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Das jüdische Blatt · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 3 Das jüdische Statt. Schächtverboten. Vor lauter Freiheit. Ach ja, es ist eine schöne Zeit. Das Zählen haben wir schon gelernt, aber das der Tage gerade nicht mit besonderer Vollendung. Aber ich habe ja mich ganz vergessen, wäre beinahe böse geworden. Denn jetzt fangen mir meine guten Leute wieder an zu zählen: am Cholhamoöd haben wir nämlich Erech gemacht und da zählen die guten Leute das Geld — der andern. Jst's bei Ihnen auch so? Bitte schreiben Sie darüber Ihrem Rosch chakohol. Deutschland. Berlin. Am 20. Mai d. I. (13. Jjar) wird Prof. Dr. Adolf Berliner 80 Jahre alt. Wie wir hören, werden die zahlreichen Körperschaften, die diesem wohl bekanntesten aller zeitgenössischen jüdischen Gelehrten ihre Entstehung oder doch tatkräftige Mitwirkung verdanken, diesen Tag festlich begehen. Frankfurt a. 7N. Unter dem Namen der Agudas Jisroel- Iugendgruppe versendet die M ä d ch e n k o m m i s s i o n dieser Gruppe folgenden Aufruf: Der große Gedanke der rHjtf hat in weiten Kreisen der thoratreuen Judenheit ein begeistertes Echo gefunden. Alt und Jung schart sich um die in alter Schönheit wieder aufgerichtete Fahne, mit liebevollem Eifer alle Kraft der Verherrlichung des gesetzestreuen Judentums weihend. Da dürfen auch wir, die Töchter Israels, nicht fehlen. Mit dem gleichen, Tatopfer heischenden Ernste wendet sich die jüdische Lebensauffassung an den jüdischen Mann wie an die jüdische Frau, den Jüngling wie an das junge Mädchen, verlangt von jedem an seiner Stelle und auf seine Weise Verwirklichung des jüdischen Gottesgesetzes im sturmbewegten Wellenschlag des Lebens. Viele von uns jungen Mädchen hat die moderne Entwicklung in den Strudel des Erwerbslebens, mehr als zu je einer Zeit, hineingerissen. Groß sind die Ansprüche, die an uns gestellt werden, und die ganze ungebrochene Kraft echt jüdischen Wollens ist notwendig, um wurzelfest im gesetzestreuen Judentum beharren zu können, nicht zu weichen und zu wanken. Da ist es denn notwendig, daß wir uns mit dem Rüstzeug jüdischen Wesens und Wissens versehen, uns die Kenntnis des Judentums, seiner Geistesschätze, seiner Geschichte und gegenwärtigen Aufgaben aneignen und durch innigen Zusammenschluß uns gegenseitig aneifern und stärken in unserem Streben. Aus diesein Gedanken heraus hat sich innerhalb der Agudas Jisroel-Jugendgruppe eine TNädchengruppe gebildet, die eine Zusammenfassung der hiesigen jüdischen Mädchen bezweckt, und wir gestatten uns, auch Sie aufzurufen, tätig an unseren Bestrebungen mitzuwirken. Es war, so wird uns in diesen Tagen vergegenwärtigt, das Verdienst der jüdischen Frauen, daß unsere Väter aus Mizrajim erlöst wurden. Auf! Zeigen wir uns unserer Ahnen würdig! Wie sie in der bittersten Zeit der jüdischen Geschichte die freudige Zuversicht in die Ewigkeit und Unsterblichkeit des Volkes der Thora aufrecht erhielt, so wollen auch wir mit den uns zu Gebote stehenden Kräften das Unsrige tun, um die Ausgabe der Agudas-Jisroel zu unserem eignen Wohle, wie zum Besten der Gesamtheit lösen zu helfen. Eine jede von uns zeige, daß sie die Größe des Augenblicks erfasse und arbeite mit uns an der Wiederaufrichtung des jüdischen Heiligtums in seinem alten Glanze. Frankreich. Paris. Unter der Leitung des Rabbiners I. Bauer erscheint soeben eine Vierteljahrsschrift, „Foi et Reveil", die sich zur Aufgabe stellt, im Geiste des