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Das jüdische Blatt · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Das jüdische Statt. 5 wird wohl jeder Schächtgegner rückhaltlos anerkennen müssen, | wenn es ihm wirklich nur um die Sache des Tierschutzes, um < eine humane Tötungsart zu tun ist und nicht bloß um eine verwerfliche, judenfeindliche Kampfesweise, der alle Mittel recht sind, auch die Fälschung der Wissenschaft oder fanatische Negation noch so wissenschaftlich gut begründeter Erscheinungen. Den Damen Lydia Gustava Heymann und Anita Augsburg, die sich anmaßten, alle bisher erschienenen schachtgünstigen wissenschaftlichen Gutachten mit einer vornehmen Handbewegung zu ignorieren, die emphatisch verkündeten: „Glaubt nicht der Wissenschaft, gehet nur nach eurem eigenen Frauenempfinden!" — ihnen möchten wir die Lektüre über „das Sterben" dringend empfehlen. Sie werden Nutzen daraus ziehen. Rabbiner Dr. Rosen a k. Frankfurt a. ITC. Aus dein Bureau der Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., wird uns geschrieben: Das preußische Kriegsministerium hat auch dieses Jahr den General-Kommandos und obersten Waffenbehörden die hohen jüdischen Feiertage für das Kalenderjahr 1913 unter Hinweis auf den die Beurlaubung der jüdischen Soldaten allgemein regelnden Erlaß vom Jahre 1911 bekannt gemacht und hiervon auch den Kriegsministerien Bayerns, Sachsens und Württembergs Kenntnis gegeben. Hiernach werden die Herren Rabbiner und Lehrer in Garnisonsorten gut daran tun, sich wegen der Erwirkung von Regimentsbefehlen zur Erreichung ausreichenden Urlaubes oder eventueller Erleichterungen hinsichtlich der Kost rechtzeitig mit den zuständigen militärischen Stellen in Berbindung zu setzen. 6öln. Silbernes Aintsjubiläum. Eine seltene Feier begeht dieses Jahr die Synagogengemeinde Adaß Jefchurun (St. Apernstraße). Mitte Oktober werden es 25 Jahre, daß ihr Lehrer und Kantor, Herr Seminarlehrer Elias Gut, seines wichtigen Amtes waltet. Vor einem Vierteljahrhundert trat Herr Gut aus dem hiesigen jüdischen Lehrerseminar aus und kam sofort aus Empfehlung des damaligen Seminardirektors Dr. Plato in den Dienst genannter Gemeinde, der er bis zum heutigen Tage treu geblieben ist, so daß er der Dienstälteste der hiesigen jüdischen Lehrer ist. Nach bestandener Rektorprüfung wurde er auch an seiner nlum Hinter als Seminarlehrer für Deutsch und Geschichte angestellt, und seine Vorgesetzten haben anerkannt, wie er die werdenden jüdischen Lehrer für die Schönheiten der deutschen Literatur und den Entwicklungsgang unseres Vaterlandes begeistert. Da er auch in der Jugendpflege für Hebung des religiösen und patriotischen Sinnes der Heranwachsenden Generation mit bestem Erfolg tätig ist, wird von den zahlreichen Schülern und Verehrern des Jubilars eine öffentliche Feier geplant. Ansbach. Wir haben die Erklärung der Elfer ohne jeden Kommentar in voriger Nummer gebracht, weil wir es der Objektivität schuldig zu sein glaubten. Es ist ja auch im Grunde genommen wenig, herzlich wenig dazu zu sagen. Wenn man auf dem Standpunkte steht — und die Herren Unterzeichner bekennen sich ja dazu —, daß die Orthodoxie lediglich eine Partei ist, daß also im Judentum jede Anschauung Platz hat, daß der Sonntagstempel in der Johannesstraße in Berlin dasselbe Judentum repräsentiert wie jede andere Gebetsstätte — denn es ist ja alles bloß Parteinuance, nicht wahr, meine Herren —, daß das herostratische Herumtrampeln auf dem Sabbat dieselbe religiöse Innigkeit bedeutet, wie die Opfer, welche die Orthodoxie diesem Tage gerne bringt — es ist ja alles nur Parteinuance, nicht wahr, meine