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Das jüdische Blatt · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Nr 10. Das jüdische Kiatt lich wird den Juristen, wenn sie auch ihr Examen in Rußland gemacht haben, neuerdings verboten, sich auch nur als Gehilfen von Advokaten anstellen zu lassen. Eine Abordnung von russischen Juristen, die 1912 in Kiew ihr juristisches Studiuul beendigt haben, wurde in einer Audienz beim Justizminister Tscheglowitow deswegen vorstellig. Dieser erwiderte ihr, er wolle es binnen IO Jahren erreichen, daß die Zahl der jüdischen Advokaten nicht mehr wie 3% der in Rußland tätigen Advokaten betrage. Von einer Milderung der Reaktion ist also keine Rede. Palästina. Jerusalemer Brief. Der bekannte amerikanische Philanthrop Nathan Straus ist vorige Woche in Kairo angelangt, wo er einige Wochen verweilen wird, um, wie verlautet, von dortaus schon wieder seine Rückreise anzutreten. Von seiner ursprünglich gefaßten Absicht, als Endziel seiner Reise, auch diesmal von neuem Jerusalem zu besuchen, scheint der Philanthrop in Kairo schon abgebracht worden zu sein. An seiner Stelle wurde der ihn begleitende Mr. Green hierher entsandt, vor dem — der übrigens in einem christlichen, vom Verdachte einer Judenliebe geradezu ganz freien Hotel gastiert — die hiesigen zionistischen Kreise, die den Philanthropen ganz in ihrem Sinne ausnützen möchten, nicht mehr die Beunruhigung zu haben brauchen, daß er dem Einflüsse des älteren Jischuw, wie besonders die moderne hebräische Journalistik die thoratreue Judenheit Palästinas schlechthin zu nennen liebt, anheimfalle. Von der Person des Herrn Straus selbst wäre solches wohl zu befürchten, da er be» der Entfaltung seiner Wohltätigkeit lediglich von seinem Edelsinne ohne Rücksicht auf die Gesinnung der Empfängerschaft sich leiten zu lassen pflegt. Herr Green erstattete tatsächlich fast ausschließlich zionistischen Institutionen seine Besuche ab, von denen er besonders der Leitung der Kunstgewerbeschule „Bezalel" die weitestgehende Hilfe des Herrn Straus in Aussicht stellte. Bei seinem Besuche in der Nathan Straus'schen Volksküche versprach Mr. Green übrigens dem Verweser Rabbiner Solomon Roth, daß man den speisenden Armen das ihnen entzogene Brot wieder geben wird. Nach der großen Entrüstung, die diese Brotenziehung allgemein hervorrief, wird dieses Versprechen, wenn es tatsächlich zur Wirklichkeit wird, allen menschlich denkenden, unvoreingenommenen Kreisen Befriedigung bereiten und zur Hebung der verdienten Hochachtung des Stifters überaus viel beitragen. Dr. Brün, der Vorsteher der von Herrn Straus gegründeten Hygienischen Station, begab sich von hier mit dem Vorschlag, in dieser Station eine Abteilung zu errichten für die Behandlung der von tollen Hunden Gebissenen mit dem Pasteur-Serum, zu seinem Herrn nach Kairo. Diese Fälle kommen nämlich hier häufig vor. Dr. Brün soll von Herrn Straus das Versprechen erlangt haben, daß er dieses Projekt in Erwägung ziehen wird. Zu Vorstehern des Darlehen-Vereins „Ohawe Chefsed" wurden die Rabbinen: Jakob Schließe!, Samuel Weber und Israel Löbel gewählt. Das auf Initiative des „Waad Hakelali" gebildete Hilfskomitee zur Bekämpfung der geradezu furchtbaren Teuerung in Jerusalem entfaltet hier eine segensreiche Tätigkeit. Es kaufte eine Unmenge von Mehl, das es en detail zum Kostenpreise abgibt, und steht im Begriff, einige Tausend Sack Mehl vom Ausland zu beziehen. Bei Umgehung der hiesigen Mehlgroßkaufmannschaft ist eine ansehnliche Reduktion der Preise im allgemeinen zu erwarten. Jeruschalmi. pom Äalkan. Bericht der „Union des Associations Jfraelites" über die Informationsreise in den Notstandsgebieten des Balkans. Bericht