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Das jüdische Blatt · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 9. Das jüdische Blatt. 11 der Nerv-Porter Sektion, Miß Sadie American, einer der fähigsten und rührigsten Arbeiterinnen auf sozialpolitischem Gebiete, ist zu entnehmen, daß der Verband in den Vereinigten Staaten über 10 000 Mitglieder zählt und 251 Korrespondenten in den verschiedensten Städten hat und überdies auch mit seinen Vertrauenspersonen in Europa in ständiger Korrespondenz steht. Der Zentralrat des Verbandes hat trn abgelaufenen Jahre allein 6300 jüdische Mädchen unter seinem Schutze gehabt, die ohne Eltern nach Amerika kamen und ohne den Schutz des Verbandes den größten moralischen Gefahren ausgesetzt gewesen wären. Seit dem Jahre 1904 hat der Verband 70 000 jüdische Einwanderermädchen unter seinem Schutze gehabt. Besonderes Interesse erregte der Vortrag der Miß Marry Antin, die als elfjähriges Mädchen nach New-Pork kam, und sich später mit ihrem Roman „Das Land der Verheißung" berühmt gemacht hat. In dieser Erzählung schildert Miß Marry die vielfachen Versuchungen, denen ein alleinstehendes Mädchen, das unerfahren nach New-Pork kommt, begegnet. Fräulein Antin, die sich seinerzeit gleichfalls dem Schutze des Verbandes anvertraut hatte, gehört heute zu den werktätigsten Mitarbeiterinnen des Zentralrates. Die Kopfsteuer der Emigranten. Auf Ellis Island, dem Auswandererhasen von New-Pork, hat im letzten Jahre die Kopfsteuer 3,'.- Millionen Dollars hereingebracht. Da die Administration dieser Emigranten- ' Halle 2 Millionen kostet, verbleibt der Regierung noch immer ein Prosit von 1A Millionen Dollars, d. s. l'A Millionen Franks. Trotzdem läßt Ellis Island in sanitärer und baulicher Beziehung sehr viel zu wünschen übrig. Wermischles. Eine Urkunde über den Durchzug der Israeliten durchs Rote TNeer. Der jüngste Bericht des „Palestine Exploration Fund" bringt die durch einen bekannten Aegyptologen erfolgte Uebertragung eines vor kurzem entdeckten altägyptischen Papyrus, der neue Streiflichter auf den Auszug der I u de n wirft. Wie das „American Magazine" dem oben ermähnten Berichte entnimmt, ist der Papyrus ein geographisches Lexikon der Hauptortschaften des östlichen Nildeltas, von wo aus die Juden ihren Weg in das gelobte Land antraten. Der Papyrus erwähnt die im „Exodus" ausgezählten Ortschaften in nahezu derselben Reihenfolge. Bekanntlich nahmen die Israeliten ihren Weg von dem Lande Gosen ans, von dem feststeht, daß es ein Landstrich im östlichen Nildelta war, den die Aegypter „Gesem" nannten. Genau genommen begannen sie ihre Wanderung von der Stadt Raemses aus, und wie es im „Exodus" heißt, machten sie ihren ersten Halt in Suchoth. Der Papyrus wirft diesen Ort mit Pithom zujaminen, das ebenfalls in der Bibel erwähnt wird. Der ägyptische Name ist „Pe-Atum-Zuktu", aus dem mit Leichtigkeit der Doppelname „Pithom-Suchoth" herausgelesen werden kann. Dann wanderten die Israeliten südöstlich und lagerten sich .gegen das Tal Hiroth. zwischen Migdol und dem Meer, gegen Baal-Zephon". Dort holten die Scharen Pharaos die Israeliten ein, und hier war es, wo Moses auf des Herrn Geheiß seine Hand ausstreckte, so daß die Israeliten trockenen Fußes hinüber zum andern Ufer wandern konnten, während die Krieger des Pharao, die ihnen nachzufolgen trachteten, elendig in den über sie herembrecheuden