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Das jüdische Blatt · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das jüdische Kiatt. Nr 13. ihnen auf Ansuchen die zrlm Besuche des Morgen gottesdien st es erforderliche Zeit, sowie B e f r e i u n g v o m S ch r e i b e n, Z e i ch n e n und Handarbeitsunte reichte gewährt werden. Im übrigen ist die Schule nicht verpflichtet, bei der Festsetzung des Stundenplans der Hausaufgaben und der Klassenarbeiten aus sie Rücksicht zu nehmen. Die Schüler haben von der Absicht, wegen ihrer kirchlichen Pflichten weg zu bleiben, dem Klassenlehrer rechtzeitig Anzeige zu erstatten." Die Kgl. Ministerialabteilung darf des lebhaftesten Dankes aller gesetzestreuen Israeliten für diese Rücksichtnahme auf ihre religiösen Forderungen sicher sein. Schweix. Basler Korrespondenz. Der Männer-Verein „S ch o m r e Thor a" veranstaltete Sonntag, den 23. März, iin Saale des Schützenhauses seine diesjährige P u r i m f e i e r in der Form eines Kinderfestes. In großer Zahl waren die Kinder der Lereinsmitglieder herbeigeströmt, um eine echt jüdische Purimfeier anzusehen. Musikstücke, Gedichte und Lieder wechselten in bunter Weise ab und machten den jungen Künstlern alle Ehre. Ein Theaterstück, „Purim Thauroh" betitelt, wurde sehr charakteristisch zur Darstellung gebracht und erheiterte Jung und Alt. Die Zöglinge des israelitischen Waisenhauses trugen einige Lieder vor, die großen Beifall ernteten. Der Clou der Darbietungen war ein chinesischer Kinderreigen, der von 12 weiß gekleideten Mädchen mit großer Grazie und bewundernswerter Eleganz aufgeführt wurde. Hierauf wurde den Kleinen Kakao und Kuchen verabreicht. Einige junge Damen hatten es in verdankenswerter Weise übernommen, die Ordnung unter der großen Schar der Kleinen aufrecht zu erhalten und ihre Wünsche zu befriedigen. Zum Schlüsse erhielt jedes Kind ein Andenken an die gelungene Purimfeier. Der Präsident, Herr Charles Nordmann, dankte im Namen der Eltern und Kinder allen die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, besonders aber der Frau Rabbiner Dr. Cohn, die die Seele dieser Veranstaltung war und weder Zeit noch Mühe gescheut, um all die Darbietungen einzuüben. — Der Jünglingsverein „Schomrä Thora" war in coi-]><>ie in das gastliche Haus des Herrn Rabbiner Dr. C o h n zur Purimfeier eingeladen. Bei trefflichem Gerstensafte und anderen Genüssen entwickelte sich recht bald eine animierte Purimstimmung. Masken trugen Lieder vor, Schnitzelbänke geißelten die Zustände des Vereins, eine Bierzeitung berichtete über das Leben in naher und weiter Ferne, und humoristische Darbietungen ergötzten die Zuhörer. Schon rückte die Mitternacht heran, als Herr Emil H e y m a n n der Familie Dr. Cohn den Dank aller Anwesenden für diesen schönen Abend aussprach. A. England. Die Naturalisation ist bekanntlich in England infolge des Zustroms so vieler ausländischer Juden seit langem erschwert. Die Regierung verlangte bisher als Kosten der Naturalisation 5 Pfund und außerdem den Bildnngsnachweis. Beide Bedingungen machten der armen jüdischen Bevölkerung des Ostens von London die Naturalisation fast unmöglich. Die Vertretung der englischen Judenheit, der Board of Deputies, war schon mehrfach, so im Dezember 1911 und im Januar 1912, beim Ministerimn des Innern um Milderung dieser harten Bedingungen eingekommen, aber ohne Erfolg. Diesen Winter wurde der Schritt beim jetzigen Minister des Inneren Malens wiederholt. Dieser