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Das jüdische Blatt · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Das jüdische Statt. 7 Nr. 13. Worten die Gefühle aller Anwesenden kund. Eine solche Stimmung konnte nicht erheuchelt werden. „Boruch ato 1h*- 7.(\seclio" war der allgemeine Wunsch, ein Wunsch der Freude für Dr. Hertz, aber auch des Schmerzes, einen treuen Leiter zu verlieren. „Bonich atoh bewauecho" kann England ausrufen. Unsere Weisen lehren, daß jedes Zeitalter seinen ihm angemessenen Führer erhält. In Dr. Hertz haben wir einen energischen Mann der Tat, der begeistert mit Leib und Seele für unsere Ziele wirkt. Sein Herz gehört seinem Volke und dessen Literatur. Mit unsäglicher Mühe hatte er in Johannisburg Talmud-Thora-Jnstitutionen geschaffen, und auch in New-Pork war es ihm gelungen, die Jugend für die Religion zu eutflammen. Charakteristisch ist seine Hingebung an den unsterblichen Schatz, der uns durch die trüben Jahrhunderte erhalten hat, unsere Literatur. Die wenigen Tage, als er letztes Jahr in Paris seinen Lehrer Dr. Mendes besuchte, verbrachte er bei H. Lippschütz, dem ,,.>la naher 8el'oviin". Das Feld der Tätigkeit hier ist ein immenses. Es gilt ja, gegen die zwei größten Feinde unserer Religion zu kämpfen. In keiner anderen Stadt wie in London ist die „soziale Verschiedenheit" so kraß. Ueberfluh und Luxus im Westen, bitterste Armut im Osten. Einerseits „Jesohuruu, das fette, das abgelenkt Höheres vergißt, andererseits überarbeitete Volksmassen, die ermattet vom schweren Kampf ums Dasein nicht mehr auf „Mangeln*" hören, aus Geisteskürze und schwerer Arbeit". Der Einfluß von Tausenden unserer russischen und polnischen Brüder, die alljährlich sich hieher flüchten, bringt stets neues Material, aber an ihren Kindern, die in den Vätern weltentfremdete, nicht mehr zeitgemäße Ansichten treffen, macht sich der gewaltige Kontrast vom heimischen Ghetto und englischer Freiheit, von Einseitigkeit und Kulturfortschritt traurig fühlbar. Viel ist überhaupt im Erziehungswesen noch nachzuholen. Trotz der vielen Talmud- Tauro und der großen Summen, die das Education Board alljährlich ausgibt, wachsen doch Tausende von Kindern im Osten und Süden Londons heran, ohne auch nur den elementarsten Religionsunterricht zu genießen. Da bedarf es nun eines starken Geistes, der die Reichen erweicht und den Seufzer der leidenden Brüder widerhallen läßt in ihren Palästen, der die Müden mit Hoffnung belebt, nach Kräften die Not mildert, und durch Lehre und Beispiel zeigt, was unsere Tauroh ist und will. „Ks achaj ouauehi awakesch echoh heim rauim" sprach einst unser Ahne Joseph, und der unermüdlichen Tätigkeit unseres neuen Chief-Rabbi in Afrikas heißen Zonen, in New-Pork, der großen Stadt des Jagens und Rennens nach Gewinn, ist es gelungen, die verlorenen Brüder zu sammeln; so möge denn das Chief-Rabbinat, das Dr. Hermann Adler '] zum höchsten Ansehen nach Innen und Außen erhoben, die gewaltige Waffe bilden, mit der Dr. Hertz, unterstützt von allen wahren Freunden des Judentums, den höchsten Triumph erkämpf. „Behapckil Tauroh nlha' diroh." M. L. Rirmiiirieir. Die rumänische Gesandtschaft in London hat auf Befragen dem Jewish Chronicle folgende Antwort betreffs der Rechte gegeben, die in den an Rumänien oon Bulgarien abzutretenden Gebietsteilen wohnenden Juden gewahrt werden sollen: „In