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Das jüdische Blatt · 1913-03-14 · 11 (14.3.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
11 (14.3.1913)
Date
1913-03-14
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Klall. Nr. 11. solcher den Ausdruck jungliberal nicht gebrauchen. Zur Aufklärung diene, in Mergentheim gibt es zwei Parteien. In beiden Lagerit findet man solche, die auf einem religiösen Standpunkt, und solche, die auf einem liberalen stehen. Eine Anfrage beim hiesigen Rabbinat wird nieine Angabe auch bestätigt finden. Aus Liebe zur Vaterstadt will ich vorerst schweigen, wenn aber der wahrheitsliebende Korrespondent den Mut hat, mit Nantensunterschrift etwas von sich hören zti lassen, so stehe ich gern zur Verfügung. Aron Adler. * * Hattstadt, den 10. März 1913. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich möchte Sie um Aufnahme folgender Zeilen ersuchen: Unsere kleine Geineinde, die zum Rabbinat Bollweiler gehört, ist neulich durch Beschluß des Konsistoriums dem Rabbiner in Dörnach, der das Rabbinat Bollweiler verwaltet, nbgenommen und dem Rabbiner in Gebweiler zur Verwaltung zugewiesen worden. Dagegen wäre nichts Besonderes einzuwenden. Aber wissen Sie, wie das Konsistorium zu diesem Beschluß gekommen ist? Dies nämlich dürfte Ihre Leser besonders interessieren. Die Verwaltungskommission hier hat dem Konsistorium gesagt: Wenn ihr das nicht macht, so geben wir unsere Demission. Gesagt, getan. Die Verwaltungskommission hat demissioniert. Daraufhin hat das Konsistorium die Aenderung gemacht. Ist das nicht interessant? Aber warum sollte es bei diesem einen Falle bleiben. Raten Sie doch der einen oder anderen Verwaltungskommission, sie soll ebenfalls dem Konsistorium die Pistole auf die Brust drücken und sagen: Schließt uns einem anderen Rabbiner an, sonst geben wir unfere Demission. Es gibt doch noch andere Rabbiner, die sich die Verwaltung der einen oder anderen Gemeinde gern gefallen lassen würden. Und was dem einen Recht ist, ist dem anderen billig. Warum sollte das Beispiel von Hattstadt nicht Schule machen? Hochachtend L. Erklärung. Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, um Aufnahme folgender Zeilen: 1. Es ist wahr, daß am Dienstag, den 4. März, eine Hochzeit in Bollweiler stattgefunden hat, zu deren Trauung man inich um 1 Uhr vergebens erwartet hat. 2. Es ist aber auch wahr, daß ich von dieser vorzunehmenden Trauung von niemanden benachrichtigt worden war, und ich daher von dieser Hochzeit überhaupt keine Kenntnis hatte. Die erste Benachrichtigung von dieser Hochzeit erhielt ich Dienstag, den 4. März, um 2 Uhr nachnüttags per Telephon. Ich fühle mich verpflichtet, trotz der Geringfügigkeit des Vorfalls, dies öffentlich festzustellen und durch die Darstellung des wahren Sachverhaltes jeder Verdrehung entgegenzutreten. Mülhausen, 9. März 1913. Rabbiner C a m i l l e s B l o ch. - - Briefkasten. in C. Drei Mark für Blindeninstitut erhalten. I. B. in Gr. Der Artikel erscheint nächstens. WE" Da das zu seinem Ende neigende Feuilleton "Haß und Liebe", von Caroline Deutsch, in unserem ganzen Leserkreise mit so großem Interesse gelesen wurde, haben wir uns bemüht, noch andere Erzählungen spannenden Inhalts von der geschätzten Verfasserin zu erwerben. Nach Vollendung von „Haß und Liebe" werden wir zunächst die prächtige Novelle „Eine jVejje", von Caroline Deutsch, veröffentlichen. (Frau Caroline Deutsch ist Tochter eines Rabbiners und Rabbinerwitwe.) Kaß und Lieöe. Eine Erzählung aus der Zeit der ungarischen Freiheitsbewegung. Von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) „Ich führe meine Mutter zur alten Terke, deren Haus abseits und verborgen liegt; dann eile ich ins Dorf zurück. Es wäre feige, meinen Freund und feine Soldaten, die meinetwegen ins Unglück kamen, im Stiche zu lassen." Mirjam klammerte sich laut schreiend an ihn. „Ruhig Mutter, es muß sein", sagte der junge Arzt mit einer Stimme, die keine Entgegnung zuließ. Dann küßte er sie stumm auf die erbleichende Stirn und trug die Halbohninächtige den Hügel hinauf. Schweigend folgten die Uebrigen. Als man in Terkes Hütte anlangte, ertönten die ersten Schüsse. Mirjam hörte sie nicht; sie war bewußtlos. „Es ist besser so", sagte Jonathan, ihre bleichen Lippen küssend, „sie sieht mich wenigstens nicht weggeh'n. Sie bleibt in Freundes Obhut und ich entferne mich beruhigt." „Ich geh mit Ihnen", sagte jetzt Lazarus, der unterdessen seinen Entschluß gefaßt hatte. Er hörte weder auf das Flehen von Frau und Tochter, noch auf die Entgegnungen des Doktors. „Die Frauen sind hier wohlgeborgen", sagte er. „Wir Männer gehören anderswo hin. Samuel ist im Dorfe geblieben, dies schlichte fromme Herz weiß immer den rechten Weg zu finden." „Ihr haltet uns für stärker, da Ihr uns den schweren Teil aufbürdet", versetzte das junge Mädchen. „Es gehört nicht so viel Mut der Gefahr entgegenzugehen und am Kampfe Teil zu nehmen, als stundenlang sich von banger Angst verzehren zu lassen." „Ich werde mich in acht nehmen und will nur sehen, was sich da unten tut. Das Schießen wird immer heftiger." Damit umarmte er rasch Lea und Rahel und verließ die Hütte. Jonathan folgte ihm langsam, auf der Schwelle wandte er sich noch einmal um, sah Rahel an und wies mit einem flehenden Blick nach Mirjam hin, die halb zu sich gekommen war, aber nicht wußte, was uni sie her vorging. Statt aller Antwort eilte das Mädchen auf ihn zu und warf sich, ihrer nicht mehr mächtig, an seine Brust, während ein erstickendes Schluchzen aus ihrer Kehle drang. Er preßte sie einen Moment fest an sich und küßte ihre überströinendeu Augen. „Ich komme und bring Dir den Vater wieder, wache über meine Mutter." Rach einigen Minuten hatte er das Zimmer verlassen und holte Lazarus ein, der rucken am Hügel auf ihn wartete.

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