gab jedoch im Februar d. Js. den etwas schroffen Bescheid, seine Vorgänger hätten bereits die Frage entschieden, und er sei nicht in der Lage, den gefaßten Beschluß zu ändern. Da geschah etwas Überraschendes. Die offizielle „London Gazette" veröffentlichte plötzlich diese Woche, die Gebühren für die Naturalisation seien von 5 auf 3 Pfund herabgesetzt, und könnten in zwei Raten bezahlt werden. Man glaubte allgemein, der Board os Deputies habe um die Änderung des Regierungsbeschl isfss gewußt. Das Gegenteil war der Fall. Der Präsident des Board of Deputies, Mr. Alexander, ließ auf der Versammlung am Sonntag, 2. März seinen Unmut durchblicken, daß die Verminderung der Naturalisationskosten ohne sein Wissen erfolgt sei. Er glaubte, die Meinungsänderung der Regierung auf deren Furcht zurückführen zu können, die Juden würden in Zukunft nicht mehr liberal stimmen. Aber die nchtige sensationelle Erklärung gab der frühere Abgeordnete Bertram Strauß ab, indem er versicherte, er und einige Mitglieder des jetzigen Parlaments haben ein Komitee gebildet, zu dem auch mehrere nichtjüdische Parlamentsmitglieder gehören, in deren Bezirk jüdische Wählermassen sich befinden. Den Bemühungen dieses Komitees sei der Beschluß der Regierung zu verdanken, und es bestehe auch die Hoffnung, eine Änderung in der Haltung der Regierung in der Angelegenheit der P a ß f r a g e herbeizuführen. Besonders der christliche Vertreter der East-End-Juden, Glyn Jones, der sich von der Not dieser Leute überzeugt habe, habe viel zum Gelingen dieses Schrittes beigetragen. Bei der gleichen Sitzung des Board of Deputies wurde mitgeteilt, die „Jca" habe den Vorschlag gemacht, die bestehenden jüdischen Organisationen zu einem ständigen jüdischen Komitee z u s a mm e n zuschließen: dazu sollen gehören folgende sieben Organisationen: Die „Jca" und die „Alliance" in Paris; die Wiener „Allianz": der „Hilfsverein" in Berlin; das „Hilfskomitee" in Frankfurt a. M.; .das „Amerikanische Jüdische Komitee"; Das „Komitee für ausländische Angelegenheiten" des Board of Deputies und die englisch-jüdische Gesellschaft (englische Allianz), beide in London. Der Antrag, einen Vertreter der russischen Juden und einen Vertreter des Zionistischen Aktionskomitees hinzu zu wählen, fiel durch. London. Zum Amtsantritt des neuen Chief- Rabbi D r. Hertz. Am vergangenen Donnerstag empfingen die Abgesandten der englischen Gemeinden ihren Chief-Rabbi Dr. Joseph Hermann Hertz und Familie in Liverpool und kamen um 6,10 Uhr in Euslon- Station an, von zahlreichem Publikum aus allen Ständen mit herzlichstem Willkomm begrüßt. Dr. Hertz gab in kurzen Worten in einem reservierten Wartesaal seinen Gefühlen Ausdruck, „Horucli ato bewauecho uboruch atoli bezesecho" können wir unserem Ras zurufen. Die Beweise größter Hochachtung und innigster Liebe, die ihm in New- Pork zuteil wurden, beweisen, daß es ihm in der kurzen Zeit von 14 Monaten gelungen war, die Herzen seiner Gemeinde zu erobern. Letzten Schabbos, als Dr. Hertz nochmals die gedrängt stehenden Zuhörer anredete und sie ermahnte, den von ihm gelehrten Idealen treu zu bleiben, war kein Auge tränenleer, und als kleines Zeichen ihrer Liebe und Dankbarkeit überreichte die Orach-Chajim-Gemeinde bei einem Festmahl im Seminare einen Kasten mit silbernen Bestecken, und Revd. Dr. Mendes, der greise Lehrer seines nun zum Führer j der englischen Judenheit ernannten Schülers, gab in innigen

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