Wassern umkamen. Im Papyrus ist nun die Rede von einem See Kharta. Das Wort Kharta klingt aber unzweifelhaft an das biblische „Hiroth" an. Ferner erwähnt der Papyrus einen Migdal von Baal-Zephon", während die Bkbel von „Migdol Baal-Zephon" spricht. Ein Migdol war irn alten Aegypten so viel wie ein Fort oder befestigter Turin und wahrscheinlich stand dieses Migdol außerhalb der Stadtmauern von Baal-Zephon. So bestätigt dieser aufgestmdene Papyrus die geographischen Angaben des „Exodus" in vollem Umfange. Huldigung für jüdische Bürgerlreue. In dem ih Smyrna erscheinenden türkischen Blatt „Anatolia" drückt ein muselmännischer Journalist, ein Augenzeuge des Einzugs der Griecheir in Salonik dem Patriotismus der Juden in letzterer Stadt seine Anerkennung aus. Er schreibt unter anderem: Am Tage des Einzugs der griechischen Armee in Salonik wurde in der ganzen Stadt die griechische Fahne gehißt. Alles war damit geschmückt, die Balkone, die Fenster, die Bäume, die im Hafen ankernden Schisse, sogar die Minarets der Moscheen. Es war, als ob Salonik seit Hunderten von Jahren auf diesen Einzug geharrt hätte. Selbst die patriotischsten Mohammedaner, sogar der Mufti, hißten die griechische Fahne auf ihren Häusern. Die einzige Ausnahme machten die Juden. Ich betrachte es als Gewissenspfilcht, diese Tatsache festzunageln, nicht so sehr um sie meinen Lesern ins Gedächnis zu graben, sondern um daraus unsere Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Unter allen Bevölkerungsteilen, die den Fall Saloniks betrauerten, haben die Juden mit dem größten Nachdruck ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. Sie waren die einzigen, die in diesen Stunden der Aufregung und Spannung nicht nur ihre Trauer bewiesen, chndern ihre Treue gegen die Ottomanen und ihre Beharrlichkeit in dieser Treue. Ja, man darf sagen, diese Nation war die einzige, die der ottomannischen Regierung die Treue hielt. Während der Mufti sich beim König vorstellte und ihn in heuchlerischer Rede ansprach mit den Worten: „Die Mohammedaner, die stolz darauf sind, unter dem Schutze Ihrer Majestät zu leben, segnen Sie", Worte, die Trauer schütten in jedes muselmanische Herz, fand der Oberrabbiner, R. Meir, eine ganz andere Sprache, indem er sagte: „Majestät, es ist nicht billig, daß Sie die Haltung der Judey tadeln, weil sie beim Einzug Ihrer Armee keine Freude bewiesen hoben; denn sie wären, wenn sie es getan hätlen, undankbar gewesen gegen das Land, das ihnen die Arme öffnete, als die ganze Welt sie verjagte." Die tausendjährige Synagoge zu Teodosia (krimm). Zu unserer Mitteilung über die tausend Jahre alte Synagoge zu Feodosia (Krimm) schreibt uns ein Abonnent des „ Da s Jüdische Blatt": Ich war in Feodosia 3 Jahre Soldat, von 1887 bis 1890. Häufig habe ich die dortige alte Synagoge besucht lind vieles über diese erzählen hören. Vielleicht wird es ihre Leser interessieren, die Einzelheiten zu vernehmen, die ich darüber an Ort und Stelle verilommen habe. In der Stadt Feodosia befinden sich drei jüdische Geineinden. Die erste Gemeinde linlsaht Juden, wie solche m Europa sind. Die zweite Gemeinde heißt die Gemeinde der „Kriimnl.strken" und besteht aus sehr frommen Juden. Die Frauen dieser „KriiniinjMken" tragen ihr Haupt mit einem wertvollen seidenen Tuche bedeckt. Die dritte Genieinde ist die Karaeergemeinde.

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