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Das jüdische Blatt · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 Das jüdische Matt. 11 Neunzehntes Kapitel. Der Kampf entspann sich in den Straßen und in den Häusern und dauerte volle drei Stunden. Der Erfolg war vorauszusehen. Die Bauern waren nicht bewaffnet. Was sie in der Eile zusammengerafft hatten: Dreschflegel und Knittel, konnte sie vor den wohlgezielten Schüssen nicht schützen. Nachdem einige von ihnen niedergestreckt waren, ergriffen nach und nach die klebrigen die Flucht, nur die Mutigsten waren geblieben, ein kleines Häuflein, an ihrer Spitze der brave Richter. Hie und da brach Feuer aus den Häusern, die mit Stroh bedeckt waren und die also leicht fingen. Nur der Marktplatz wurde mit bewunderungswürdigem Mute verteidigt. Die tapfern Honveds wichen keinen Zollbreit dem wütenden Anstürmen der Kaiserlichen, an deren Spitze nun der befreite Graf Friedrich war, und der, begreiflicherweise, die Scharte auszuwetzen suchte. Wer weiß, welches Ende es genommen, wenn nicht ein Kaiserlicher durch List in das große Wirtshaus gedrungen und es auf vier Seiten angesteckt hätte. Bald ergoß sich ein Flammenmeer im Rücken der Honveds. Bon zwei Seiten zu gleicher Zeit gedrängt, konnten sie nicht standhalten und öffneten ihre enggeschlossenen Reihen, um durch das enge Gäßchen, das rechts an dem Häuschen des Hausierers vorbeiführte, den Rückzug anzutreten. In die geöffneten Reihen ergossen sich die Feinde, und jetzt enstand ein fürchterliches Gemetzel, in das das Feuer seine glühenden Funken stob. Da streckte Graf Friedrich eine Kugel nieder und den Moment der Ruhe, der dadurch entstand, benutzten die Ungarn, um die Gasse zu gewinnen. Der hereinbrechende Abend machte ohnehin dem Kampf ein Ende. Gras Friedrich war nur leicht verwundet worden. Er gab den Befehl, das Feuer zu löschen, die Verwundeten in die Häuser zu schaffen und ließ sich dann in das Schloß bringen. Der Gutsherr war von einer unerklärlichen Milde. Er ließ durch den Tambour ausrufen: „Die Einwohner sollten ohne Furcht zurückkehren, er werde Gnade für Recht ergehen lassen und die Mitbeteiligung am Kampfe an ihnen nicht ahnden, da sie schon ohnehin gestraft worden." Trotzdem kamen in dieser Nacht nur wenige zurück, die Weiber hatten sich eingefunden, denen man gesagt, daß ihre Männer verwundet worden waren. Entsetzliche Stunden hatten die Frauen in der Hütte der Bäuerin verlebt. Der Tag war golden; er ergoß sich warm und strahlend in die kleine Stube, aber er beleuchtete nur todesbleiche Gesichter. Die einzige Trösterin war die achtzigjährige Bäuerin, die immer und immer mit Hoffnungsfreudigkeit, ja mit Bestimmtheit behauptete, guten Menschen geschehe kein Unglück; also werden auch Lazarus und der Doktor unversehrt zurückkommen. Als Mirjam zu sich gekommen war, war ihr erstes Gefühl eine unendliche Bitterkeit. „Ich bin ihm gar nichts!" rief sie und Tränen, glühend, wie geschmolzenes Blei, rannen über ihre Wangen, die die Ereignisse der letzten zwei Tage entsetzlich gebleicht hatten. „Er schwur, für mich zu leben, und opfert sich, bald für einen Freund, bald für eine Geliebte. Die Mutter ist ein Nebending für ihn. Wäre er ein frommer Sohn, so wüßte er, daß eine Mutter einem das Höchste im Leben sein müsse, besonders eine, die so viel um ihn gelitten." Die Bitterkeit hielt nicht lange stand, sie wich der Sorge für den