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Das jüdische Blatt · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10. Da» jüdische Matt. d meinde Muggensturm, Synagogenbezirk Bühl, für aufgelöst erklärt. Das Vermögen dieser Gemeinde fällt dem israelitischen Religions- und Pensionsfonds zu. Die in Muggensturm wohnenden Juden wurden der Religionsgemeinde Rastatt zugeteilt. Preußen. Berlin. Dem soeben erschienenen 11. Rechenschaftsbericht der „Jüdischen Arbeiterkolonie" in W e i ß e n s e e entnehmen wir, daß die Leitung des Vereins in die Hände des Herrn Louis Kreslawski, Ausschußmitglied des DIEB, übergegangen ist. Während des verflossenen Jahres sind die nachbenannten um die Anstalt verdienten Persönlichkeiten gestorben: Herr Moritz Rosenow, Herr Siegmund Berget und Frau Hedwig Behrendt, die Gattin des Anstaltsinspektors. Das wegen seiner Wohltätigkeit bekannte Ehepaar Oskar und Betty Tietz hat aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit eine Stiftung mit 500 dl begründet. Frau Amalie Apt verw. Frau Rosenstiehl hat bei Gelegenheit ihres 70. Geburtstages den von ihr begründeten Fonds auf 6000 dl abgerundet. Trotz dieser und einiger anderer Zuwendungen an Geld und Naturalien hat die Anstalt im letzten Jahre mit einem Defizit von 7680 dl gearbeitet. Dies erklärt sich aus den gesteigerten Lebensmittelpreisen und aus der im letzten Jahre erfolgten Aufnahme verhältnismäßig zahlreicher Kolonisten mit geminderter Arbeitskraft. Dementsprechend war auch der Gesundheitszustand der Kolonisten kein so glänzender wie in früheren Jahren, wenn auch noch im ganzen zufriedenstellend. Auf 25 368 Verpflegungstage kommen 269 Krankentage. Die Gesamtzahl aller seit Bestehen der Kolonie Aufgenommenen hat 6000 erreicht. Die Arbeitslöhne betrugen 24 501,44 dl, davon wurde den Kolonisten ein Akkordguthaben von 8 452,18 dl gutgeschrieben. Es wäre zu wünschen, daß die Jüdische Arbeiterkolonie in Weihensee, entsprechend ihrer so ausgedehnten segensreichen Wirkung, recht zahlreiche Freunde und Gönner fände, damit sie fortan sich aus eigenen Einnahmen erhält. Erwünscht ist auch die Zuwendung gebrauchter Kleidungsstücke, die, soweit Berlin in Betracht kommt, auf eine an Herrn Inspektor Behrendt, Weißensee, Wörthstraße 20, zu richtende Postkarte abgeholt werden. Euskirchen. Dem Herrn Dr. H e i l b e r g , hier, ist seitens der Königlichen Regierung die Genehmigung erteilt worden, sein bisher gut frequentiertes Knabenpensionat zu einer Unterrichtsanstalt auszubauen. Vom 1. April ab ist die Anstalt unter staatliche Aufsicht gestellt und umfaßt die Klassen von Sexta bis Obertertia einschließlich. Die Schüler höherer Klassen besuchen das Gymnasium und erhalten Pflege und Beaufsichtigung im Pensionate. Aus aller Welt üchwri!. Basel. Vor einigen Tagen starb das älteste Mitglied unserer Gemeinde, H. Em a n u e l D r e y f u s. Er hat nach dem Worte des Dichters drei Menschenalter gesehen, denn er ist fast 90 Jahre alt geworden. Geboren in Nieder-Hagenthal, besuchte er die Schule in Basel und machte hier auch im Hause Jsaac Dreyfus seine Lehrzeit. Während dieser Zeit und auch nachher als selbständiger Kaufmann rnußte er den zweistündigen Weg von Hagenthal nach Basel und zurück täglich zweimal