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Das jüdische Blatt · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische glatt Nr. 9. I. Horovicz und Dr. M. Wallach, unter dem Vorsitze des Leiters! der hiesigen Filiale der Anglo Palestine Co. Ltd. Dr. I. L e v y, einsetzte. Der neuen Gestaltung entsprechend, wurden auch tatsächlich täglich über 800 Arme in der Anstalt in einfacher Weise verpflegt, während man noch für eine Anzahl kranker und leidender Armen einen besonderen Tisch mit Fleischmahlzeit servierte. Dies dauerte so lange — das Stifterpaar hier weilte. Sobald jedoch dieses abgereist war, nahm H. Dr. Levy eine einschneidende Aenderung vor. Als ein höchstgestellter Bankdirektor, der gewöhnlich nur mit wohlhabenden Menschen verkehrt, scheint ihm der Sinn dafür abzugehen, nicht arbeitenden Menschen, und wenn sie noch so darauf angewiesen sein mögen, einfach Nahrung zu verabreichen. Kraft seiner Uebermacht als Vorsitzender des Komitees und als Machthaber des in der unter seiner Leitung stehenden Bank hinterlegten Legats konnte er seiner Ansicht um so nachdrücklicher Geltung verschaffen. Er drückte daher sofort nach der Abreise des Straus'fchen Ehepaares die Höchstzayl der speisenden Armen auf 300 herab, um den Rest der Stiftung einem andern Zwecke — es handelt sich um die inzwischen gegründete Perlmutter-Gewerbeschule, für die die Zustimmung des Stifters einzuholen war — zuzuführen. Da aber die Zahl der beansprechenden Armen doch überaus weit mehr als etwa 300 beträgt, verordnete Herr Dr. Levy, die täglich zu verteilenden Speisekarten nicht immer an dieselben Armen, sondern abwechselnd zu vergeben, so daß derselbe Arme durch die Woche nicht mehr als ein paar Mal seine Speise bekommen konnte. Dies allein war schon eine gewaltige Abweichung vom ursprünglichen Sinne des Stifters. Das robuste Benehmen des Dr. Levy gegenüber dem dem Begründer und der Anstalt ganz ergebenen Rabbiner Roth ließ auch keinen Zweifel über dessen weitere Absichten zu. Es wäre vielleicht daher damals schon an der Zeit gewesen, daß die beiden anderen, von den An- und Absichten des Vorsitzenden abweichenden Komiteemitglieder, Dr. Wallach und Rabb. Horovicz, dem Herrn Straus unter sachlicher Begründung ihre Demission gegeben hätten, eine Handlung, die am wahrscheinlichsten zu einer günstigen Entscheidung seitens des Stifters hätte führen müssen. Jedenfalls hätte es damals fremden Einfluß nicht schon gelungen sein können, die Stifter, denen damals jener rührende Besuch in der Anstalt noch in frischer Erinnerung war, von dem Umfange ihres ursprünglichen Beschlusses abzubringen. Leider unterließen sie diesen Schritt. Mag sein aus Rücksicht auf die zerrüttete Gesundheit des infolge des seinem Bruder Isidor Straus in der Titanic-Katostrophe zugestoßenen Unglücks stark mitgenommenen Herrn Nathan Straus. Sie begnügten sich damit, ihr Vorhaben vor dem das Stifterpaar begleitenden Rabbiner Dr. M a g n e s auszutragen, von dem als Gesinnungsgenossen des Herrn Dr. Levy von Anfang an natürlich nicht viel zu erwarten war. So verstand es Dr. Levy, die Sache so lange zu verschleppen, bis ihm durch den inzwischen eingesetzten Einfluß die Sache reif genug schien, unter Androhung seiner Demission, dem Herrn Straus die Zustimmung zu der von ihm geführten Aenderrmg abzuringen. Auf das Schreiben Dr. Levy's hin, bat ihn H. Straus, seine Demission zurückzunehmen, und teilte ihm zugleich mit, er habe die Entscheidung über seine Stiftung dem Dr. Magnes übergeben. Daß Dr. Magnes zugunsten seines Gesinnungsgenossen entschied, konnte nicht überraschen. Dr. Magnes verfocht die Sache des Dr. Levy soweit, daß er die beiden