Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 16/17 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9052070-9096771-9052353--0294-9052361- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
8 Das jüdische Statt. Nr. I(ijl7. Tageskosten pro Person belaufen sich auf 1,40 dl. An unveräußerlichen Gaben sind noch hinzugekommen 6980 dl, wo runter*et» Legat Alphoitse Haas, Elbeuf, mit 5600 dl, außerdem 56 dl 3 % % tge Staatsrente von den Erben des Herrn Samuel Wallach. Saargemünd. Der Beitrag zur Angestelltenoersicherung für unsere beiden Beamten, Kantor und Schochet, wird von unserer Kultusverwaltung allein getragen. Zu der hier per 1. Juli vakanten Stelle des Schochets, Synagogendieners und Bal Tefiloh haben sich etwa 8 Bewerber, meist Kantoren kleinerer Plätze, gemeldet. ,1. B. Weitersweiler. In der letzten Woche verstarb hier Josel Samuel. Mit ihm, der in den siebziger Jahren stand, ist wieder einer unserer alten Balbatim dahingegangen, nachdem ihm seine Frau vor ca. 2 Jahren vorausgegangen war. Zahlreiches Leichengefolge begleitete den Gewesenen nach dem guten Ort, allwo Rabb. Dr. Weil zu Herzen gehende Worte des Trostes und der Anerkennung fand. -I. B. Kayerri. Aus vergilbten Blättern. Die freundlichen Leser erinnern sich vielleicht noch eines Briefes unseres Rosch Hakohol, in welchem derselbe einen veritablen Strike der Schabbos-Gojes darstellten. Unser Rosch Hakohol möge es uns verzeihen, aber wir müssen schon gestehen, daß wir dies damals für eine mottströse Ausgeburt seiner Phantasie hielten. Nun aber verdanken wir der Freundlichkeit des Herrn Lehrer Strauß in Uffenheim ben Einblick in ein Manuskript, welches uns beweist, daß alles schon einmal dagewesen ist. Da hat nämlich anno 1705 der damalige Dekan von Uffenheim hübsch säuberlich eine Konsignation aller Juden im Uffenheimischen Kapitel niedergeschrieben. Wenig menschenfreundlich ist das Ganze gehalten. Von Uffenheim mit seinen 57 Judenseelen hofft er, daß die Erlaubnis zu einer „Judenschule" nicht wird erreicht werden. Von Welbhausen (damals 125 Seelen, jetzt aufgelöst) beklagt er das Wachstum. Herrenbergtheim mit 5 Seelen, Waldmannshofen mit 11 Seelen, selbst Kronglingen mit 73 Seelen, Oberbredt mit 83 Seelen, Hast mit 8 Seelen, Gerdstadt mit 8 Seelen, Saltershausen (8), Mainbernheim (60), Krichsenstadt (30), Kleinlangheim (25), Segnitz mit 39 Seelen gibt ihm keinen Anlaß zu besonderer Klage. Bei Ermetzhofen mit 77 Seelen plagte er den guten Konsignanten, daß die Zahl der Judenhäuser um eines zugenommen habe. Die Krone setzt aber dem Ganzen Gollachostheim auf mit seinen 13 Seelen, denn von diesem Ort heißt es wörtlich: Also hat es hier denen Einwohnern ziemlich gelungen, daß die meisten Juden haben anders wohin ziehen müssen, weil ihnen kein Christ mehr an ihrem Sabbat hat einheizen wollen. Also man sieht, alles schon dagewesen. Fürth. Die Zentralstelle zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten in Fürth versendet ihren Kassenbericht pro 1912. Aus diesem ist zu entnehmen, daß von den verschiedenen Gemeinden dl 18 517,77 eingeliefert wurden, hiervon für Unterstützungen an arme Durchreisende dl 12 282,20 verausgabt wurden, ebenso dl 1380,51 zwecks Förderung einer Arbeitsstätte und ferner dl 450,40 für Weißensee, Ahlem und den Verein für Obdachlose in Hamburg. Der Zweck dieser Vereinigung wird stets mehr anerkannt, da infolgedessen unsere armen Glaubensgenossen nicht mehr gezwungen sind, so lange auf der Landstraße zu bleiben und den Bedürftigen doch so manche helfende Unterstützung