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Das jüdische Blatt · 1913-03-21 · 12 (21.3.1913) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
12 (21.3.1913)
Date
1913-03-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12. Das jüdische Klatt 3 Straßburg. K o st ü m f e st des Vereins Eintracht. Das Kostümfest, das der Verein Eintracht am Sonntag Abend in den Räumen des Sängerhauses abhielt, ist großartig ausgefallen. Der Saal mar mit offenen Logen, Lampions und Glühgirlanden hübsch geschmückt. Dem Thema B ü r g e r b a l l entsprechend, war das kleidsame Biedermeierkostüm am reichhaltigsten unter der Gruppe origineller und kleidsamer Kostüme vertreten. Die Reihe der Tänze, die bis zum Morgen währten und der Jugend immer die wichtigste Programmnummer blieb, wurde durch wohlgelungene Aufführungen belebt. Viedermeiertänze, Holländertänze und Zigeunertänze gaben den jungen Damen gute Gelegenheit, ihre Grazie und ihre Tanzkunst zu zeigen. Nach Mitternacht setzte dann ein Kabarett ein, das in Zwei Sälen des Sängerhauses zugleich aufgeführt wurde, um allen Gästen den künstlerischen Genuß zu ermöglichen. Aus den reichhaltigen Darbietungen nennen wir heitere Kabarettvorträge von Richard Born, Lieder zum Klavier, die Frl. Luise Meißner mit liebenswürdiger Stimme vortrug, und die Frl. Milli Schneider verständnisvoll begleitete, zwerchfellerschütternde humoristische Vorträge von Kurt Lange, Rezitationen von Frl. Liesel Rothschild und zum Schluß prächtige lustige Lieder zur Laute des in Straßburg lange nicht mehr gehörten und darum froh begrüßten Otto Hum m e l. Jeder erntete reichen Beifall und trug zum Vergnügen der Zuhörer bei. Ein Totalisator für weibliche Schönheit, Schönheits- und Tanzkonkurrenzen wurden abgehalten und gab immer neue Quellen der Heiterkeit und Belustigung. Auch wurde in der besten Weise das Gefühl einer einzigen zusammengehörigen Festgesellschaft aufrecht erhalten. So vergingen die Stunden wie im Fluge und als man die gastlichen Räume verließ, konnte man des Lobes für den wohlgelungenen Abend nicht genug tun. Der Reinertrag ist für gute Werke bestimmt. Bischwetter. Die Reihe der Vorträge dieses Winters im „Jüdischen Literaturverein" beschloß unser Präsident Herr Rabbiner Dr. Lehmann mit einem Referat über „Aberglaube und Judentum in nachtalmudischer Zeit". Nachdem der Redner in einem früheren Vortrag die Bibel und den Talmud in dieser Beziehung behandelt hatte, untersuchte er unter Resümierung der früheren Ergebnisse das jüdische Schrifttum von der gaonäischen Periode bis zur Neuzeit auf Vorkommen und Bekämpfung superstitiöser Vorstellungen unter Hinweisen auf den Ursprung derselben. Lebhafter Beifall der zahlreich Erschienenen, als deren Wortführer der Vizepräsident, Herr Julius Wertheimer die dankenswerten Bemühungen des Vor^ sitzenden hervorhob, folgte den interessanten Ausführungen. — Für Purim steht uns ein vom Verein für seine Mitglieder veranstalteter Familienabend in Aussicht, dessen Programm (musikalische und Gesangsabteilungen, Theateraufführung und Tanzvergnügen) genußreiche Stunden verspricht. — Die hiesige zionistische Schekelzahlergruppe lud jüngst zu einem öffentlichen Vortrag des Herrn stud. med. A. Löw-Straßburg „über modernen Antisemitismus ein. Der wegen seiner rednerischen Gewandtheit hier sehr bekannte Referent schilderte unter Aufbietung ausführlichen geschichtlichen und kulturhistorischen Materials die im Laufe der Zeiten aufgetretenen Arten des Antisemitismus und empfahl als Abwehrmittel den Zionismus. Letztere Ausführungen fanden aber in der darauffolgenden lebhaften Diskussion, die bis gegen Mitternacht dauerte, neben der Anerkennung für das Gebotene fast allgemeinen Widerspruch. — In der zurzeit hier stattfindenden Tuberkulose-Wanderausstellung sprach u. a. der hiesige Arzt, Herr Dr. Levy über „Tuberkulose und Alkoholismus". Colmar. Ein guter frommer Jehudi ist der Colmarer jüdischen Gemeinde entrissen worden, der Kaufmann Camille U l m e r. Seit 2 Jahren von einer schweren Krankheit heimgesucht, starb er ganz unerwartet am 16. März infolge eines Herzschlages im israelitischen Krankenhause zu Basel. Wer den Verstorbenen näher gekannt, mußte ihn schätzen ob seiner Ehrenhaftigkeit, Rechtschaffenheit und