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Das jüdische Blatt · 1913-04-18 · 16/17 (18.4.1913) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
16/17 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 16(17. Das jüdische Klatt. 13 lü1; nb'" fc<"u ÜH " Do^'Skt "h»«3 -Lrd' 77» »L! ®e9fn einez sM &1 wurden. Air J 7'udie^ jungen, Qn m «eime ,3u eritirfen. rn wären berufen i ^drucken, die aller, irdicu. 2aß er also am Ädr durfte. ist selbsnedE »ndern sogar noch mrir ist auch ganz selbiw illd :: iiitii” ■ l.tur winliiii:tu; *r auch ein großer jim Lo hatte er benn b«r rgend und Germmk' oies und Aronzeig;: hat, der wird in llW Me und Anmri L r und fragt: ,HE aur'" Ar SäuM >der kennen keine B leibeschäftigten GeA . wenn es» Eltern sollten nift ganzen Seder mitgehalte^, hatte genau zugesehen, wie der Vater alles tat, und hatte bei allem, das er nicht begriff, gefragt, was es war und was es bedeutete. Und wenn ihm der Vater dann geantwortet hatte und es ihm doch nicht klar war, sagte er: „Ich verstehe es noch nicht, lege es mir bitte noch einmal klar aus. So verstand und wußte er schließlich fast alles, was der Seder in sich schließt. Am besten gefiel ihm der Becher von Eiliohu Hanovi, Elia dem Propheten. Er sah andächtig zu, wie sein Vater den Wein hineingoß. Vater hatte ihm gesagt, daß dieser Becher das Sinnbild der Erlösung aus dem Exil ist. Wenn Moschiach kommt, kommt erst Eiliohu Hanovi. Und nun, an diesem Abend, der Erlösung aus Aegypten, der ersten Erlösung unseres Volkes, denken wir an diesen Erlösungsboten, der uns die Erlösung aus dem Exil anzeigen kommt — die letzte Erlösung unseres Volkes — und dann weihen wir auch diesem einen Becher, wie wir die Arba Kausaus den vier Teilen der Erlösung aus Aegypten weichen. — Mo hatte es ungefähr verstanden und dann gefragt, ob Eiliohu Hanovi kommt, um den Becher auszutrinken. Der Vater hatte ihm gesagt, daß er diesen Becher für uns stehen läßt, damit wir morgen Kiddusch damit sagen, denn der Kiddusch bringt uns der Erlösung näher. Das hatte Mo nicht gut begriffen, und als der Vater es ihm ansah, hatte er gesagt: „Das ist auch etwas schwer, wenn Du Barmitswoh bist, werde ich es Dir klar machen". Aber Mo hatte doch wieder ganz andächtig zugesehen, wie Mutter nach dem Seder das große Glas — mit dem Wein Eiliohu Hanovis — ganz sorgfältig zudeckte und mit einem anderen Becher daneben vor Vaters Platz für Kiddusch für den folgenden Morgen hinstellte. Er war arg müde, der kleine Kerl, und er war sehr zufrieden, daß sein Nachtleienen nicht lange dauerte, nur Schema und Hamappil waren zu sagen. Er konnte vor Müdigkeit kaum die Augen offenbehalten. Vier Becher Wein, und wenn diese auch nicht groß sind — sind doch keine Kleinigkeit für einen achtjährigen Menschen. Aber natürlich mußte er erst mit Oren fertig sein, ehe er hinaufging zum Schlafen. Mo schlief gleich ein. Er schlief auch ein paar Stunden fest und ruhig. Auf einmal — saß er aufrecht und war wach. Hörte er da nicht etwas? War unten nicht jemand? Er fühlte sich gar nicht ängstlich und war auch nicht erschrocken. Es kam ihm einen Moment wohl fremd vor, daß keiner sonst etwas gehört hat und Vater und Mutter nicht wach geworden waren. Er stand aber ruhig auf und ging in seinem Nachtkittel leise hinunter in das Zimmer, wo sie den Seder gehalten hatten, öffnete die Türe und ging hinein. — Hei, wer war das? Ein großer Mann mit einem langen weißen Barte, langem, lockendem Haare und buschigen Augenbrauen, in einen weiten Mantel gehüllt und mit einem ledernen Gürtel umschlungen. Und diese Augen! O, Mo mußte fortwährend da hineinsehen, die glänzten wie Feuer. Es war gerade, als ob Licht herausstrahlte. Er