Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 16/17 (18.4.1913)
- Date
- 1913-04-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das jüdische Blatt. Nr. 1 Hj 17. tarn, dieser verkörperten Naivität, nie recht klug geworden. Das Bildlein besagt gar nicht. Seiner Stellung nach (vgl. Winkelmann, Oberbeck, Lessing und alle Kunstsachverständige) will er vom dummen Jungen nichts wissen und schielt ein bißchen nach seinem Nachbar, dem bösen Buben. Er sieht nebbich hungrig aus, jener aber ist gewappnet, als ob er zu einem Weltfriedenskongreß ginge. Na, nun genug von dieser erdrückenden Gelehrsamkeit. Zum Schluß noch eine Frage. Der Kluge ist als erwachsener Mann gemalt und — ohne Schuhwerk. Heutzutage, da es nur kluge Kinder und so viel Erkältungen gibt?? Hm, ich verstehe die alten Bilder nicht mehr. Aber ich verzichte auf jede „Erklärung". Na, ich wünsche Ihnen einen vergnügten Jontof (auf deutsch Feier- I tag), vielleicht besinnen Sie sich auf des Rätsels Lösung und teilen selbige mit Ihrem Rosch Hakohol. -^ - Zur Verköstigung jüdischer Soldaten am Pesachfeste. Man schreibt uns: Ich weih nicht, ob in diesen Blättern schon in diesem Jahre auf die große Pflicht hingewiesen worden ist, die darin besteht, daß in den Garnisonstädten den jüdischen Soldaten während des Pesachfestes rituelle Kost verabreicht werde. In keinem Falle dürfte es etwas schaden, wenn dies wiederholt hierdurch geschieht. In früheren, noch nicht allzufrühen Zeiten, speiste man die Leute im eigenen Hause, erfüllend das schöne Wort der Schrift, daß diejenigen, die dessen bedürfen, „Deine Hausgenossen sein mögen". Heutzutage rümpft man vielfach die Nase über eine derartige Wohltätigkeit. Man will den Kasernenparfüm nicht im Hause haben, auch soll der gute Teppich von den festen Stiefeln der Herren Musketiere nicht zerstampft werden. Die Wohnverhältnisse in der Großstadt sind ja vielfach nicht derart,H^daß viel Gäste bewirtet werden können. Deshalb entledigt man sich lieber seiner Pflicht, indem man einen Wohltätigkeitsbazar besucht, wo man ja auch nebenbei mit Geheimrats und Kommerzienrats verkehren darf. Aber wenn die schönen alten Sitten leider auch immer mehr im Schwinden begriffen sind, so entbindet uns dies doch nicht davon, die Heerespflichtigen wenigstens an der Stelle ihrer Dienstausübungen mit Pesachkost zu versehen, da diese Leute sonst häufig einem schweren Gewissenszwang unterworfen sind. In einigen Garnisonen wird, so viel uns bekannt, ja genügend in dieser Beziehung getan, so in Kiel, in Metz, in Wilhelmshaven, wo durch die Hochherzigheit und das eifrige Bemühen eines bekannten Frankfurter Philantropen den Soldaten die rituelle Betätigung des hohen Festes ermöglicht wird. Aber in gar vielen anderen Festungen und Garnisonstädten geschieht, wie wir bestimmt wissen, in dieser Beziehung gar nichts, und wenn diese Zeilen dazu beitragen, daß dieses Liebeswerk allenthalben künftighin unternommen wird, so haben sie ihren Zweck erreicht. Anm. der Red.: Auch in Straßburg wird durch die Gemeindeverwaltung für die Beköstigung der Soldaten gesorgt. Aus aller Well. Deutschland. Berlin. Im Aufträge des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina reist der Direktor dieses Instituts, Herr Dr. A. Finkelstein, am 15. April nach Haifa, um dort an Ort und Stelle die nötigen Vorbereitungen zu treffen für die Fortführung der Bauten und für die etwa in einem Jahre zu erwartende Eröffnung des Instituts. Berlin. Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Im Lehrervereinshause tagte heute die Generalversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Tagung war von Delegierten aus allen Teilen des Reiches zahlreich beschickt. Professor Dr. Falkenheim (Königsberg) wandte sich in längerer Rede gegen den Zionismus, den zu bekämpfen der Zentralverein als die Vereinigung aller religiösen Richtungen verpflichtet sei. Justizrat Dr. Eugen Fuchs führte ip gleichem Sinne aus, die deutschen Juden fühlen sich als volle deutsche Staatsbürger und unterscheiden sich von den anderen Mitbürgern nur durch ihre Religion. Der Zentralverein sehe seine Hauptaufgabe in der Erziehung der Juden zu Kämpfern für die volle Gleichberechtigung. Es müsse erreicht werden, daß alle Juden sich mit Stolz als Deutsche bekennen und daß sie ihrer Religion wegen nicht zurückgestoßen werden können. Der Redner ersuchte um Annahme einer Erklärung, in der u. a. gesagt wird: „Wir verlangen von unfern Mitgliedern nicht bloß die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten, sondern deutsche Gesinnung und die Betätigung dieser Gesinnung im bürgerlichen Leben. Wir wollen die deutsche Judenfrage nicht international lösen. Auf dem Boden des deutschen Vaterlandes wollen wir als Deutsche an deutscher Kultur Mitarbeiten und unserer Religion und unserer geschichtlich geheiligten Gemeinschaft treu bleiben. Soweit der deutsche Zionismus danach strebt, den entrechteten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen oder den Stolz des Juden auf seine Geschichte und seine Religion zu heben, ist er uns gewiß willkommen. Von dem Zionismus aber, der ein deutsches Nationalgefühl leugnet, sich als Gast des fremden Wirtsvolks und national nur als Jude fühlt, müssen wir uns trennen." Nach längerer und lebhafter Debatte wurde die Erklärung einstimmig angenommen. Hierauf erstattete der Syndikus des Zentralvereins Rechtsanwalt Dr. Holländer (Berlin) den Tätigkeitsbericht und ermahnte zu eifriger organisatorischer Arbeit, um den noch immer nicht verschwundenen Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen. Rabbiner Dr. Werner (München) nahm die Sitte des Schächtens gegen den Vorwurf der Tierquälerei in Schutz. — Es folgten hierauf Satzungsänderungen, Vorstandswahlen und mehrere innere Angelegenheiten. hilfsverein der deutschen Juden. Berlin. Am 13. April fand in Berlin die Tagung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt. Den Jahresbericht erstattete Dr. James Simon. Er wies dabei darauf hin, daß an Mitgliederbeiträgen von den 26 000 Mitgliedern im letzten Jahre 170 000 di eingegangen feien. Die außerordentlichen Einnahmen betrugen 970 000 dl, so daß sich die Gesamteinnahmen auf l'A Millionen Mark beliefen. Der Verein „Selbsthilfe" in Galizien, durch den ein Regenerationswerk der Judenheit in Galizien unter Mitwirkung der berufenen Humanitären Gesellschaften des Auslands, auch des Hilfsvereins, in die Wege geleitet werden sollte, ist infolge der Schwierigkeit des Zusammenschlusses verschiedenartiger jüdischer Elemente in Galizien und Hemmungen politischer und wirtschaftlicher Natur noch nicht in Aktion getreten. Die größte Summe der Einnahmen wurde wieder ausgegeben für das Schulwesen. Der Hilfsverein unterhält und