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Das jüdische Blatt · 1913-04-18 · 16/17 (18.4.1913) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
16/17 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Als entschiedene Gegner des Sabbats müßten die Richtlinien angesehen werden, die, wie die Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland, den Sabbat erhalten zu wollen vörgeben, sogar die Erwerbearbeit für verboten erklären, schließlich aber hinzufügen, es gehe auch so, man müsse den Sabbat aller Erschwerungen zeitgemäß entkleiden. Diese theoretischen Gegner könnten ihre Auffassung nur im offenen Gegensätze gegen die Stelle unserer Thora vertreten. Nichts, auch keine Richtlinien könne diese Bestimmung Gottes tilgen oder auch nur wegdeuteln. Des näheren erklärte Referent die Stelle unserer heiligen Thora: „ein Sabbat sei es dem Ewigen in a l l e n euren Wohnsitzen". Also nicht nur in den galizischen Kleinstädten oder in den Wohnungen Palästinas müsse der Sabbat geheiligt werden, nein, auch in den westeuropäischen Großstädten wolle der Sabbat zu seinem Rechte gelangen. In einem feurigen Apell forderte Herr Weil, indem er nochmals auf die Wichtigkeit der Sabbatheiligung hinwies, die Anwesenden auf, dem Verein beizutreten und die fünf kurzen Worte, die der Schaumre Schabbos-Verein in die jüdische Oeffentlichkeit Hinausrust, sorhaur es jann> hasoliabbos lekadsehau, auf allen Lebenswegen zu beherzigen. Der in Form und Inhalt ebenso schöne wie gedankenreiche Vortrag fand bei dem zahlreich erschienenen Publikum stürmischen Beifall. Karlsruhe i. B. In einer vom hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur in den großen Rathaussaal am vergangenen Montag Abend einberufenen Versammlung sprach Herr Rechtsanwalt Dr. W a s s e r m a n n aus München über das Thema: „BestehtfürdiedeutschenJuden eine Entvölkerungsgefah r?" Rach einem historischen Rückblick, in dem er darauf hinwies, daß die Bevölkerungspolitik der Bibel „Seid fruchtbar und mehret Euch" auch noch die eines Friedrich des Großen war, führt er u. a. etwa folgendes aus. Wo sich Juden in gedrückten Verhältnissen befinden, wie z. B. in Rußland, Galizien, Rumänien, treffen wir hohe Geburtenziffern an. Anders in Deutschland. Hier finden wir bis ins zweite Drittel des 19. Jahrhunderts eine nicht unbedeutende Geburtenziffer. Als aber mit Beginn der 70er Jahre eine Abkehr von der strengen Norm des Religionsgesetzes „Seid fruchtbar und mehret Euch" eintrat, finden wir ein rapides Sinken der Geburtenziffern. Zur Beleuchtung führt Redner Beispiele aus drei Bundesstaaten, in denen allein 480 000 Juden wohnen und somit der gesamten deutschen Juden ausmachen, an. Was für Ah, gilt, gilt für die Allgemeinheit. Nämlich Preußen, Bayern und Hessen. In diesen Staaten kamen im Durchschnitt der Jahre 1876/80 auf 1000 jüdische Personen 31 Geburten, Geburtenüberschuß 13,8%; im Durchschnitt der Jahre 1901/10 auf 1000 nur 17 Geburten, Ueberschuß 3,8 %. Das will besagen, daß prozentual die Geburtenziffer innerhalb 30 Jahren fast uni die Hälfte gefallen ist. In Bayern waren im Durchschnitt der Jahre 1876/80 1650 jüdische Geburten zu verzeichnen; in den Jahren 1906/10 nur 883. Gerade in Bayern merkt man diesen Rückgang deutlich und zwar an dem Eingehen vieler jüdischen Volksschulen. Aber nicht allein die Geburten, auch die Taufen und Mischehen müssen