überlieferten Judentums die in Frankreich noch vorhandenen jüdischen Kräfte zu sammeln und das überlieferte Judentum dort zu neuent Leben zu wecken. Wir wünschen unserem neuen Kollegen Glück in der Verfolgung seines Ziels und seiner Zeitschrift eine große Verbreitung unter der französisch sprechenden Judenheu. England. Die Einführung des neuen Chief-Rabbi, Dr. Hertz, in sein Amt fand am Montag, 14. April, in großer Feierlichkeit statt. Der Lordmayor von London sowie zahlreiche Geistliche waren zugegen. Lord Rothschild begleitete mit anderen Würdenträgern der United Synagoge den neuen Chief-Rabbi beim Einzug und Verlassen der Synagoge. Die Predigt des neuen Chief-Rabbi machte einen tiefen Eindruck durch die scharfe Betonung der Treue zu der überlieferten Religion und die unbedingte Zurückweisung der revolutionären Richtlinienbewegung in Deutschland und Amerika, die neue „Lampen" statt der alten entzünden wollten. In der gleichen Woche ging der parlamentarische Prozeß zu Ende, der gegen das Mitglied des Parlaments, Sir Stuart Samuel, Bruder des Postministers, geführt worden war, weil die indische Regierung durch Vermittelung von Sir Stuart Samuels Firma Samuel Montagu & Co. Silber gekauft habe. Nach einem alten Gesetz aber soll kein Parlamentsmitglied bei Strafe von 500 L. für jede Sitzung, in der er seine Stimme abgibt, ein Geschäft mit der Regierung eingehen. Es wurde nun entschieden, daß gegen Sir Stuart Samuels Handlungsweise nicht das Geringste einzuwenden sei, daß er aber sein Parlamentsmandat niederlegen müßte. Es wäre wohl würdevoller gewesen, wenn Sir Stuart Samuel dem Rat der liberalen Parteigenossen nicht gefolgt wäre, sondern von Anfang an freiwillig auf sein Mandat verzichtet hätte. Sein Wahlkreis ist der dicht von Juden bewohnte Whitechapel. Es ist in Anbetracht des großen Interesses, das Sir Stuart Samuel den jüdischen Angelegenheiten entgegenbringt, zu wünschen, daß er in der Nachwahl in diesem fast ganz jüdischen Wahlkreis wieder als Sieger hervorgehe. Rußland. Erpressung an einer jüdischen Gemeinde. Der frühere Regierungsrat von Odessa, Skuridin, der Adjutant des berüchtigten Gouverneurs Tolmatschef, wurde wegen Erpressung, begangen an der jüdischen Gemeinde zu Odessa, zu 3 Jahren Zuchthaus und 3500 Rubel Geldstrafe verurteilt. Die Sache trug sich nach der Anklageschrift folgendermaßen zu: General Tolmatschef beauftragte im Jahre 1909 Skuridin, die Bücher der Odessaer heiligen Bruderschaft (Chewra Kaddischa) und des Odessaer Rabbinats Zu revidieren. Die Revision ergab verschiedene Unregelmäßigkeiten, deren Entdeckung zur Absetzung des „Rabbiners" Dr. Awinowitzki H führte. Skuridin wußte, daß die Odessaer jüdische Gemeinde die Absetzung Dr. Awinowitzkis mit Freude begrüßte, und verlangte daher von dem Verwaltungsrat der Odessaer Synagogen und Lehrhäuser eine Vergütung für diesen geleisteten Dienst. „Die jüdische Gemeinde", sagte er, „schuldet mir für die Absetzung des Dr. Awinowitzki 5000 Rubel. Wird mir die Summe nicht bezahlt, so setze ich Awinowitzki wieder in seine Stelle ein. Außerdem werde ich alle jüdischen Anstalten zugrunde richten." Die jüdische Verwaltung setzte in einer Sitzung fest, daß Skuridin tatsächlich der jüdischen Gemeinde viel Schaden 9 Awinowitzki war Kronrabbiner. Das sind Männer im Besitze der russischen Sprache, meist ohne religiöse Vorbildung und Führung, die der Regierung gegenüber als Rabbiner amtieren.

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