Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«t. Das jüdische Klatt. b Um ein förderndes Zusammenarbeiten der Stellenvermittlungen der B. B.-Loge und der dem jüdischen Frauenbund angehärenden Stellenvermittlung zu ermöglichen, hat der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes ein Mitglied der Stettenvermittlungskommission in den Vorstand des Verbandes der Arbeitsnachweise der Großloge delegiert, und der Verband der Arbeitsnachweise der Grohloge eine Vertreterin in die Kommission des Bundes gewählt. Einen sehr breiten Raum in den Verhandlungen der Kammissionssißung nahm die Frage der Ausbildung geeigneter Leiterinnen für j ü d i i ch e N a ch w e i s st e l l e n ein. Ferner wurde eingehend die Frage der Hauswirtschaft l i ch e n A u sb i l d u n g unbemittelter Mädchen in P r i v a t Haus- Haltungen diskutiert, weil durchaus nicht alle Mädchen in Hnushaltungsjchulen oder ähnlichen Anstalten für den häuslichen Beruf vorgehildet werden können. Ein Antrag auf Einführung des vom Berliner Hausdieustausschusscs herausgegebenen Dienstvertrages mit entsprechender Umänderung für jüdisches Dienstpersonal wurde abgelehnt. Wenn einzelne Stellenvermittlungen das Vortragsformular des Hausdienstausschusses benutzen wollen, so können sie sich den städtischen Verhältnissen anpasfen und den ortsüblichen Vertrag für jüdisches Personal selbst abändern. Die Empfehlung des Dienstvertragsformulars seitens der Kommission des Jüdischen Frauenbundes wurde abgelehnt, weil sie leicht mißverstanden, der Entwicklung der Kommissionsarbeit bei Neugründungen, Propaganda ufw. schaden könnte. Doch wird seitens der Vorsitzenden angeregt, daß die jüdischen Stellenvermittlungen angefragt werden, je in ihrer Stadt auch die von der Berliner Polizei herausgegebenen roten Zettel, die die Adressen der gemeinnützigen Arbeits- und Stellenvermittlungen enthalten und die den Mädchen in das Dienstbuch geklebt werden, vorhanden sind. Wo dies nicht der Fall ist, sollen die jüdischen Arbeitsnachweise möglichst für die Einführung dieser roten Zettel eintreten und dafür Sorge tragen, daß auch ihr Arbeitsnachweis unter den andern angeführten vermerkt wird. Auch die Gründung eines Verbandes der weiblichen jüdischen Stellenvermittlungen ist geplant und zwar in der Form, daß die Leiterinnen der Nachweisstellen den erweiterten Beirat der Kommission für Stellenvermittlungen des Jüdischen Frauenbundes bilden, der an den Sitzungen der Kommission mit beratender Stimme teilnimmt. Wenn es gelingt, alle die neuen Anregungen, die durch die Kommissionssitzung gegeben worden sind, in die Praxis umzusetzen, so wird die Bearbeitung der Stellenvermittlungsfrage ein ganzes Stück vorwärts kommen. Aries vom Lande. LIX. Muß halt doch wieder politisch werden. Denn da meine liebe Gemeinde genau im Mittelpunkt der Welt liegt, färben alle großen Ereignisse der Weltgeschichte hier am raschesten ab. Und so haben die englischen Damen, so sich Suffragetten nennen, auch hier eine kleine Revolution angerichtet. Ich hatte alle Mühe, zu verhindern, daß unsre lieben Damen einen Antrag einbrachten, mit zu Minjan gezählt zu werden. Wie ich das fertig gebracht habe, ist ineine Sache, und das kann ich Ihnen nur unter vier Augen erzählen. Aber bei Gemeindeversammlungen wollten sie durchaus mitsprechen. Da stand ein geniales Mannsbild auf und meinte, da die meisten Frauen doch nicht