Beantwortung Ihres Briefes vom 17. März, teile ich Ihnen ergebenst mit, daß die jüdischen Bewohner der Dabrudscha, die nach dem Krieg voll 1877 mit Rumänien einverleibt worden ist, die gleichen Rechte erhalten haben wie die übrigen Bürger dieser Provinz, mögen es Rumänen, Bulgaren, Türken oder Slaven (Russen) sein. Heute haben alle früheren ottomanischen Bürger dieser Provillz, welcher Nationalität sie auch angehören, die vollen Bürgerrechte der Ruiiläilen. Was die Gegenden betrifft, welche in Zukunft an Rumänien abgetreten werden können, kann ich bestimmt versichern, daß alle Einwohner dieser Gegenden, seien es Juden oder andere Nationen, die vollen bürgerlichen und politischen Rechte genießen werden, die sie heute als Untertanen eines anderen Landes besitzen. Die Juden im Besondern, sei es, die von Siliftra oder die von anderen Orten, die an Rumänien abgetreten werden können, werden in Zukunft die gleichen Rechte haben, die sie früher als bulgarische Uiltertanen hatten. Vielleicht ist es angebracht, Sie zu benachrichtigen, daß die Juden von Constantza (Dobrudscha) gegen die von Dr. Ehrenpreis, dein Oberrabbiner von Bulgarien, geäußerten Besorgnisse protestiert haben, als könnten die bulgarischen Juden, die an Rumänien abgetreten werden könnten, nicht die Rechte von rumänischen Vollbürgern genießen. Ihr ergebener N. M i s ch u, Gesandter Rumäniens. Diese Versicherung des ruinänischen Gesandten ist gewiß mit Befriedigung aufzunehmen. Ob aber in Zukunft die eigentlichen Rumänien von Fremden zu Vollbürgern auszurücken hoffen können, darüber spricht er sich nicht aus. Dam Salkaii. Die Union des Associations Jsraälites hatte durch ihre Delegierten, Dr. Paul Nathan, Elknn Adler und Dr. Bernhard Kahn, die den Balkan bereisten, Vorsorge getroffen, daß nach der Einnahme von Janina, das unter seinen Einwohnern etwa 3500 Juden zählt, den durch die lange Belagerung notleidenden Glaubensgenossen in schnellster Weise die nötige Hilfe gebracht werden kann. Zu diesem Zweck war in Prevesa mit Unterstützung der griechischen Behörden, die König Georg in der Audienz, welche er den Delegierten in Saloniki gewährte, in Aussicht gestellt hatte, ein Lebensmitteldepot errichtet worden, um in möglichst kurzer Zeit Nahrungsnnttel nach Janina schaffen zu können. Sofort nach dem Fall Janinas sind für 10 000 Fr. Mehl und Lebensmittel nach Janina gebracht worden. Korrespondenzen. Elsaß Lothringen. Straßburg. Pensionskasse der Witwen und W a i s e n der Rabbiner und israelitischen Beamten in Elsaß-Lothringen. Der Kassenbericht vom 1. Januar 1912 bis 31. Dezember 1912, datiert von Mülhausen den 1. März 1913, weist einen Vermögensbestand von 53 072 dl auf, und einen Kassenbestand von 3331,10 dl am 31. Dezember 1912. Der Regierungszuschuß beträgt 1000. fl und die Jahresbeiträge der Mitglieder 479 dl. Straßburg. Das Komitee der Armen-Lotterie hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, die aus dem Ertrag derselben herrührenden 4000 dl wie folgt zu verteilen: Israelitische Schulen 400, Hospiz Eliza 400, Wohltätigkeitsverwaltung 1200, Frauenbund 300, Israel. Gewerbeschule 400, Ferienkolonien 400, Israel. Waisenhaus 400, Krankenhaus 300, Bienenstift 200 -tt. Colmar. Der 14jährige Lyzeumsschüler Constant Samuel, Sohn unseres bekannten Mitbürgers Samuel ain6 hat, wie

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