Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 16/17 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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SSJSS»?; Nr. 1 f»| 17 Das jüdische Matt. jüdisch-spanische Geschichte und Literatur vorgeschrieben, aus dem dann die Gründung von Lehrstühlen für diese Materien hervorgehen soll. Zu einer Meldung des „Temps", daß 80 000 Juden des Balkans (Spaniolen) sich um spanische Nationalität bewerben wollen, äußerte Romanones, daß die Zahl zwar übertrieben sei, doch daß eine derartige Bewegung allerdings bestehe. Man scheint ihr nicht unsympathisch gegenüberzustehen und hofft, daß auch viele Spaniolen wieder in ihre alte Heimat zurückkehren. In Madrid hat sich zu diesem Zweck ein permanentes Komitee gebildet, das sich mit verschiedenen Israeliten in Verbindung gesetzt hat zwecks Errichtung eines geeigneten Betlokals. ll Korrespondenzen. || Mia - Gisaß-Kotlrrirraen. - Mia Slraßburg. Am 13. d. M. fand im Hotel „Ville de Paris" eine öffentliche Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt. Herr Max Epstein- Straßburg berichtete über die Tätigkeit der hiesigen Ortsgruppe; dann sprach Herr Syndikus Dr. Holländer-Berlin über „Die soziale Lage der deutschen Juden". Die Referate enthielten im wesentlichen nur Darstellungen von „Maßnahmen", „Konferenzen", „Schritten" usw. Von der gegen die Zionisten gefaßten Resolution des Delegiertentages in Berlin wurde kein Wort gesprochen. Das wurde in der Diskussion um so kräftiger nachgeholt, in welcher von zionistischer Seite zunächst die Herren Prof. Dreyfuß und Dr. Nawratzky, von orthodoxer Seite Herr Bickhardt energisch gegen den denunziatorischen Sinn der Resolution protestierten. Herr Rechtsanwalt Dr. Weil suchte diese zu rechtfertigen: sie sei gar nicht so schlimm gemeint gewesen; man habe nur die Nationaljuden, da sie dem Antisemitismus Vorwände gäben, von der Mitarbeit im Zentralverein ausschließen wollen. Welche Unlogik, welchen Mangel an Mannesmut und welch unjüdische Gesinnung aber die Resolution in dieser Auslegung sowohl wie in jener andern, die man ihr vernünftigerweise geben kann, aufweist, zeigte nunmehr in meisterhafter Weise Herr Berthold Feiwel. Der Verlauf der Versammlung dürfte manchem bisherigen Anhänger des Zentralvereins die Augen darüber geöffnet haben, zu welcher Kritik betreffs der jüdischen Interessen das Vorgehen des Zentralvereins Anlaß gibt. Allkirch. Von schwerem Leid wurde die Familie M. Lehmann-Levy durch den Verlust ihrer 17jährigen Tochter getroffen, die nach kaum dreitägiger Krankheit einem tückischen Nierenleiden erlag. Die am Sonntag stattgefundene Beerdigung war ein herzerhebender Beweis der großen Teilnahme, die alle Kreise der hiesigen Bevölkerung an dem traurigen Geschick nahmen. Mögen die tiefempfundenen Worte, die unser Rabbiner den trauernden Eltern an der Bahre ihres einzigen Kindes zurief, dieselben trösten und aufrichten. Colmar. Am letzten Samstag fand hier eine von Dr. H o ch s ch i l d einberufene Versammlung des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jiidischen Glaubens" statt, die ziemlich gut besucht war. Als Hauptredner sprach Herr Dr. Hochschild und seine Ausführungen wurden durch zwei weitere Vertreter des Centralvereins ergänzt. In der darauffolgenden Diskussion sprachen nacheinander die Herren Rechtsanwalt Levy-Colmar, Dr. Elias- Mülhausen, beide als Vertreter