anderen Komiteemitglieder wegen Disharmonien mit dem Vorsitzenden ausdrücklich zur Abdankung aufforderte, was auch Dr. Wallach, dem als echtem kernigem Orthodoxen der ganze kollegiale Verkehr mit einem Manne wie Dr. Levy nur zuwider war, geradezu aufatmend tat. Der von seiner Europareise zurückgekehrte Rabb. Horovicz jedoch — wie er es nachträglich in einer Unterredung in der von ihm auch sonst informierten, hiesigen hebräischen Zeitung „Moria" begründete — wollte wenigstens den von Dr. Levy dem Haushalte der Volksküche bestimmten Iahresbetrag von 14 000 Frs. dieser sichern. Er wollte auf den Antrag des Dr. Levy eingehen, von ihm die Leitung der so eingeschrumpften Volksküche, in der jetzt selbst für die bloßen 300 Armen nur Suppe und nicht das dazu gehörige Brot gegeben werden konnte, unter der Bedingung übernehmen, daß ihm dieser einen von ihm (Horovicz) vorgeschriebenen Brief von Dr. Magnes erwirke, des Inhalts, daß nachdem sie es beschlossen haben, von dem ursprünglichen Sinne ihrer Stiftung weit abzulenken und nur einen Teil derselben der Armenverspeisung zu widmen, so bittet Dr. Magnes unter freudiger Einwilligung des Herrn Straus, der ihn bestens grüßen läßt, den Rabb. Horovicz, die unumschränkte Verwaltung über diesen Stiftungsteil, der nicht weniger als 14 000 Frs. jährlich betragen darf, für uneingeschränkte Zeit zu übernehmen. Dr. Levy ging auf dieses Konzept nicht ein. Da dieses ihm aber von Rabb. Horovicz unvorsichtigerweise in dessen Handschrift übergeben worden war, benutzte er es zur Bloßstellung des Rabb. Horovicz, indem er es im Benjehuda'schen „Haor" veröffentlichte, wobei er die rigurose Entziehung des Brotes, mit der er während der Abwesenheit des Rabbiners Hovoricz so lange gezaudert hatte, weil er diese empörende Tat doch lieber der von ihm erwarteten Verwaltung des Rabb. Horovicz überlassen hätte, jetzt selber oornahm, da es nunmehr nicht mehr anders ging. Daß es in Jerusalem Arme gibt, die buchstäblich kein trockenes Brot haben und daß demnach eine derartige Brotentziehung ein Vergehen gegen die unmündige Armut ist, scheint der Bankleiter nicht begreifen zu können. Die öffentliche Entrüstung darüber ist groß. Auch Rabbiner Horovicz ist ein wenig davon mitgenommen, weil diese Brotentziehung gerade für die Zeit abgesehen war, an der er von seiner Reise zurückkehrte. Aber die auch im „Das Jüdische Blatt" zitierte Kampagne in der genannten „Moria" über diese traurige Angelegenheit setzte leider allzu spät ein. Herr Straus selbst wurde schon, wie „.Haor" meldet, veranlaßt, persönlich in einem Schreiben das Wort zu ergreifen, in dem er seinen Beschluß in Jerusalem seiner damaligen aufgeregten Stimmung zuschreibt, in dem er ferner die Vorschläge Rabbiner Hovoricz', obwohl er von seiner ehrlichen Absicht iiberzeugt ist, „unzeitgemäß" und „unpraktisch" nennt, indem er schließlich dem Dr. Levy seine volle Billigung ausspricht. Nun, F>err Straus mag schon aufgeregt gewesen sein, für die gewissenhaften Herren, die ihn zu seiner Beschlußänderung bewogen haben, soll jedoch die Regel: "8t Tp ""b schon als Ausspruch unserer Weisen natürlich „unzeitgemäß" sein. Doch, die Perlmutter-Eewerbeanstalt will Herr Dr. Levy nicht für Z'doko betrachten, sondern für — Parnose. Ieruschalmi. Amerika. Der ächutz der jüdischen Emigrantenmädchen in Amerika. Zu den bedeutendsten und angesehensten jüdischen Organisationen von Amerika gehört die „Ie w i s h W o m e n Associo t i o n" (Verband der jüdischen Frauen), dessen Zentralrat kürzlich eine Jahresversammlung in New-Yvrk abhielt. Aus dem Berichte der auch in Europa bekannten Präsidentin

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