machen, denn mit Ausnahme weniger Familien durften die Juden damals in Basel nicht wohnen. Erst im Jahre 1860 konnte der Verstorbene sein Geschäft in Basel begründen, für welches er mit unermüdlichem Fleiß, mit Umsicht und Energie und mit großer merkantiler Tüchtigkeit tätig war. Neun Kinder hat er aufgezogen, er sah Enkelkinder aufblühn und erlebte auch die Geburt von Urenkeln. Im Jahre 1900 verlor er seine treue Gattin, die aus der Familie Lang in Dürmenach stammte und die den Namen einer edlen, feinsinnigen, wackeren Frau mit Recht besaß. Neben ihr fand nun der Verstorbene auf dem Friedhof in Hagenthal seine letzte Ruhestätte. Fennkeeich. s. Paris. Ein Streik der jüdischen Bäckergehilfen macht sich hier zurzeit bemerkbar. Die Bäckergesellen verlangen seit längerer Zeit, daß man ihnen an den Donnerstagen, zur Herstellung der auf Sabbat nötigen Backwerke, Aushelfer beigebe, was ihnen bis heute verweigert wurde. Man befürchtet, daß alle Bäckergesellen der Hauptstadt sich mit ihnen solidarisch erklären und die Arbeit niederlegen werden. Rußland. Die Ausweisungen dauern fort. In den letzten Wochen haben die „echtrussischen" Gouverneure ihre Aufmerksamkeit den jüdischen Bauern und Handelsleuten in den Dörfern zugewandt. In der Nähe von Bobrinsk liegt eine jüdische Ackerbaukolonie, Daminowa. Deren Vorfahren erhielten das Land direkt vom Zaren Nikolaus I. Emsig arbeiteten sie an der Umwandlung von Forst in blühendes Ackerland inmitten einer ihnen nicht gerade freundlichen russischen Bevölkerung. Es gelang ihnen auch, ein Bauerndorf zu errichten, schöner und solider als irgend eines der Umgegend. Nun hat der Gouverneur, nachdem er bereits 3500 Verfolgungen gegen Juden in diesem Distrikt in Arbeit genommen hat, seine Aufmerksamkeit auch der Ackerbaukolonie Daminowa zugewandt mit dem Erfolge, daß mehrere Familien Ausweisungsbefehle erhalten haben. Aehnliche Nachrichten kommen von den jüdischen Ackerbaukolonien bei Ekaterinoslaw und von Podolien. Auch in Kurland setzt ein Kreuzzug gegen die Juden ein. Anders die christlichen Kaufleute von Kursk. Diese wandten sich letzte Woche an den Premier Kokowzefs und warnten ihn vor der Ausweisung der Juden, besonders vor der bevorstehenden Ausweisung von 90 % der 800 jüdischen Familien in ihrer Provinz, und wiesen auf die schädlichen Folgen einer solchen Maßregel für den Handel hin. Aehnliche Warnungen erheben die einflußreichen und einsichtigen Elemente der christlichen Bevölkerung von Jalta. Unter dem Eindruck dieser Vorstellungen verlangte der Premier ausführliche Berichte von den Gouverneuren von Minsk und Kursk. — Aehnlichen Schikanen werden die ausgedienten Soldaten unterworfen, die den russisch-japanischen Feldzug mitgemacht haben. Diesen wurde das Wohnrecht in ganz Rußland eingerüumt. Jetzt aber verlangt der Gouverneur als Nachweis ein Zeugnis der Militärbehörde, daß diese Leute tatsächlich den Feldzug mitgemacht und daß sie sich während desselben gut geführt haben. Da ein derartiges Zeugnis fast unmöglich zu beschaffen ist, werden diese Veteranen von den Wohnsitzen unbarmherzig vertrieben, in denen sie sich niedergelassen haben. Mit den Studenten verfährt man nicht besser. Bekannt-

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