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Das jüdische Blatt · 1913-02-28 · 9 (28.2.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
9 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Das jüdische Statt. 7 recht her Kultusgemeinden nicht allgemein auf das Judenedikt von 1813 gestützt werden, so mangle dem Präsentationsrechte der Kultusgemeinde Hainsfarth überhaupt die rechtliche Grundlage. Gemäß Ziff. 153 der Vollzugsvorschriften zürn revidierten Gemeindeedikt von 1837 bleibe die Präsentation zu Schulstellen den Gemeinden überlassen, soferne sie den Gemeinden früher kraft bestimmter Rechtstitel oder des Herkommens zugestanden habe." Hieraus gehe hervor, daß n ach 1 8 3 7 ein Präsentationsrecht außer kraft landesherrlicher Verleihung, die für Hainsfarth gar nicht behauptet werde, nicht habe entstehen können. Einen andern Rechtstitel als das Judenedikt könne die Kultusgeineinde Hainsfarth nicht beibringen, und ein Herkommen habe sich auf Grund der einmaligen Besetzung in dem Zeitraum uon 1822 bis 1837 nicht bilden können. (Forts, folgt.) Sadeu. Freiburg i. B. Der JüdischeJugendbund Freiburg hatte auf 16. d. M., nachmittags 4 Uhr, eine B e - z i r k s k o n f e r e n z einberufen. An dieser nahmen teil: der Vorsitzende des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands", Rechtsanwalt Dr. Alfred Apfel, Berlin, und Vertreter von Verbandsvereinen. Nach kurzer Begrüßung durch Den Vorsitzenden des Jüdischen Jugendbundes Freiburg, Heinrich Mayer, gaben auf Wunsch des Herrn Dr. Apfel sämtliche Vertreter Bericht über die Arbeiten, die sie in ihren Vereinen geleistet, über die Erfahrungen, die sie dabei gesammelt haben, und über die Aussichten weiterer Vereinsgründungen. Alsdann entspann sich eine Generaldebatte über das gesamte Gebiet der Jugendbewegung, die durch großzügige Ausführungen des Verbandsvorsitzenden eingeleitet wurde und einer Reihe Teilnehmer Gelegenheit zur Kritik und zu Anregungen für den Verband und die einzelnen Vereine gab. Die Aussprache bot im ganzen den Vereinsleitern und den anderen Anwesenden wertvolles Material für ihre weitere Tätigkeit. Rach dreistündiger Dauer konnte die -Konferenz vom Verbandsvorsitzenden mit dem Ausdruck der Befriedigung und dem Wunsche nach weiterer ersprießlicher Wirksamkeit der Vereine geschlossen werden. Abends halb 9 Uhr veranstaltete dann der Jüdische Jugendbund Freiburg im großen Saale des Hotels zum Erbprinzen eine öffentliche V e r j a m in l u n g, in der Herr Rechtsanwalt Dr. Apfel über „Jugend und Judentum" sprach. Der Redner führte unter anderem aus: . . . Den staatlichen Jugendpflege-Ausschüssen schließen wir uns an, bei den privaten Jugendorganisationen verlangen wir den Nachweis, daß sie nicht antisemitisch geleitet sind. Wir vereinigeii in unserer Bewegung alle parteipolitischen und religiösen Ströinungen, indem wir das Einigende gegenüber dem Trennenden stark hervorheben. In dieser Zusammenfassung der Jugend erblicken wir eine Garantie für die Zukunft des Judentums. Das positive Programm der Vereine ist in Kürze folgendes: Vermittlung der Kenntnis der jüdischen Religionsgrundsätze, der jüdischen Geschichte und Literatur, für besonders Interessierte Kurse zur weiteren Ausbildung, Klublokale für Nichtansässige, die hier ein Heim finden sollen, Freitagabende und Sederabende, körperliche Ausbildung, Beschäftigung mit dem jüdischen Proletariat und den Ausländern, Erziehung zum Abwehr- und Emanzipationskampf. Auf