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Das jüdische Blatt · 1913-04-11 · 15 (11.4.1913) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das jüdische Klatt. Nr 15. Selbst wenn der Herr Dr. Friedberg hier seine patriotische Ueberzeugung hier zum besten gäbe, würden wir es ertragen. Aber selbst in Kriegerveinen habe ich noch nie eine Rede gehört, die so voll Ueberspannung war, so voll von Uebertreibung. Selbst die „Kreuzzeitnng" hat ihn dafür gelobt, die kurz vorher noch von der jüdischen Grundstücksspekulation, von Wucher usw., von der Vergiftung des Volkslebens durch jüdischen Einfluß geleitartikelt hatte! Um es kurz zusammenzufassen (Bravo! rechts) — von einem Staate, welcher mich und meine Glaubensgenossen unseres Glaubens wegen als minderwertig ansieht, suche ich nicht Geldmittel zu erhalten; da wäre ich zu stolz, einen solchen Antrag zu stellen; oder wenn es mir ohne mein Zutun geboten würde, so würde ich das Geld mit Entrüstung als Almosen ablehnen. Die jüdischen Synagogen leisten Großes in der Unterstützung ihrer armen Glaubensgenossen; mögen die großen und reichen Gemeinden den ärmeren so viel abgeben, daß sie die Bettelei nicht brauchen! Reiche Juden brauchen nur die Hälfte der Gelder für ihre Gemeinden auszahlen, die sie für Kommerzienratstitel, für evangelische Kirchen (z. B. die Kaiser- W i l h e l m - G e d ä ch t n i s k i r ch e mit der Kamelinschrift) geben, die „T. d. W."-Kirche (Taufhaus des Westens) und dergleichen, in der sich die Juden mit Vorliebe taufen lassen: Leise zieht durch mein Gemüt Stiller Gottesfrieden, Oben sitzt die Fürstin Wied, Unten lauter Jüden! (Schallendes Gelächter.) Dem Kampf der Sozialdemokratie gegen den Antisemitismus verdanke ich einen ersten Erfolg; aber gegen das rückgratlose Judentum habe ich allerdings etwas, und ich werde es ehrlich bekämpfen. Wichtige Entschließung. Berlin. Am 5. März d. I. hatte der Herr Minister für geistliche und Unterrichtsangelegenheiten zu Berlin an die Provinzial-Schulkollegien zur Mitteilung an die Anstaltsdirektoren verfügt, daß bei den schriftlichen Examensarbeiten diejenigen jüdischen Schüler, welche während ihrer Schulzeit am Sonnabend und den Festtagen nicht geschrieben haben, auch beim Examen zur Verletzung ihrer religiösen Verpflichtungen nicht gezwutlgen werden sollen, sondern daß die Arbeit an einem anderen Tage geschrieben werden soll. Wo dies aber nicht tunlich, soll der betreffende Schiller ebenso behandelt werden wie ein Schüler, der infolge plötzlicher Erkrankung die Arbeit nicht mitschreiben konnte. Jedenfalls aber wünscht der Erlaß des Ministers, daß die jüdischen Schüler durch das Nichtschreiben am Sonnabend vor Verlust eines halben Jahres geschützt seien. Vurghaslach. Gestern fand hier eine öffentliche Verfamm- IlNlg statt zwecks Aussprache über die Frage des Beitritts 311 der für Bayern geplanten Arbeiterkolonie. Als Vertreter für diese sprach Herr Lehrer Wormser in Uehlfeld. Es wurde versichert, daß die Kolonie koscher geführt werden und am nicht gearbeitet werden solle. Trotzdem fand sich inerkwürdigerweise Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf die Orthodoxen, wodurch bei keinem vernünftig Denkenden die Sympathien für das Projekt gesteigert werden dürften. Einen Beschluß hat die Gemeinde noch nicht gefaßt. Entsprechend dem bisher bei jeder Gelegenheit rühmlichst bewiesenen regen Sinn für die Förderung aller wahrhaft wohltätigen Werke, wären die Mitglieder wohl bereit, die Kolonie 31* unterstützen, falls humane Behandlung, Kaschrus und Sabbat garantiert