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Das jüdische Blatt · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische glatt Nr. 12. Mirjam trat dicht an ihn heran und faßte ihn beim Arme, „ich will Dir helfen, Jonathan", sagte sie. Hätte der Donner zu den Füßen Jonathans eingeschlagen, er wäre nicht entsetzlicher zurückgefahren. „Mutter, Du hier!?" „Ja, um Dich von hier fortzubringen oder mit Dir umzukommen, wenn Du mit mir nicht gehen willst", erwiderte das Weib einfach und fest. Was war zu tun? Er faßte sie in die Arme, machte sich Bahn durch die Menge und brachte sie glücklich wieder aus dem Dorfe, wo er sie niederließ. „Wenn Du glaubst, mich wieder zu verlassen, so irrst Du", sagte Mirjam. „Ich folge Dir, wie Dein Schatten. Dir steht alles höher als Deine Mutter, jede, auch die kleinste Pflicht. Deine Mutter hat aber das Unglück, in dir ihre ganze Welt zu sehen, ihr einziges und höchstes Glück, so mußt Du schon entschuldigen, wenn sie Dich nicht so leicht verlieren will, wie Du Dich ihr entreißest." Dieser Vorwurf traf bis ins Herz. Er fühlte, daß dieser Opferfähigkeit und der gerechten Bitterkeit, die über ihre Lippen strömte, keine Entschuldigung entgegen zu setzen war. Er faßte nur ihren Arm und schlug die Richtung nach dem Walde ein. „Gehen wir lieber nach dem Hügel zurück. Mich deucht, es wird dort jemand Deine Hilfe beanspruchen. Das arme Mädchen kann den Tod davontragen. Rahel rannte mir nach, ich sah sie stürzen und sich nicht wieder erheben. Ich war noch glücklicher als sie, denn ich konnte Dir frei folgen, sie nicht. Sie kennt die Pflichten eines Kindes und blieb bei der Mutter." Sie sprach das einfach und ohne Bitterkeit und doch ergriff es des Sohnes Herz tief; dies einfache, schlichte Weib erschien ihm in ihrer Seele so groß, daß er ehrfürchtig sein Haupt vor ihr beugte. Er mußte so handeln, wie er gehandelt hatte, er wußte es, und doch, wieviel hatte er ihr abzubitten? Ein ganzes Leben voll Freude war nicht genug, die Angst und Schmerzen zu vergüten, die er ihr seit seiner Ankunft verursacht. Eines tröstete ihn, daß er selbst während dieser Zeit viel gelitten, so viel, daß es selbst ihre Schmerzen überwog. Als sie zum Hügel kamen, fanden sie Rahel noch auf derselben Stelle. Ein breiter Blutstrom färbte den Boden, auf dem ihr Gesicht lag; es war ihr offenbar ein Blutgefäß gesprungen. Lea und Terke waren um sie beschäftigt, doch die beiden zu schwach, um sie in die Hütte zu bringen. Der Doktor faßte sie in die Arme, lehnte ihr Gesicht an seine Brust und trug sie, wie ein Kind, in die Hütte zurück. Acht Tage waren vergangen, Rahel war, wenn auch nicht genesen, so doch der Gefahr entrückt. Die aufopfernde Liebe, die sie von allen Seiten umgab, hatte ihr teures Leben dem Tode mit Gewalt entrissen. Terke's heilsame Kreuzer und des Doktors außerordentliche Anstrengung hatten das Wesentlichste beigetragen. In den letzten Ereignissen hatten jedoch zwei Personen, die wir kennen, ihr Leben eingebüßt: der Richter und Samuel. Samuel war in dem Hause, in das er gestürzt war, um die Papiere und Wertsachen zu retten, von einem niederstürzenden brennenden Balken getötet worden. Er fiel als ein Opfer seiner Liebe und Treue. Armes, großes und edles Herz! Stiller Märtyrer, dessen Leiden niemand kannte, niemand ahnte, du stehst hoch, j in deiner schlichten Selbstlosigkeit, in deiner wahrhaft erhabenen Selbstverleugnung. Du gleichst den Blüten, die still und harmlos ihren erquickenden Dust verbreiten, wie ein großer Dichter sagt, und die, wenn sie das nicht mehr zu geben haben, sterbend sich von dem Zweige loslösen, um der Frucht Platz zu machen. — Selten opfert sich in solchen Lagen des Lebens ein Herz für das andere und wenn dieser seltene Fall je geschieht, so weiß wenigstens der geliebte Gegenstand, warum sich das treue Herz für ihn hingegeben. Sein Andenken lebt ewig in seinem Herzen fort, sein Opfer hat es mit einer ewigen, nie verlöschenden Glorie umgeben. (Fortsetzung folgt.) 1 H7prn — Hotel Wagner LUAUl 11:: Deutsches Haus :: Ruhigste, sonnige Lage beim Bahnhof, Schiff u. Engl. Garten. Modernstes, behagl. Hotel, jeglicher Komfort. Fließ. Wasser, warm u. kalt, in allen Zimmern. Appartements mit Bad. — Mäßige Preise. C. Wagner, deutscher Eigentümer. O- ■ -« Jüdischer Jugendbund Straßburg i. E., Schlossergasse 21 Eigene Vereinsräumlichkeiten mit zwanglosem Restaurationsbetrieb, jeden Abend von 6 Uhr ab, Samstag und Sonntag den ganzen Tag geöffnet. Schreibzimmer, Bibliothek und Lesesaal zur freien Benutzung. Die wichtigsten jüdischen und allgemeinen Zeitungen liegen auf. Jeden Freitag Abend zwanglose Unterhaltung über aktuelle Fragen unter sachkundiger Leitung. CACAO DIE BEVORZUGTE MARKE. Cabinet Dentaire R.Webers» dejljl Schrott-Wagner Mulhouse (Als.), rue du Sauvage 60!”*NBS’SBLQUBLLE*"! I SULZMATT (Ob.-Els.) I i Bestes Tafel- und Gesundheitsgetriink! i ■ rein natürlich. »

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