der Delegiertentagung, die an Pfingsten dieses Jahres m Frankfurt a. M. stattfinden wird, soll hauptsächlich die Berufswahl der jüdischen Jugend zur Erörterung kommen. In seinen „Mitteilungen", die zurzeit in 10 000, in Bälde in 20 000 Exemplaren erscheinen, macht der Verband den ersten ernsthaften Versuch einer jüdischen Jugendzeitung. Die Jugendvereine wollen keine akademischen Diskutierklubs, sondern Erziehungsgemeinschafterr sein. Damit verbürgen sie eine gedeihliche Zukunft unserer Gemeinschaft. Die inhaltreichen Aussührungen des Redners erweckten lebhaften Beikall und fanden allgemeine Zustimmung. Eine Reihe von Neuanmeldungen zum Jüdischen Jugendbund Freiburg war die äußere Bekundung des Eindrucks, den die Veranstaltung hervorgerufen hatte. s„Die Vernrittlung der Kenntnis der jüdischen Religionsgrundsätze", die zum Programme der Jugendvereine gehört, scheint uns mit dem vom Verband der Jugendvereine ausgestellten Grundsatz der „Neutralität" unvereinbar. Red.j Gailingen. Kürzlich fand im Hotel Adler der fünfte Vortrag des Vereins jüdischer junger Leute statt. Als Referent hatte Herr Lehrer und Kantor I. Marx das Vergnügen, vor einem schön besetzten Saale sein lehrreiches Thema, lautend: „Der Synagogal-Gesang und seine historische Entwicklung" zu behandeln. Durch diesen Vortrag hatten wir Gelegenheit, die wiederholt geprüften musikalischen und geschichtlichen Kenntnisse des Herrn Redners zu genießen und danken nochmals für die schön dargebrachten Worte: Nach dem Vortrage fand noch ein gemütliches Beisammensein statt und trennten sich die letzten Zögernden erst nach Mitternacht. Möge der Verein I. I. L. uns noch öfters solch angenehme Stunden bieten. Mannheim. Außer dem jüdischen Kindergarten für die Kinder der vielen hiesigen Ausländer, über den wir in letzter Nummer berichtet, hat die jüdische Frauenvereinigung noch weitere Institutionen geschaffen, die wir nachtragend hier erwähnen wollen — den Nähzirkel und den Stellennachweis. Der elftere steht in unmittelbarer Verbindung mit der Kinderstube, denn er regelt die Bekleidungssrage der Kinder. Vierzig Damen gehören ihm an und kommen allwöchentlich zusammen, um Wäsche und Kleider für die Kleinen anzufertigen. Es sind dies mehrere hundert Stück, die an Chanukkah für den Winter und an Purim für den Sommer zur Verteilung gelangen. Für das Material haben die Damen des Nähzirkels selbst zu sorgen, verschiedene Firmen und Private liefern Stoffe gratis, und zwölf Nähmaschinen verarbeiten das Ganze; auch diese Institution hat seine eigene Vorstandschaft. Der Stellennachweis, eine gemeinsame Gründung mit dem Verein Earitas der Logendamen, besteht bislang 3 Jahre und hat schon gute Resultate aufzuweisen. Leider sind die Vakanzen nicht nach Wunsch gemeldet. So haben sich im abgelaufenen Jahre 182 Bewerberinnen gegen 80 gemeldete Vakanzen an den Nachweis gemeldet, woraus 25 feste Abschlüsse resultierten. Mit dem Stellennachweis Frankfurt steht auch der hiesige in reger Verbindung. Württemberg. Mergentheim. Die Jungliberalen haben gegen die jüngste Wahl der Gemeindevorsteher Protest eingelegt. Wir halten den Protest für belanglos. Preuße». Das Königsberger kaiserhoch. Das „Königsberger Kaiserhoch" hat in einem Teil der Tagespresse eine Darstellung gefunden, die, wie es scheint, von Versehen oder Jrrtümern nicht ganz frei ist. Wir geben im folgenden nach der „Jüdischen Rundschau" den Bericht

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