der zionistischen Vereinigung, Dr. Bruno Weill-Straßburg, Max Frank, A. Dreifuß und andere. Kurz vor 12 Uhr wurde die erregt verlaufene Versammlung geschlossen. Von anderer Seite wird uns dazu noch geschrieben, daß in der Diskussion ein Redner, Herr Willard-Mülhausen, gegen die Handlungsweise des Komitees, vor der Diskussion die Listen herumgehen zu lassen, protestierte. Gar mancher hätte seine Unterschrift nach der Diskussion nicht mehr gegeben. Fegersheim. Unsere neue Verwaltungskommission hatte in ihrer ersten Sitzung die Errichtung einer Abfertigungskasse für durchreisende Arme beschlossen. Sie ist am 1. April in Kraft getreten. Jedes Gemeindemitglied zahlt einen Beitrag in der Höhe von einem Drittel seines Kultus-' beitrages. — Kürzlich fand hier ein Wohltätigkeitskonzert statt. Israelitische Schulkinder spielten die beiden Märchen „Dornröschen" und „Häusel und Gretel". Die guten Leistungen der Kinder wurden allgemein bewundert. Einige junge Damen (Frl. Elvira und Emma Ledermann, Margarethe Dreyfuß, Camille Klein und Florine Meyer) erfreuten durch das Spiel eines Einakters. Heiterkeitsausbrüche veranlaßte die humoristische Szene „Die Unschuld vom Lande". Großen Beifall erntete Frl. Camille Klein durch das meisterhaft vorgetragene Lied „Esmeralda, die Zigeunerin". Die ganze Veranstaltung war glänzend gelungen. Vom Reinertrag erhielt das israelitische Waisenhaus in Hagenau 30 JL, das Lehrerwaisenstift 16-cH, 15 dt wurden hier verteilt. Ingweiler. Vergangene Woche trug man den im Alter von 72 Jahren verstorbenen Isidor Baer zu seiner letzten Ruhestätte. Zahlreich war die Beteiligung am Leichenbegängnis des Verblichenen. Rabb. Dr. Weill hielt dem Dahingegangenen einen tiefempfundenen Nachruf. J. B. Mommenheim. Im Alter von 62 Jahren ist letzten Freitag der älteste im Amte befindliche israelitische Lehrer im Lande g e st o r b e n. Herr Lehrer L u ß war 36 Jahre Lehrer in Mommenheim, nachdem er vorher in Trimbach die Schule geleitet hatte. Von seiner Beliebtheit zeugte die Beerdigungsfeier am Sonntag, zu der sich 60 Kollegen eingefunden hatten, unter andern auch seine frühern Schüler, die Herren Feist-Zabern und Levy-Niederbronn. An der Bahre sprach in ergreifenden Worten Herr Rabbiner Dr. Levy-Brumath. Dann widmeten der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Herr Metzger-Blschheim, sowie Herr Feist-Zabern dem teuern Kollegen herzliche Worte der Erinnerung. Nach der Beerdigung hielt Herr Lehrer Kahn-Saarburg im Trauerhause dem Verstorbenen noch einen tief empfundenen Nachruf. Mülhausen. Das W o h l t ä t i g k e i t s b u r e a u der hiesigen israelitschen Gemeinde veröffentlicht seinen Jahresbericht pro 1912, dem wir folgende Daten entnehmen. Die Gesamteinnahmen betrugen 8724,37 JL, worunter 4419,20 JL jährliche Beiträge und 2308,80 JL Spenden. An Ortsarme wurden verteilt 4433,80, an Auswärtige 655,10, an Durchreisende 1873,50 JL. Der Reservefonds mußte mit 250 JL in Anspruch genommen werden. Da auch infolge Ablebens und Wegzugs bisheriger Mitglieder die Jahresbeiträge um 200 JL zurückgegangen sind, appelliert der Vorstand an das Wohlwollen der Glaubensgenossen zur Unterstützung ihres Wohltätigkeitswerkes. Hoffentlich nicht umsonst. — Gleichzeitig erscheint auch der Bericht der Hospizverwaltung für das Jahr 1912, der eine Einnahme von 25 073,40 c <1 verzeichnet, wogegen die Ausgaben 21 084,85 JL betragen.^Die