berücksichtigt werden. So verzeichnet die Statistik — und diese gibt im großen und ganzen ein zutreffendes Bild — in Preußen im Jahre 1909 740 Mischehen, an denen Juden beteiligt sind, in Deutschland im Jahre 1910 bei 3880 jüdischen Ehen 1000 Mischehen. Hält man sich nun vor Augen, daß heute schon kein Ueberschuß mehr vorhanden ist, weiter, daß die Zahl der Mischehen 12 % aller Heiraten betragen, so wird man sich der Tatsache nicht verschließen können, daß eine Entvölkerungsgefahr besteht. Die Gefahr besteht allerdings nur theoretisch, und das ist aber einzig und allein auf die starke Einwanderung zurückzuführen. Diese Erkenntnis nötige uns, so führt Redner weiter aus, zu einer bestimmten Stellungnahme gegenüber dem Problem der ausländischen Juden. Welcher Standpunkt der richtige sei, das sei nicht seine Ausgabe hier darzulegen. Reicher Beifall folgte den Ausführungen des Redners. E. ben J. Mannheim. Der Verein zur Unterstützung ortsfremder israelitischer Armen, kurz Passantenkasse genannt, war im vergangenen Jahre in der Lage, für Unterstützungen Ji 5400 auszugeben. Nach den Ermittlungen war die Zahl der namentlich aus der Ferne Kommenden merklich geringer, an der Kasse wurden über 100 Arme weniger unterstützt als im Vorjahre, auch schriftliche und persönliche Gesuche sind über 40 weniger verbeschieden worden. Leider hat die Mitgliederzahl im vergangenen Jahre etwas abgenommen: diese so segensreiche Institution zählte nur 463 Mitglieder; doch sind die Unterstützungen von seiten hochherziger Gönner in erfreulichem Maße in Höhe von Jt 1200 eingegangen, darunter eine Zuweisung von <41 400 von der jüdischen Gemeinde. Es dürfte vielleicht intesfieren, daß unter den Unterstützten 419 Bewerber aus Oesterreich-Ungarn und den Donauländern und 285 aus Rußland waren. Der Verein sorgt auch für die rituelle Verpflegung der jüdischen Gefangenen über Pesach. Schweiz. Basel. Schweizerisches Israel. Waisenhaus. Der soeben herausgekommene Jahresbericht für 1912 bezeichnet die finanzielle Lage als befriedigend. Die Anstalt, die 1903 mit einem Kostenaufwand von 110 000 Fr. errichtet wurde, verdankt ihr Entstehen der Initiative des seligen Präsidenten der Baseler Gemeinde, Dreyfus-Neumann. Sie war die erste Wohltätigkeitsanstalt für die Gesamtheit der Israeliten der Schweiz und hat in den 10 Jahren ihres Bestehens sich allgemeiner Sympathie erfreut. Die Jahresbeiträge stiegen von 7633 Fr. in 1911 aus 12 942 in 1912, die Spenden von 7768 in 1903 auf 7989 in 1912, die Mitgliederzahl von 429 in 1904 auf 521 in 1912. Seit Bestehen der Anstalt haben 38 Zöglinge beiderlei Geschlechts Aufnahme gefunden; zurzeit befinden sich darin 10 Knaben und 5 Mädchen. Es will nicht recht gelingen, die Zöglinge einem Handwerke zuzuführen, sie haben dazu wenig Neigung, auch besteht ein Mangel an jüdischen Handwerksmeistern. Das Fortkomnien der Zöglinge liegt der Verwaltung sehr am Herzen. Der Legatenfonds beträgt 32 0§0 Fr., das Effektenkonto blieb unverändert auf 41 250 Fr. Der Betrieb erforderte 19 240,97 Fr. gegen 21 004,98 Fr. in 1911. Die Vermögenszunahme in 1912 beträgt 5085,52 Fr. Luzern. Am 7. April, Erew Rosch Hodesch Nisan, fuhr der weit über seine Heimat hinaus bekannte und hochverehrte Rabbiner Abraham Mordechai Alter von Gora-Kalwaria (Galizien), genannt Gerrer-Rebbe i;, mit seinem, aus

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