vom 13. Januar bis 12. Februar 1913. Äm Donnerstag den 30. Januar, vormittags, trafen mir in Konstantinopel ein. _ . Wir nahmen sofort unsere Tätigkeit auf und hatten bereits ,m Laute des Mittags eine Reibe von Besprechungen mit den verschiedensten Persönlichkeiten, die sich bisher mit dem Hilfswerk in Konstantinopel befaßt hatten. Ain Abend fand eine offizielle Sitzung der Hilfskommission beim Großrabbiner statt, in der die Lage in Konstantinopel eingehend erörtert wurde. Zur Zeit der Anwesenheit der Delegierten in Konstantinopel befanden sich 3087 Flüchtlinge in Konstantinopel, darunter etwa 426 Personen aus Adrianopel, 387 aus Bourgas, 200 aus Rodofto, 614 aus Silivria, 446 aus Kirk-Kilisse, 317 aus Tschorlu. Eine große Anzahl anderer Flüchtlinge, die sich außer diesen in Konstantinopel aufhalten, können sich noch selbst unterhalten, während den angegebenen Flüchtlingen alles — Wohnung, Kleidung, Nahrung, Heizung usw. — geliefert werden muß. Die Zahl der Bedürftigen vermehrt sich täglich, da viele ihre letzten Sparpfennige im Laufe der Zeit aufzehren und infolgedessen hilfsbedürftig werden. Nach Wiederaufnahme der Feindseligkeiten dürsten wohl auch neue Flüchtlinge aus Gallipoli, Rodofto und Umgegend eintreffen. In Anbetracht der schweren Aufgabe, die die Versorgung dieser großen Zahl von Flüchtlingen bedeutet, mußte jede Tätigkeit für die Armen Konstantinopels selbst, die zum großen Teile auch bittere Not leiden, einstweilen zurückgestellt werden. Wir konnten mit Genugtuung feststellen, daß die Kommission in der besten Weise für die Flüchtlinge Sorge trägt. Insbesondere ist hier anerkennend die unermüdliche Tätigkeit des Herrn Apothekers Aron Barsilai hervorzuheben, der mit großer Aufopferung persönlich sich uni das Wohl und Wehe der Flüchtlinge kümmert. Es sind bisher an Hilfsgeldern in Konstantinopel etwa 120 000 Francs eingegangen, davon 100 000 Francs aus dem Auslande und 20 000 Francs aus Konstantinopel und der Türkei. Die gesamte Sumnie ist auch bereits verausgabt morden. Trotzdem uns gesagt wurde, daß in den letzten Monaten in Konstantinopel erhebliche Sammlungen stattgefunden haben, so z. B. 16 000 Francs für die durch Erdbeben Geschädigten, 16 000 Francs für den Roten Halbmond und 15 000 Francs für die Opfer des Krieges, bestanden wir doch darauf, daß in Konstantinopel selbst, besonders in den wohlhabenderen Teilen Pera und Galata, neue Sammlungen vorgenommen werden. Das ist auch geschehen. Nach eingehenden Beratungen wurde festgestellt, daß man für die Flüchtlinge wenigstens 40 Centimes pro Kopf täglich verwenden müsse, und diese Summe wurde einstweilen für vier Wochen von der Delegation festgesetzt. Das ergibt rund 40 000 Francs für den Monat. Die Lage der Flüchtlinge in Konstantinopel selbst ist natürlich eine recht traurige, aber es ist ein Trost, daß das Komitee in Konstantinopel bestrebt ist, das traurige Los zu mildern und die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, sie in ordentlicher Weise zu verpflegen und zu bekleiden. Die Unterbringung geschah nicht, wie bei den mohammedanischen Flüchtlingen, in großen Massenquartieren, sondern die Flüchtlinge sind über ganz Konstantinopel und namentlich über die Vororte verteilt. Infolge der aiisgezeichneten Fürsorge sind die jüdischen Flüchtlinge auch erfreulicherweise von den schweren Epidemien verschont geblieben, die unter den mohammedanischen Flüchtlingen so furchtbare Opfer gefordert haben. Es waren im ganzen unter 3087 Flüchtlingen 74 Kranke mit 11 Todesfällen. Davon wurden 36 Kranke im Spital Or-Hachajim behandelt, von denen 25 jetzt gesund sind, 1 gestorben ist und 10 noch

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