über alles geliebten Sohn und sobald diese sich einmal ihrer bemächtigte, riß sie alle Dämme ein. Sie wollte ihm Nachfolgen. Mit Aufbietung aller ihrer Kräfte hielt sie Rahel von diesem wahnsinnigen Entschluß zurück. Wie gerne hätte sie selbst hinausfliegen mögen in den Kampf draußen, wie trieb es sie mit aller Macht, alles im Stiche zu lassen, mit ihrer Brust die Schüsse aufzufangen, die ihm und ihrem Vater bestimmt waren. Bei jedem Schuh, der durch die Luft ertönte, hätte sie aufschreien mögen; sie preßte nur krampfhaft die Hand auf das Herz und blieb still. Eine solche scheinbare Ruhe ist gräßlicher als das furchtbarste Toben. (Fortsetzung folgt.) Nach Schluß der Redaktion eingetroffene Nachrichten. Kommerzienrat Louis Feist Frankfurt a. 21t. Von einem schweren Verluste wurde in Frankfurt die Agudas Israel und ganz Israel betroffen. Herr Kommerzienrat Louis Feist, der Präsident der Aguads Israel, ist nicht mehr. Seine reiche Lebenserfahrung, seine unbegrenzte Herzensgüte, sein unermüdliches Wollen hat er stets in den Dienst des Judentums gestellt. In den Reihen der opferwilligen Getreuen stand er unter den Vordersten, um mit Gut und Blut für die Aufgaben des gesetzestreuen Judentums einzutreten. Alle Angelegenheiten des Judentums standen seinem Herzen nahe. Seine letzte Lebenskraft hat er an die Agudas Israel gesetzt. In der harmonischen Abgeklärtheit seines Wesens fanden alle Gegensätze ihre versöhnende Milderung. Seiner kräftigen Initiative entsprang der lebendige Unternehmungsgeist, der die Agudas Israel von Anfang an auszeichnete, ihm sind vor allem die Fortschritte zu verdanken, die sie machte, und die Anerkennung, die sie fand. An der Bahre dieses edlen Sohnes des jüdischen Volkes steht trauernd die gesetzestreue Judenheit und schaut bange aus nach Ersatz für den Unersetzlichen. (Wir werden in der nächsten Nummer eine ausführliche Würdigung des unvergeßlichen Präsidenten der Agudas Israel bringen. Die Red.) "" .. knabeilmisklllMs in Hagenau i. (Hf. Gelegentlich besonderer Anlässe sind dem Knabenwaisenhause in letzter Zeit folgende Gaben, bzw. Sammlungserträgnisse zugegangen: Hochzeit Gustav Weill-Walf und Hermance Dreyfuß-Saarunion 22,35 AL; Hochzeit Abraham May und Babette Levy-Küttolsheim 8,25 AL; Meyer Früres-Jngweiler zum Jahrzeitstag ihres Großvaters Joel 15 AL; Dr. med. R. Dreyfus, Lucien und Benoit Dreyfus-Gebweiler, zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern 300 AL; aus der Sammelbüchse beim Ableben von Fr. Henriette Schuhmacher, geb. Metzger-Balbronn 5,65 AL; Teilertrag von der Verlobung Bigard-Niedersept und Frl. Lippmann-Horburg 7,33 AL; Verlobung Lucien Levy-Sarburg und Fanny Falck-Diemeringen 10 Al; Hochzeit Charles Blum-Gundershofen und Jenny Baer-Sulz u. W. 23,80 AL; Jules Bloch-Brüssel anläßlich Jahrzeitstag für seinen seligen Vater 16 AL; Teilbetrag vom Benschen, Hochzeit Emil Weil-Straßburg und Jeannette Netter-Rosheim 20 AL; Verlobung Henry Baumann-Straßburg und Emma Ehrlich-Weißenburg 25 AL; Hochzeit Dreyfuß- Ullmann, Bafel (durch Cantor Weil-Schirmeck) 12,80 Al; Doppelhochzeit Dreyfuß-Merzweiler und Weill-Balbronn 28 M; Bris-Miloh bei Joseph Levy-Bischweiler (durch Herrn Raph. Roos-Hagenau) 20 AL; Adolf Klauber-Forbäch, zur Barmitzwohfeier seines Sohnes Karl 15 Al. Der Vorstand spricht allen edlen Gebern herzlichsten Dank aus. 515794

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