zuteil wird, die sie früher nicht erreichen konnten. So wurden einzelnen sogar bis dl 40 Unterstützung zuteil und werden außerdem fast allen die Reisekosten bis zur nächsten Zentrale gegeben. U- Fürih. Die hiesige Gemeinde hat vergangene Woche zwei schwere Verluste erlitten. Am Montag, 7. April, wurde Herr Fritz Hirschmann, Mitbegründer der bedeutenden Banksirma Hirschmann & Kitzinger, zu Grabe getragen. Er hatte viele Jahre zum engeren Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde gezählt und versah das Amt noch bis wenige Tage vor seinem Tode, wo ihn eine tückische Krankheit ereilte, von der er nicht wieder gesunden sollte. Wenn der Verblichene auch nicht zu den Frommen zählte, so war sein Streben doch stets darauf gerichtet, daß die religiösen Einrichtungen in der Gemeinde wie von alters her erhalten blieben. — Dienstag, den 8. April, war es Herr Simon Neuburger, dem eine große Anzahl Trauernder und mit ihnen sehr viele Freunde das letzte Geleite gaben, nachdem der Ver« storbene nicht einmal das 61. Lebensjahr vollendet hatte. Dieser Biedermann, der trotz seines Vermögens nie Stolz kannte, gehörte derjenigen Familie an, auf deren Name die hiesige Gemeinde stolz ist, bekannt durch die große Wohltätigkeit, welche in der Tradition der Familie Neuburger gepflegt wird. Auch der Dahingeschiedene fand größte Genugtuung darin, jedermann, der seine Hilfe in Anspruch nahm, mit Rat und Tat beizustehen, aber nicht, wie das jetzt leider bei unseren Glaubensgenossen sich stark eingebürgert hat, auf Kosten der Veröffentlichung, sondern nur intmer im Geheimen. Sein letzter Wille bezeichnet am besten seine Bescheidenheit, indem er sich jeden Nachruf ob seiner guten Taten verbat, obwohl keine Wohltätigkeitsanstalt dahier existerte, in deren Listen nicht Herr Simon Neuburger als Beitragender figurierte. Möge ihm einst der Lohn seiner vielen Wohltaten beschieden sein. L. klemsleinach (Unterfranken). Herrn Lehrer Sichel, der bereits 33 Jahre segensreich in unserer Gemeinde wirkt, war es jüngst vergönnt, in körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag zu feiern. Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn- Burgpreppach benutzte mit Vergnügen diese Gelegenheit, an diesem Tage hierherzukommen, um dem geschätzten Lehrer seines Rabbinats persönlich seine Glückwünsche zu übermitteln. In der festlich erleuchteten Synagoge hielt Herr Dr. Cohn vor dem Minchoh-Gebete eine längere Rede, in welcher er die Verdienste des Lehrers um das Wohl der Gemeinde erwähnte und auch das schöne, harmonische Verhältnis zwischen Lehrer und Gemeinde, zwischen Lehrer und Rabbiner schilderte. Die feindurchdachte, großartige Ansprache wurde sehr beifällig ausgenommen und machte auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck. Zum Schlüsse überreichte Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn dem Herrn Lehrer unserer Gemeinde, der ein großer Thoragelehrter ist, das Diplom. Nach Beendigung des Minchoh-Gebetes hielt Herr Lehrer Rosenfelder von Aidhausen, ein Nachbarkollege, in der Wohnung unseres Herrn Lehrers eine längere Rede, worin er verschiedene Eigenschaften des Gefeierten rühmend hervorhob. — Die hiesige Gemeinde schenkte Herrn Lehrer Sichel einen sehr schönen Lehnsessel. Auch von auswärts trafen viele Glückwünsche und Präsente ein. — Möge Herrn Sichel ein heiterer Lebensabend im Kreise seiner Familie beschieden sem! .pa n:r .1 t; Bade». Freiburg i. Br. Die hiesige Ortsgruppe des Verbandes der Sabbatfreunde veranstaltete am letzten Sonntag abeitd