Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9052070-9096771-9052230--0172-9052239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 9. Das jüdische Klatt 9 sungsgebuhr zu den Instituten verdoppelt. Auch würden an die Borbildu n g tunlichst die gleichen Anforderungen gestellt wie bei den Inländern und insbesondere von den Russen verlangt, daß sie das russische Gymnasium absoviert haben. Besonders groß fei der Zudrang der Ausländer zu den Universitäten Königsberg, Breslau, Berlin und Halle. Der S t u d e n t e n st r e i k in Halle sei durch unrichtige Handhabung eines Ministerialerlasses von 1896 entstanden; der Minister habe Remedur eintreten lassen, und jetzt werde als Borbedingung der Zulassung zu den Kliniken das Physikum gefordert. Weitere Maßnahmen zur Beschränkung der ausländischen Studenten würden erwogen. Aus der Konunsision wurde empfohlen, nur einen bestimmten Prozentsatz Ausländer zuzulassen, wie in M ü n ch e n, wo nur drei Prozent zugelassen sind. Danach wird die Lage der Ausländer an den preußischen Universitäten schlimm werden, besonders die der jüdischen. Denn diese können infolge der drückenden Zurücksetzung der jüdischen Studenten in Rußland kaum den erforderlichen Nachweis der verlangten Vorbildung im Heimatlande erbringen. Fast gleichzeitig hat in Karlsruhe eine Konferenz von Delegierten russischer Studenten im Allgemeinen und von Delegierten russisch-jüdischer Studenten im Besonderen stattgefunden, die sich mit dieser Frage beschäftigt und in einer Resolution die Hoffnung ausgesprochen hat, „daß die deutsche Studentenschaft nicht den Weg reaktionärer und antisemitischer Auftritte einschlagen wird und glaubt, daß durch Selbsthilfe eine Verbesserung der heutigen Lage der russischen Studierenden in Deutschland herbeigeführt werden kann". Die Antwort des Ministers in der Budgetkommission klingt wenig ermutigend für diese Hoffnung und diesen Glauben. Saarbrücken. Der hiesige Verein „Eintracht" plant für Purim eine Kinderfestlichkeit mit Geschenken, Essen und Ball, die Proben sind schon flott im Gang unter der Leitung eines Hrn. Herz. ,7. B. St Wendel. Schnell verstorben ist das hiesige angesehene Khalsmitglied I. R o t s ch i l d im Alter von 60 Jahren. Abends verspürte er ein Unwohlsein, er sprach ahnungsvoll zu seiner Frau, heute Nacht sterbe ich, und am Morgen war er bereits tot. Eine große Menschenmenge begleitete die irdischen Ueberreste des Verblichenen auf den Friedhof. Er ruhe sanft! J. B. Aus aller Welt. Frankreich. Paris. Mit Rücksicht auf die schwierige ökonomische Lage in Jerusalem hat die Alliance den Betrag von 10 000 Francs dorthin geschickt, die zur Zahlung der Miete für die arme Bevölkerung verwendet werden sollen. Palästina. (Untei der Rubrik „Das Deutschtum im Ausland" bringt die „Kölnische Zeitung" in 'Oh. 24 folgenden beachtenswerten Artikel, von dem wir das Ende wiedcrgeben.) Die Juden in Palästina. Der jüdische Landbesitz in Palästina beträgt augenblicklich etwa 40 000 im. Hiervon sind 30 000 lm besiedelte Landstücke, und zwar in Judäa etwa 8600 ha, (15 Kolonien), in Samaria 6000 Im (8 Kolonien), in Galiläa 16 200 lm (16 Kolonien) und im Ostjordanland 300 1m (1 Kolonie). Es fiel zuerst schwer, die Juden, die bisher ein überwiegend handeltreibendes Volk waren, an die Landwirtschaft zu gewöhnen, und es wurde manchen Kolonien nicht leicht, in den ersten Jahren vorwärts zu kommen. Eine große Stütze fanden sie