hier am Ort geboren seien, wären sie eigentlich Ausländerinnen, und da wir uns immer nach dein Muster der allergrößten Gemeinden richten, könnten wir ihnen doch wohl eigentlich kein Stimmrecht geben. Darauf stellte ein anderer flugs eine statistische Berechnung an, daß von unseren Gemeindemitgliedern weit über die Hälfte auch von auswärts! stammen. Damit war's also nichts. Als ich schüchtern sagte, es wäre eigentlich nicht im Sinne des Religionsgesetzes, na, da kam ich schön an. Beinahe hätte ich dadurch dem Antrag auf Frauenstimmrecht zum Siege geholfen. Auch das verschlug nicht, als einer sagte, mit dem Frauenstimmrecht käme auch die passive Wählbarkeit und dann hätten wir bald eine richtige Parneste. Ei, gab mir da mein Beigeordneter einen Rippenstoß. Bitte, sagte ich sehr höflich, wie ich nun einmal bin. Ach, was machen wir solange herum, fing endlich einer der Allerjüngsten an, jetzt wollen wir einfach sehen, wer unter dem Pantoffel steht, wir stimmen namentlich ab. Erst verlegenes Schweigen, dann ein Schreien: Abstimmen, abstiinmen. llnd der Antrag wurde einstimmig abgelehnt. Solche Helden sind wir. Und dabei sind unsere Frauen so sanft und still, namentlich selbige Ihres Rosch Hakohol. Elsaß-Lothringen. Straßburg. Die Straßburger Studentenschaft veranstaltete am 13. Februar d. I. zu Ehren des aus dem Lehrkörper der Universität scheidenden Historikers Prof. Dr. Breßlau einen Fackelzug. Prof. Breßlau ist Jude. Wie verlautet hat der „Verein jüdischer Studenten" an dieser Ehrung nicht teilgenommen, weil Prof. Breßlau seine Kinder hat taufen lassen. Straßburg. Am 16. März d. I. feiert in den festlich dekorierten Sälen des Sängerhauses der Verein „Eintracht" sein diesjähriges Winterfest und zwar dieses Mal in Form eines „B ü r g e r b a l l e s" mit Trachten und Kostümen längst vergangener.Zeiten mit Tanz-Reigen, Prämiierung der besten Tänzer und Tänzerinnen, Kabarett-Vorträgen und sonstigen Ueberraschungen. Die Leitung des Ganzen liegt wie alljährlich in den Händen der Herren G. G. Cahn, Emil Neu und Sigmund Kahn und verspricht das Fest, soviel wir jetzt schon verraten dürfen, höchst originell und für jeden Beteiligten höchst amüsant zu werden. ' Straßburg. Am letzten Freitag starb nach langem schweren Leiden der in Straßburg und dem ganzen Elsaß wohlbekannte Weinhändler Herr Henry Bloch. Es mögen wohl an 500 Personen gewesen sein, welche am Sonntag dem Verblichenen die letzte Ehre erwiesen, und nahezu 200 Freunde folgten dem Sarge bis auf den Friedhof. Kein Auge blieb tränenleer bei den Worten des Herrn Rabbiners Dr. Marx, als er das Leben dieses so seltenen Mannes schilderte als Gatte, Vater und Freund. Viele beweinen in ihm einen stillen Wohltäter, einen jederzeit mit frohem Mute und humorvollen Geiste ausgestatteten Menschen. Auf dem Friedhofe dankte der Schwiegersohn des Verstorbenen all denen, welche während der langen Krankheit des Verstorbenen und auch heute Beweise der Sympathie und der Teilnahme gegeben hatten. .v. L. s Grussenheim. Vorige Woche starb in Paris der von hier gebürtige Notar Karl S ch o e n g r ü n. Der Großvater des Verstorbenen besaß bei Schönau ein Gut, das man „Schönes Grün" nannte. Als anfangs des letzten Jahrhunderts den französischen Israeliten das Bürgerrecht verliehen wurde, ließ sich der Großvater 7^-^- unter dem Namen seines! Gutes mit Schoengrun in das Standesamt eintragen.