Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 10 (7.3.1913)
- Date
- 1913-03-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9052070-9096771-9052251--0187-9052254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Colmar 1× ep/1047872
OCR text
Nr. 10. 3 Das jüdische Statt. klaren Formulierung ihrer Richtlinien. Das wäre ein Segen. Arief vom Lande. LXI. Nun zur Abwechslung wieder einmal etwas Intimes aus unserer kleinen Gemeinde. Ich habe nämlich Statutenänderung beantragt. Denn ich bin fortschrittlich (lachen Sie bitte nicht so geistreich^), jawohl, ich bin es. Denn, sehen Sie mal, da haben wir in unseren alten Statuten so viele, wunderhübsche Strafparagraphen, und deren schäme ich mich, aus Herzensgrund. Es ist ja gar nicht wahr, daß wir Juden so ruppige Menschen sind, daß wir erst Strafparagraphen brauchen, um uns in der Synagoge anständig zu benehmen. Ich möchte nur gerne wissen, aus welchen Zeiten diese Schmach stammt. Als ich unseren Herrn Rabbiner fragte, wo denn das im Schulchan Aruch stünde, da sagte er, das wisse er nicht. Als ich ihn dann weiter fragte, er wäre doch so ein gelehrter Herr, wo das zum ersten Male vorkäme, da wußte er es auch nicht. Weiter fragte ich, ob das in irgend einer anderen Religionsgesellschaft auch festgelegt wäre, da sagt er, er glaube nicht. Da wurde ich aber wild. Jetzt möchte ich doch wissen, warum da gerade wir Juden eine Ausnahme machen sollten. Ich glaube denn doch, daß für jeden von uns das Gotteshaus eine heilige Stätte ist, und daß wir wirklich so viel Anstand besitzen, um uns da gesittet zu benehmen. Uebrigens nutzen auch diese Strafparagraphen nichts. Denn, unter uns gesagt, ich habe schon oft gemerkt, wenn einer mir was am Zeug flicken will, dann macht er den schüchternen Versuch, festzustellen, ob ich wirklich ein strammer Parnes bin. So macht die Gelegenheit erst den Dieb. Sollte wirklich in einer Gemeinde ein so unvernünftiges Individuum sein, nun dann möge ihn die Gemeinde mit gebührlicher Verachtung strafen, und füglich gibt es noch andere Mittel, um die wilden Männer und Frauen kirre zu machen. Aber wir brauchen dieses Ausnahmegesetz nicht, weg mit ihm. Selbiges ist die unmaßgebliche Ansicht Ihres Rosch Hakohol. Elsaß-Lothringen. Slraßburg. Auf dem neuen Israelitischen Friedhofe befindet sich die gut eingerichtete Leichenhalle. Zu wenig wird jedoch Gebrauch davon gemacht. Man hält bis jetzt noch stark an der alten Gewohnheit fest, das Leichenbegängnis von Hause aus zu veranstalten. Ist dies immer die richtige Ehrung des Verstorbenen? Wie oft sieht man, daß bei der oder jener Straßenecke die Begleiter abbiegen. Je weiter der Zug schreitet, desto geringer wird die Beteiligung. Auf dem Friedhofe ist gewöhnlich die Zahl der Teilnehmer auf ein Geringes herabgesunken. Würde dagegen von der Einrichtung der Leichenhalle Gebrauch gemacht und das Leichenbegängnis von der Leichenhalle aus begonnen, so würden alle Teilnehmer vereinigt bleiben und die ganze Schar der Freunde würde den Verstorbenen buchstäblich bis zu seiner letzten Ruhestätte begleiten. Namentlich die öffentlichen israelitischen Anstalten könnten hier mit dem Beispiel vorangehen und verordnen, daß bei eintretenden Todesfällen die Leichen in der Leichenhalle des Israelitischen Friedhofs in Kronenburg