aber im Baron Edmund von Rothschild in Paris, der ihnen stets in ihrer Bedrängnis beistand, den vielfach ungesunden Sumpfboden durch Anpflanzung von Eukalyptusbäumen gesundete, ausgedehnte Weinkellereien erbaute, Wasserleitungen anlegte, den Absatz des Weins organisierte usw. Allerdings hatte diese wahrhaft väterliche Fürsorge des Barons von Rothschild für die Kolonisten anderseits den Nachteil, daß viele unselbständig und lässig wurden, sich mehr und mehr an die Hilfe des Barons gewöhnten und nicht recht vorwärts kommen wollten. Entmutigt durch diese unbeabsichtigten Folgen seiner Kolonisationsmethoden, zog sich Baron von Rothschild 1899 von der Unterstützung der Kolonien zurück und übertrug die Verwaltung seines Werkes der Jewish Colonisation Assoziation in Paris. Seither ist eine ständige Entwicklung der Kolonien zur wirtschaftlichen Selbständigkeit hin zu verzeichnen. Die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Kolonien Palästinas können in vielen Beziehungen mit denen der jüdischen als gleichlaufend bezeichnet werden. Die allgemeine Besserung der Zustände, die durch die jüdische Kolonisation beschleunigt wird, insbesondere die Stärkung der persönlichen Sicherheit und die Einführung geordneter Rechtsverhältnisse, ist für die deutschen Kolonien von größtem Wert. Die Türkei hat von der jüdischen Siedelung zweifellos nur Vorteile erwarten. Mit jüdischem Kapital wird ein durch viele Jahrhunderte vernachlässigtes Land zu neuer Blüte gebracht, inmitten der unruhigen arabischen Bevölkerung schafft ein seßhaftes, arbeitsames Element Ruhe und Ordnung, hebt die Sicherheit und Steuerkraft des Landes und schlägt eine für den Welthandel wichtige Brücke zwischen Orient und Okzident." Die Volksküche Straus' in Jerusalem. (Traurige Geschichte einer Stiftung.) Als Ende vorigen Winters der bekannte amerikanische Philan-. trop Nathan Straus und Gemahlin hier weilten, gelang es dem ihn behandelnden Chefarzt des Schaarezedek-Hofpitals Dr. M. W a l l a ch, sie dazu zu bewegen, daß Frau Straus die vom Rabbiner Salomon Roth gegründete und geleitete, mit einer gewissen Subvention seitens des Amsterdamer Palästina- Bureaus unterstützte Tamchui-Küche besuchte. Als Frau Straus die Anstalt dann besuchte, wurde sie beim Anblick, der dazumal gerade speisenden Armen derart bewegt, daß sie auf der Stelle versprach, die gesamte Anstalt auf eigene Rechnung zu übernehmen und diese derart zu gestalten, daß fortan 10 0 0 Portionen täglich verabreicht werden können, so daß für die gesamten arbeitsunfähigen usw. Armen soweit gesorgt sein würde, daß diese vor einem buchstäblichen Verhungern geschützt sein würden. Der damals, als Vertreter des genannten, diese Anstalt unterstützenden Bureaus herbeigeholte Rabbiner I. H o r o v i c z hatte den Zweck und die Notwendigkeit sowie zugleich die Unzulänglichkeit dieser wegen Geldmangels primitiven Anstalt auseinandergesetzt. Da für eine solche erweiterte Unternehmung die früheren Räume zu klein waren, bat Frau Straus den Rabbiner Roth, sogleich ein entsprechendes neues Haus für die Anstalt zu mieten, welches sie mit neuen komfortablen Tisch- und Küchengeräten im Betrage von etwa 4000 Frs. gleich ausstatten ließ. Hierauf hinterlegte Herr Straus den Betrag von 50 000 Frs. in der Analo-Palestine Co. Ltd. als erste Jahresrate zur Erhaltung der Anstalt, zu deren Verwaltung er, während Rabb. Roth und Frau Verweser blieben, die Herren Rabbiner