Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Das jüdische Statt. Nr. 9. Diese beobachten bekanntlich nur, was ausdrücklich in der Schrift steht. Sie besitzen keine „Mikwe" und genießen Milch- und Fleischspeisen zusammen. Die Unterhaltungssprache der „Krimanjaken" und der Karaeer ist das Mohammedanische, hebräisch sprechen sie wenig. Die dritte Gemeinde spricht das in Rußland gewöhnliche Jargon. Was das Alter der Synagoge betrifft, so habe ich in Feodosia gehört, sie sei die älteste der Welt, denn sie ist über 2200 Jahre alt. Die Leute dort erzählen, sie sei erbaut worden von Esra Hasofer, damals, als er aus Jerusalem auswanderte. So oft ich die alte Synagoge besuchte, mußte ich das alte, heilige Gebäude bewundern. Der Araun-Hakandefch hat zwei sehr schöne Türen, deren Bauart auf ein Alter von vielen hundert Jahren hinweist. Aber der Vorsteher Lapazinski und ein gewisser H. Gedalja Gin bemerkten mir, daß dies schon die zweiten Türen seien. Vor etwa 1000 Jahren brach in der Türkei ein großer Krieg aus, jo wurde mir erzählt, welcher die Einwohner der Stadt veranlaßte, die Stadt Feodosia zu verlassen. Die Juden aber haben vor dem Verlassen der Stadt ihre Synagoge eingegraben, und ganz mit Grund bedeckt, so daß man nicht mehr erkennen konnte, daß an dieser Stelle eine Synagoge gestanden habe. Sie meißelten aber in eine Marmorplatte eine Inschrift, um .anzuzeigen, daß hier eine Synagoge gestanden habe, damit, wenn wieder Juden in die Stadt einwandern, sie erfahren, daß hier eine Synagoge eingegraben sei. Lange Zeit blieb die Stadt unbevölkert. Erst nach vielen Jahren wurde sie wieder besiedelt, und auch Juden ließen sich wieder dort nieder. Die neu Eingewanderten, d. h. die „Lrimansaken" und die Karaeer, wußten durch Ueberlieferung, daß hier eine Synagoge begraben sei, und bemühten sich, den Schutt zu entfernen, und sie wieder aus ihrem Grabe erstehen zu lassen. Da entbrannte aber ein Streit zwischen den beiden Gemeinden. Jede beanspruchte die Synagoge für sich, und lange bewegte sich der Streit hin und her, bis es endlich zu einem Prozeß kam. Und da die Karaeer in Rußland bei der Regierung eine gewisse Bevorzugung genießen, bekamen sie die Synagoge zu gesprochen. Jahre vergingen. Da wurden wieder Ausgrabungen in der Nähe der Synagoge unternommen, und siehe da, nicht weit von der Synagoge wurde eine „Mikwe" im Boden entdeckt. Auch diese letztere habe ich selbst gesehen; es ist ein kunstvoll aus einem runden Stein gehauener Brunnen von etwa 20 bis 25 Meter Tiefe. Nach dieser merkwürdigen Entdeckung strengten die „Krimanjaken" aufs neue einen Prozeß mit den Karaeern an und bewiesen, daß die Synagoge ihnen zugehören müsse, da die Karaeer keine „Mikwe" haben. Diesem Beweis konnte sich auch die Regierung nicht mehr verschließen, sie stieß das früher ergangene Urteil um, und sprach jetzt die Synagoge den „Krhnanjaken" zu. B. P t a s ch e k. Lustige C-cke. Monsieur David.j Der wachsame Agent der Gesellschaft der Autoren unb Komponisten hat einen neuen französischen Dichter entdeckt, der sich Aonsiour David nennt. Der Komponist Florent Schmitt hatte im Konzert Colonne zweimal einen Psalm aufführen lassen und begab sich zu dem Agenten, uni seine Tantieme einzuziehen. Schmitt fand, daß die Summe, die er erhielt, zu gering sei im Verhältnis zu der Einnahme der beiden Konzerte. Der Agent antwortete aber: „Sie vergessen, daß Sie Ihre Autorrechte mit dem Textdichter teilen müssen. Die Hälfte bleibt für Herrn David reserviert." Schmitt mußte nun weitläufig erklären, daß er nur den KönigDaviddes alten Testaments zum Mitarbeiter habe, dessen Erben keine Autorrechte besitzen können, um seine Tantiemen zu beziehen. Hilfe für die infolge des Krieges in den Snllrnnlnndern notleidenden Inden. Weitere Spenden sind eingelaufen: L. M. in A. 25 Mk. Gebetszeilen. (Freitagabend) (Sabbatausgang) Hiiöliadj. . . 5 11. 30 6 U. Bald - - -. 09 6 U. '"t Fürth. . . 5 11. 45 6 U. :*'> Weh. . . 6 11. 00 6 11. f* Mülhausen. . . 6 11. 09 6 11. München: Synagoge Herzog-Maxstr. . . . 5 11. ::i 6 U. 3* „ Herzog-Rudolfstr. . . 5 11. 45 6 11. 37 „ Müllerstrahe. . . . 5 11. 45 6 11. 37 Nürnberg: Synagoge Essenweinstraße . 5 11. 40 li 11. 37 H kräh bürg: Synagoge Kleberstaden . . . . 6 11. 09 7 11. 00 „ Kageneckerstraße . . 6 U. 00 6 11. 05 Stuttgart. . . 5 11. 30 6 11. 15 (Amtswoche: Bezirksrabb. Dr. Stößel.) Aamiliennachrichten. (Mitteilungen für diese Rubrik werden - kostenlos ausgenommen.) - Geborene: Ein Sohn, M. Rosowski-Markus, Zürich. — Ein Sohn, Leopold Abrach, Zürich. — Eine Tochter, Daniel Brauafchweig-Wyler, Lengnau. — Margot, T. v. Jules u. Marie Metzger, Pfaffenhofen. Maja, T. v. Isidor Braun u. Betty Maier, Karlsruhe (Baden). Uerlobte: Fernande Weill, Barr, u. Alfred Weil, Nancy. — Salomea Rotstein, Warschau, u. Salomon Reichgott, Zürich. — Emma Bloch, Basel, u. Erwin Meyer, Baden-Oerlikon. — Götz, Schleusingen, u. 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