stand beim Tisch und hatte das Glas, das als Becher von Eiliohu Hanovi gedient hatte, in der Hand. Er sah Mo an. „Gut Jom Tos, Mo," sagte er. Es klang wie das Rollen des Donners, aber es war doch nicht so, daß man sich davor fürchtete. Im Gegenteil, Mo wollte, daß er noch ein wenig mehr sprach, denn es klang so schön. Er dachte gar nicht daran, daß die anderen geweckt werden konnten. „Gut Jom Tos," sagte Mo und streckte seine Hand aus. Der große Mann lächelte eben. „Ich will Dir gerne eine Hand geben, aber dann mußt Du erst Deine Hände waschen; Du hast doch geschlafen." Wie schwer diese Stimme klang. So etwas hatte Mo noch nie gehört, aber so schön, o so schön! Mo ging schnell in die Küche und wusch seine Hände. Als er zurückkam, stand das Glas wieder an seinem Platz und der Mann mit dem langen weißen Bart und den leuchtenden Augen sah ruhig nach der Türe und streckte seine Hand aus. „Gut Jom Tof," sagte Mo und legte seine Hand in die des Mannes. „Wer sind Sie?" — hätte Mo gerne gefragt, aber er wagte es nicht. Er fühlte sich ein wenig schüchtern — vor diesen Augen! Es sah aber aus, als ob der Mann wüßte, was Mo dachte. „Ich bin Eiliohu Hanovi, mein Junge. Ich komme hierher, um nach meinem Becher zu sehen, womit morgen Kiddusch gemacht wird," sagte der Mann. Gleich mußte Mo wieder alles vom Seder und was Vater erzählt hatte. Er konnte seine Augen nicht vom Antlitze Eiliohus wenden; er mußte ihn fortwährend ansehen. Er sah dabei, daß es ein Antlitz war, von jemanden, der sehr stark sei und schon viel Schmerz gelitten hat, aber nie weinend gesagt: „Ich kann nicht mehr." „£>, Sie sind Eiliohu Hanovi?" fragte er entzückt und um zu zeigen, daß er seine jüdische Geschichte ganz gut kannte, fügte er gleich hinzu: „Und ist das der Mantel, womit Sie den Jordan geteilt haben?" Eiliohu lachte wieder: „Mo, Mo, bist Du nlit der Geschichte gerade mitten drin oder hast Du schon weiter gehabt?" „Ja," sagte Mo, „ich halte schon am Chiskiohu." „Dann weißt Du doch," sagte Eiliohu, „ daß Elischa meinen Mantel bekommen hat?" Mo schämte sich, wie dumm auch, nicht daran zu denken! „Aber dieser Mantel ist auch schön," sagte Eiliohu. Er öffnete seinen ledernen Gürtel, schlug seinen Mantel zurück und befestigte den Gürtel wieder über dem Kleide, das er darunter trug. „Komm nur her, Mo. Wollen wir zusammen einmal etwas schönes ansehen. Dieser Mantel hier trägt uns, wohin wir es wünschen." Und er nahm Mo bei der Hand, schlug seinen Mantel um ihn herum — und fort ging es, weit fort nach —. Mo schwieg. Er fühlte sich so wohl im weiten Prophetenmantel. Er legte seinen Kopf gegen Eiliohus Brust, über den Mantel hinaus und schaute, schaute, was er nur sehen konnte-. Er sah das Städtchen, wo er wohnte, in der Tiefe liegen, schnell einen Moment die Straßen und ganz rasch noch einen Moment das Fensterchen seines Zimmerchens und dann weg — weg — weg —. Mo fühlte, wie sie wegglitten durch die Luft. In fliegender Schnelle, ohne daß es unangenehm war. Ueber Städte und Dörfer, über Aecker und Wiesen, über Hütten und Kastelle, über Ströme und Seen — immer weiter. Er hörte unter sich einen Eisenbahnzug rasseln und eine Dampfpfeife gellen — vorbei —. Er sah einen Moment hohe Berge im Mondlicht, die ganz weiß gegen oben waren und auf einmal eine große Masse dieses „Weißen" mit gewaltigem Getöse von sich lösten — vorbei —. Er sah eine große Kuppel, ganz, ganz weit, mitten auf einein großen Gebäude in Kreuzform, ringherum eine Stadt mit tausend Lichtern — weiter — vorbei —. Mo sah das Meer glänzen und hörte das Rauschen der! Welle und sah Schiffe, ganz kleine Dinger, mit Rauch-

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