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Das jüdische Blatt · 1913-03-28 · 13 (28.3.1913) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
13 (28.3.1913)
Date
1913-03-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13. Das jüdische Statt 3 2. den einzelneil Konfessionen wird dos Recht zuerkmmt, etwaige über die Stoatsleistungen hinousgehende Kultusbedürfnisse auf dem Wege kirchlicher Umlagen zu decken. Es würden also Staatsdotationen, die, wie aus den Verhandlungen hervorgeht, über den Wert des jetzigen Staatsbeitrags nicht mehr hinausgehen sollen, an die Stelle der bisherigen, den Bedürfnissen anzupassenden, Staatsleistungen treten. Es ist nun von vornherein klar, daß eine Minderheit, wie wir es sind, viel intensiver von einer solch' einschneidenden Aenderung betroffen würde als die beiden anderen Kulte, und daß ein Gesetz, das die „Kopfzahl" zum leitenden Prinzip erhebt, auf Gerechtigkeit kleinen Minoritäten gegenüber verzichten muß. Die bisherige Verteilung des Kultusetats war nach einer Zusammenstellung der „Straßb. Post" vom 11. März folgende: Von einem Gesamtetat des Kultus von Jt 5 110 773 im Jahre 1912 erhielten: a) die Katholiken .di 3 537 610 1>) die Protestanten (einschl. ihrer Einkünfte aus nichtsäkularisierten Kirchengütern) . . . . „ 1 372 813 c) die Israeliten zufolge Gesetz vom 8. Februar 1831 .. 200 350 Nehmen wir nun die Ergebnisse der letzten Volkszählung als Grundlage einer Verteilung im Sinne obiger Resolution an, so ergibt sich: Auf eine Zivilbevölkerung von a) 1 391 181 (77,9%) Katholiken käme eine Dotation von J( 3 981 000 (also etwa 443 000 Ji mehr als bisher); b) 363 587 (20,3%) Protestanten käme eine Dotation von Jl 1 038 000 (also etwa 335 000 dt w e n i g e r als bisher): e) 30 183 (1,8%) Israeliten käme eine Dotation von di 92 000 also etwa 108 000 M weniger als bisher). (In dieser Berechnung sind 37 162 katholische, 44 687 Protestantische und 300 israelitische Militärpersonen außer acht gelassen; ebenso sind dabei unerwähnt 30 483 sonstige Christen und 3 046 Bekenner anderer Religionen: kämen diese bei der Verteilung in Betracht, so würde sich das Ergebnis für die Israeliten noch wesentlich ungünstiger gestalten.) Wir sehen jedenfalls daraus, wie verhängnisvoll eine solche Gesetzesänderung für unseren Kultusetat werden müßte. Weit über die Hälfte des bisherigen Staatsbeitrags zu unserem Kultus würde gestrichen werden. Das heißt, bloß um den jetzigen Zustand aufrecht zu erhalten, müßten mindestens 10 Steuerzuschläge erhoben werden! Dabei sind die Gehälter der Rabbiner und Kantoren jetzt schon aufbesserungsbedürftig: viele kleinere Gemeinden warten auf höhere Zuschüsse oder gar auf gänzliche Besoldung ihrer Kantoren; und es ist eine bekannte Tatsache, daß wir Israeliten schon viel höhere private Kultussteuern bezahlen als die anderen Kulte. Allerdings! Wir genießen heute das Begünstigungsrecht der Minoritäten, aber muß nicht jede weise Gesetzgebung ein solches anerkennen, wenn nicht aus dem summmn jus die summa injuria werden soll! Wir haben das feste Zutrauen zu Kammer und Regierung, daß sie da einen Ausweg finden will und finden wird, der unseren Kultus vor einer nie wieder gut zu machenden Erschütterung bewahrt. Gerade die Mehrheitspartei unseres Parlaments — das Zentrum — bringt ja religiösen Fragen und Bestrebungen so warmes Interesse entgegen und hat schon oft unsere und anderer Minoritäten Rechte so energisch verteidigt, daß wir es nicht glauben können, es werde au pleine connaissance de cause die Hand bieten zu so harter Erschwerung der Existenzmöglicheit einer religiösen Minderheit. ,7. 77. Brief eines Landjude» über die Anskänderfrage. An die verehrt. Redaktion des „Das Jüd. Blatt"! Haben Sie auch von folgendem Schreiben Kenntnis? Berlin, den 6. Dez. 1912. N. 24 Oranienburgerstr. N. 29. Vorstand d. jüd. Gemeinde. Tagebuch-Nr. (Es wird ersucht, vorstehende Tagebuch-Nr. bei Beantwortung dieses Schreibens anzugeben.) Vertraulich! Zur Feststellung der Verhältnisse ausländischer, im Deutschen Reiche wohnender Juden, bitten wir den geehrten Vorstand ergebenst, umseitigen Fragebogen uns gefl. ausgefüllt — möglichst binnen 4 Wochen — wieder zugehen zu lassen. Im voraus sprechen wir unfern verbindlichsten Dank aus mit der Bitte, die Angelegenheit vertraulich zu behandeln. den Vorstand der jüd. Gemeinde zu XYZ. Fragebogen! Jüdische Gemeinde zu. Zahl der dort ansässigen ausländischen Juden Kopfzahl. Familien . . . irrt letzten Etatsjahre. Davon wurden unterstützt: von der Gemeinde selbst Österreich, Galizien Ungarn Sonstige Bemerkungen: Datum: Unterschrift: Nun frage ich unwissender Landsjud: Was geht die jüdische Gemeinde in Berlin an, wieviel solcher ausländischer Juden in anderen Gemeinden, besonders in Südwestdeutschland sind? Will sie denselben vielleicht ein Religionsbuch über die Richtli tri e n zuschicken? Hat denn Ihr Rosch Hakohol nicht auch ein solches Schreiben bekommen? Wenn ja, dann wundere ich mich, daß er darüber so schweigt; oder sollte er mit statistischen Angaben nicht umzugehen wissen? Ich weiß es auch nicht. Aber wissen möchte ich doch, was den hochmögenden Vorstand der Residenz- und Hauptstadt Berlin dazu veranlaßt. — Wenn S i e darauf keine Antwort missen, dann auch nicht Ihr unwissender Landsjud (kein Rosch Hakohol).

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