Herren —, daß die glatte Leugnung der Offenbarung ebenso Judentum ist, wie der Glaube an die Verbalinspiration — es ist ja alles nur Parteinuance, nicht wahr, meine Herren —, wenn man diesen Standpunkt hat, dann, ja dann haben die Herren wirklich vollkommen recht. Was sollen dann überhaupt die Kämpfe im Judentum? Wenn die „Größen" unserer Zeit dieselbe innere Autorität haben, wie jene Größen, welche den Orgelritus als unjüdisch verboten haben, und mit rührender Einfachheit konstatieren, daß alles nur Parteigetriebe ist, dann lohnt es sich wirklich nicht, diesen modernen Größen entgegenzutreten. Wir rnöchten nur ganz bescheiden fragen. Sind für diese Größen die getauften Juden nicht auch blbß eine Parteirichtung, falls sie beispielsweise den Sabbat hielten, jüdische Institutionen unterstützen, wo sie nur können, für die „konservativen" Interessen eintreten? Aber schuld sind die Orthodoxen, welche mit Proportionalwahl und Majoritäten im Verhältnis zu Minoritäten und anderen Dingen spielen, welche theoretisch sich preisgeben, um materiellen Gewinn zu erzielen. Wir wollen sehen, was sie auf dieses famose Wort der „Parteirichtung" zu erwidern haben. Nach dieser Voraussetzung ist von der Erklärung wenig mehr zu sagen. Also die dreizehn Herren haben sich „unterfangen". Na, so was. Wirklich? Sie haben also falsch gepaskent? Die Elf sollten Nachweisen müssen, daß die Erklärung der Dreizehn gegen das Religionsgesetz war. Aber freilich, es war immer ein „Unterfangen", gegen die Reform aufzutreten. Das haben Holdheim und Genossen auch schon gesagt. Und der selige Dr. Hildesheimer s. A. und seine Gefährten haben sich, im Jahre 1869 auch „unterfangen", gegen die radikalen „Rabbiner" aufzutreterr. Diese Beispiele ließen sich beliebig vernrehren. Aber wozu denn? Um das Religionsgesetz zu retten? Ist ja nur Parteisache. Und wirklich? Wirklich, die böse Parteirichtung der Orthodoxie hat Spaltung hineingetragen? Alles schon dagewesen: das hat König Achab schon zum Propheten Elia H gesagt, sogar viel kürzer und prägnanter. Doch nun heraus mit eurem Flederwisch! Wir bitten um Mitteilung der Widersprüche und Unrichtigkeiten. Würzburg. Der Ausschuß des Vereins für die Interessen des gesetzestreuen Judentums in Bayern hielt am 9. März eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Revisionsfrage. An einen Bericht über die Audienz bei Sr. Exz. dem Kultusminister, der die Revision bekanntlich für 1915 in Aussicht gestellt hat knüpfte sich ein Gedankenaustausch über wichtige Einzelfragen des Revisionsentwurfes, die zur weiteren Behandlung der Revisionskommission überwiesen wurden. Als zweiter Punkt der Tagesordnung wurden die eingelaufenen Unterstützungsgesuche erledigt. Es ist erfreulich, daß 600 Jl zur Verteilung an Gemeinden und Beamte bewilligt werden konnten. Schließlich wurden Maßnahmen zum Ausbau des Vereins beschlossen. Stuttgart. Das „Staatsblatt des K. Württ. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens" vorn 7. März 1913 enthält eine Bekanntmachung der Ministerialabteilung für die höheren Schulen betr. Ferienordnung für die höheren Schulen. Dieser entnehmen wir folgende für die israelitischen Schüler hochbedeutsame Stelle. (Seite 15): „Die israelitischen Schüler können am Neujahrsfest zwei Tage, am Versöhnungsfest 1 Tag, am Laubhüttensest 2 Tage, am Beschlußfeste 2 Tage, am Osterfeste die 2 ersten und die 2 letzten Tage und am Pfingstfeste 2 Tage dem Unterrichte fern bleiben. An den gewöhnlichen Samstagen sind sie zum Besuch der Schule verpflichtet; doch muß l) Vgl. Könige T, XVIII.. 17.

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