aufgebahrt und daß infolgedessen die Beerdigung von da ihren Ausgang nimmt. Dann würde es nicht mehr Vorkommen, daß wie neulich imJsraelitischenKrankenh a u s bei Gelegenheit von dort stattfindenden Leichenbegängnissen Klagen über Mangel an Platz für Abhaltung einer Leichenfeier sich erheben. Das Israelitische Krankenhaus ging bei seiner Neueinrichtung von der richtigen Voraussetzung aus, daß fortan bei Sterbefällen die Leichenhalle in Kronenburg für die Aufbewahrung der Leiche in Verwendung komme. Die Anstalt braucht deshalb keine besonderen Vorkehrungen für diese Fälle zu treffen. Aber am Publikum und an den Verwaltungen der Anstalten läge es, auf den neuen Modus der Leichenfeiern überzugehen, der sich in so vielen Hinsichten empfiehlt. Fenningen. Hier verstarb nach kurzem Leiden bei ihrer Tochter Frau D r e y f u s , 83 Jahre alt. Die Verblichene ist aus Offenbach a. Glau gebürtig, woselbst sie auch bis vor drei Jahren wohnhaft war. Die Leiche wurde per Bahn nach Offenbach verbracht. Die allgemeine Achtung und Beliebtheit, deren sich die Gewesene erfreute, erkannte man an der Menschenmenge, die ihr die letzte Ehre erwies, sie schlummere sanft! J. B. Freisdorf (Lothr.). Die hiesige Chevra hat ein Sefer gestiftet und ain vergangenen Sonntag wurde das -0Q Hierselbst von einein -0^ aus Metz angefangen. Es wohnten alle Mitglieder der Chevra bei und jeder schrieb einen Buchstaben der fHin auf das erste Blatt. Dann hielt unser Kantor Herr Raichelsohn einen Vortrag über diese Zum Schluß wurde in: Hause des Präsidenten der Gemeinde, der gleichzeitig Vorstand der Chevra ist, ein kleines Fest abgehalten. Es war wirklich eine niXS b'Z' nnOfr*- hngenau. Jugendbund. Am letzten Samstag abend war das Vereinslokal bis auf den letzten Platz besetzt. Die Tagesordnung lautete: 1. Ausführlicher Bericht des zweiten Vorsitzenden Herrn Würtzburger über den Verbandstag in Freiburg i. Br., wozu er delegiert war; 2. Vortrag des Vorstandsinitglieds Herrn Bernard Roos über das Thema: „Der Gemeindebund und feine Ziele". Beide Herren * haben es verstanden, die Zuhörerschaft derart zu interessieren, daß ihnen reicher Beifall gezollt wurde. Nächsten Samstag wird Herr Haguenauer, Sekretär des Konsistoriums und Mitglied des Armenrats aus Straßburg, einen Vortrag halten über das allgemeine Arrnenwesen. Dieses Thema ist von solcher Wichtigkeit, daß kein einziges Mitglied der Gemeinde es versäumen sollte, es anzuhören. Am Samstag darauf wird der Jugendbund eine kleine Purimseier im Hotel zur Traube abhalten, wozu sämtliche Gemeindemitglieder und auch auswärtige Gönner des Vereins eingeladen werden. M.W. Horburg. Ein imposanter Leichenzug bewegte sich letzten Dienstag gegen unfern Friedhof, Herrn Leopold Lippmann die letzte Ehre zu erweisen. Oberrabbiner Weil aus Colmar hielt die Trauerrede, die sehr ergreifend auf alle Anwesende wirkte, und worin er die Verdienste des Verstorbenen als langjähriges Mitglied der hiesigen Kultusgemeinde schilderte. Ingweiler. Demnächst wird die Kuppel unserer Synagoge einer gründlichen Renovierung unterzogen mit einem Kostenaufwand von zirka 2000 JL. j. b. Ingweiler. Lotterie des Damenarbeitsvereins. 2. Liste. 16. Tischdecke von S. und A. Blum, Straßburg; 17. ein halbes Dutzend Taschentücher Emil Bauer, Straßburg;