Zuvorkommenheit. Sein unbegrenztes Gottvertrauen, fein Frohsinn sowie köstlicher Humor halfen ihm über die schwersten Leidenstage hinweg und nie hörte man eine Klage aus seinem Munde. Ein edler Dulder im vollsten Sinne des Wortes. Möge die schwergebeugte Gattin sowie deren Kinder Trost finden in der allgemeinen Teilnahme an ihrem schweren Verluste. Colmar. Im Anschluß an einen schönen Nachmittagsausflug nach der Hohlandsburg, wurde am letzten Sonntag Abend im hiesigen Kaufhaussaale von den Straßburger und Mülhauser Zionisten ein Vortragsabend über Zionismus arrangiert. Herr Professor Dr. Dreyfuß aus Straßburg sprach über das Wiedererwachen des Judentums, Herr Dr. Elias aus Mülhausen über die Lehre und Arbeit des Zionismus. Es schloß sich eine sehr anregende Diskussion an, an der sich die Herren Dr. Hochschild, Dr. Levy, Löw, Meyer, Bloch und Dr. Lehmann beteiligten. In Anbetracht des vielen Interessanten, das man in den Ausführungen der einzelnen Herren zu hören bekam, wäre es wünschenswert gewesen, daß ein noch größeres Publikum, diese Versammlung besucht hätte. Es ist für die nächste Zeit wieder ein jüdischer Vortrag in Aussicht genommen. Grohblitlersdors. Dem letzten Geschworenenkollegium des Schwurgerichts in Metz gehörte auch ein Balbos unserer Kehille an, nämlich Jsak Uhry, Kaufmann. J. B- Gundershofen. Freitag Abend wurde in hiesiger Synagoge die neueingerichtete Elektrizität eingeweiht. Bei der kleinen Mitgliederzahl der Gemeinde konnte dieselbe nur durch große Opferfreudigkeit der Mitglieder eingerichtet werden. Dem rührigen Eifer unseres Vorstands, Herrn Moise Lehmann, welcher keine Mühe scheute, um alles zu einem glänzenden Ganzen vollendet zu sehen, ist es zu verdanken, daß alles über Erwarten gut gelungen ist. Durch einen feierlichen Gottesdienst, der durch die Anwesenheit sämtlicher Gemeindemitglieder, und der Anwesenheit vieler Nichtisraeliten, noch erhöht wurde, schloß die schöne Feier, welche noch lange Zeit einen tiefen Eindruck auf die Teilnehmer hinterlassen wird. Ingweiler. Mit außerordentlicher Spannung sah man diesmal dem vom israel. Damenverein veranstalteten Wohltätigkeitsfeste entgegen. Und die Erwartungen wurden nicht getäuscht. Das Fest war in allen seinen Teilen gelungen, und die Vereinsdamen können mit dem Erfolge in jeder Hinsicht zufrieden sein. In kurzer Zeit hatte sich der geräumige Tanzsaal des Vogesenhotels- bis auf das letzte Plätzchen mit Gästen gefüllt, die aus allen Teilen der Gesellschaft sich zusammensetzten und von überall herbeigeströmt waren. Sie haben zu dem materiellen Erfolge der Veranstaltung wesentlich beigetragen. Das Programm war nicht überladen, aber was es bot, war wirklich gediegen. Punkt 8% Uhr intonierte das von einer Hagenauer Militärkapelle gestellte Orchester die Festouvertüre, an die sich unmittelbar der mit Geschick von Frl. Lucie Braun vorgetragene Prolog anschloß. Der von fünf Damen des Vereins (Frl. Sophie Kahn, Frida Baumgart,Celine Erstein, Clemie Lazarus und Reine Meyer) meisterhaft gespielte Schwank „Der Herr Klavierlehrer" wurde lebhaft applaudiert. Den Glanzpunkt des Abends aber bildete unstreitig der von Frau Corge, Balletmeisterin in Straßburg, arrangierte und eingeübte Reigen. Darüber war denn auch nur eine Stimme des Lobes. So was Prächtiges ist hier noch nie gesehen morden. In der Tat, das Lob war verdient. Reizendere Bilder kann man sich nicht denken, als die vorgefllhrten Gruppenbilder. Die von 12 Mädchen getanzte Maiglöckchen-Polka war einfach „herzig". Die Sicherheit, Gewandheit und Anmut, mit der die jungen Mädchen die einzelnen Figuren des Tanzes ausführten, waren bewundernswert. Der von 12 größeren Damen ausgeführte Rofen-Reigen war eine Prachtleistung weiblicher Eleganz und Grazie. Das von Frl. Jeanne Blum am Klavier begleitete und von den Frl. Lucie Braun und Pauline Bloch gesungene Duett brachte uns nicht geahnte musikalische und gesangliche Leistungen allerersten Ranges. Die Tombola, die ungewöhnlich stark beschickt war — auch von auswärts waren zahlreiche Gaben eingegangen — bot besonders reiche Gewinnchancen, so daß es diesmal der Glücksgöttin Fortuna ein leichtes war, recht vielen ihre Huld zuzuwenden. Der sich an-

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