werden, und ihre Einrichtung nicht mit der Zentralisation des sog. Wanderarmenwesens verquickt wird. Denn ihr „jüdisches Herz" wosten sie sich und ihren Kindern bewahren und die persönliche Erfüllung des Gottesgebotes des Zedokogebens sich nicht nehmen lassen, solange nicht nachgewiesen wird, daß auf andere Weise die Armen besser versorgt sind. (Vgl. die Ausfiihrungen des Herrn Senator Fischer auf der jüngsten Tagung, Jüd. Blatt Nr. 13.) Zweifel- I los ist dies auch der Standpunkt der andern mittelfränkischen j Landgemeinden, die jetzt zum Worte kommen sollen. Ihr gesunder Sinn wird sie davor bewahren, dem vielleicht Guten — das Bessere zu opfern. Uom Balkan. Ein tapferer jüdischer Soldat. Im Züricher Wochenblatt lesen wir: Die bulgarische Armee inußte im schnellsten Marschtempo von Küstendil aus nach dem Süden, gegen Saloniki, vorrücken. Als sie an den Defide K r e s n a kam, stieß sie auf die türkische Macht und es entwickelte sich ein lebhaftes Gefecht, bei dem es auf beiden Seiten zahlreiche Tote und Verwundete gab. Die Türken mußten weichen und zogen sich weiter nach Süden zurück, ließen aber eine Kanone auf dem Platz, um eine bulgarische Abteilung aufzuhalten. Das Geschütz war nicht weit, aber so gut plaziert, daß es zahlreiche Opfer fordern konnte. Dieser gefährliche Teufel mußte beseitigt werden, um den Weg frei zu bekommen. Die bulgarische Artillerie beschoß die türkische Kanone, aber ohne Erfolg. Unter den Artilleristen befand sich auch der Soldat Mischon Aronoff. Er ließ seinen Blick nach allen Seiten schweifen („W l e h m e r d i a r 0 t i k 0 n") und nachdem er den richtigen Ort gefunden, bat er seine Kameraden, ihm behilflich zu sein, die Kanone auf eine von ihm bezeichnete Stelle zu bringen. Das Geschütz wurde nach seiner Weisung aufgestellt und dann von Mischon mit größter mathematischer Genauigkeit gerichtet; nun wurde eine Granate geladen und, nachdem Mischon noch einmal geprüft, zog er sich etwas zurück und los ging der Schuß mit kräftigem Donner, direkt in die Mündung des türkischen Geschützes fiel die Granate. Die türkischen Soldaten in der Umgebung des Geschützes waren sofort tot. In seinen mathematischen Berechnungen war Mischon so sicher, daß er nicht einmal das Kommando „Vorwärts" abwartete, sondern seinen Säbel ziehend auf eigene Faust vorwärts stürmte auf die türkische Position; er bestieg die Trümmer der zerstörten Kanone und rief laut: „Hurra! Es lebe Bulgarien!" Seine Kameraden waren hoch begeistert von der Tat Mischons. Von seinem Bataillon dem Generalstab zur Beförderung vorgeschlagen, wurde M i - schon sofort z u m P r e m i e r l e u t n a n t p r 0 in 0 - viert und mit einer Medaille ausgezeichnet. Diese Heldentat wurde bald überall bekannt, und wo Mischon hinkam, wurde er mit warmer Sympathie empfangen. In den neueroberten Ländern, besonders unter der jüdischen Bevölkerung, war Mischon der Held des Tages. M Korrespondenzen. II <2!la - Msa ß-Kotlrringerr. - ßllS Straßburg. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet am Sonntag, den 13. A p r i l, abends halb 9 Uhr, im Festsaale des Grand Hotel „Stadt Paris" (Eingang Blauwolkengasse) eine Versammlung mit der Tagesordnung: 1. Die bisherige Tätigkeit der Ortsgruppe Straßburg (Referent Herr Max Epstein); 2. soziale Probleme der deutschen Juden (Referent Herr Dr. med. L e w y, Freiburg-Güntersthal); 3. freie Aussprache. Colmar. Zwölf Kandidaten waren zum Wettbewerb um die vakante Oberkantorstelle zugelassen worden. In die engere

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