-Ortsgruppe bekannt. Da die Rabbinen Jsak Diskin, Chaim Sonnenfeld und David Lippmann ihre Mandate nicht annehmen, so lassen sich die neugewählten Komitees wie folgt feststellen: Rabbinen

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