Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische Statt Nr. 8. Eine Verbindung mit Castorin, deren Vertreter wir sowohl in Monastir als auch in Saloniki gesprochen haben, war nicht zu bewerkstelligen. Die von uns eingesetzten Komitees aber werden auch für diese völlig unzugänglichen Orte im Innern sorgen und uns die '»r Hilfeleistung nötigen Informationen liefern. Auf dem Wege von Monastir nach Saloniki wurde auch die Station Wodena mit 15 000 Einwohnern und etwa 10 jüdischen Familien, die nicht gelitten haben, berührt, ferner die Gemeinde C a r a f e r i a besucht. Die Stadt mit 15 000 Einwohnern und 800 Juden liegt sehr nahe bei Saloniki. Dort leben merkwürdiger- und glücklicherweise die Juden mit den Griechen (das ist die große Mehrzahl der Bevölkerung) in bester Harmonie. Die Gemeinde wird sich, unserer Ansicht nach, sehr bald erholen, so daß ihr mit einer Unterstützung von 500 Franken, die wir bewilligten, wohl hinreichend geholfen ist Nach unserer Rückkehr nach Saloniki von Serres und Monastir wurde mit dem dortigen Komitee noch einmal die ganze Hilfsarbeii im einzelnen auf Grund unserer eigenen Anschauungen und Erfahrungen, die wir inzwischen gesammelt hatten,. durchgesprochen und die Art der Durchführung festgelegt. Namentlich wurde bestimmt, daß die von uns eingesetzten Komitees auch mit den schwer zugänglichen Gemeinden im Innern sich in Verbindung zu seßen und für die etwa Geschädigten zu sorgen haben. Wir reisten am Montag, den 27., zu Schiff ab, um über Cavalla, Dedeagatsch nach Konstantinopel zu kommen. Cavalla. Am Dienstag, den 28., trafen wir in Cavalla ein. Eine Deputation der Gemeinde kam an Bord. Wir begaben uns mit ihr nach der Stadt Cavalla mit 30 000 Einwohnern, darunter 2500 Juden, ist eine aufblühende Stadt mit lebhafter Tabakindustrie. Bekanntlich lind die entsetzlichen Massaker, die nach dem Einzug der Vulgaren hier wie in Dedeagatsch gegen die Mohammedaner und besonders gegen die Pomaken (mohammedanisierte Bulgaren, die hauptsächlich in den Dörfern wohnen) stattfanden. Von Massaker blieben die Juden glücklicherweise verschont, doch wurden von den bulgarischen Banden und ihrem Chef Tschcrnobjew schwere Erpressungen an den Juden verübt. Die sieben angesehensten Juden wurden von den Banditen unter der Anschuldigung, sie hätten eine Landung der Österreicher in Cavalla veranlassen wollen, verhaftet, ins Innere geschleppt und erst nach 9 Tagen und nach Zahlung eines Lösegeldes von 215 000.— Frs. an Tschcrnobjew wieder freigelassen. Zur Linderung der großen Not in Cavalla sandte der Khedive von Ägypten, dessen Eltern aus Cavalla stammen, 450 000 Kilogramm Mehl, wovon für die armen Juden 25000Kilogramm gegeben wurden. Die jüdische Gemeinde sorgte durch Sammlungen weiter für die Armen. Trotz der schweren Erpressungen und der großen Ausgaben für die arme Bevölkerung glauben wir doch, daß Cavalla an und für sich allein imstande ist, sich zu helfen. Es befinden sich aber in Cavalla einige hundert Arbeiterfamilien aus Gallipoli und den Dardanellen. Um zu vermeiden, daß diese zurückgcschickt werden, und die Not in Gallipoli und den Dardanellen vermehren, zumal sie bei Beginn der Arbeit für die Tabakindustrie in etwa 4 bis 5 Wochen beschäftigt werden können, stellten wir einstweilen 1000.— Frs. zur Verfügung und versprachen eventuell noch weitere 1000.— Frs. zu geben, wenn cs notwendig sein sollte und unter der Noraussetzung, daß auch Cavalla selbst seine Pflicht tue. Ein entsprechendes Komitee wurde eingesetzt. Besonders erwähnen wollen wir noch, daß wir von den Militär- und Zivilbehörden in Cavalla in der allerfreundlichsten Weise ausgenommen worden sind. Eine flüchtige Familie aus Cavalla (Frau Molko, Bruder und Kind), die nach Saloniki geflüchtet war und Furcht hatte, zurückzukehren, »ahmen wir mit. Die Behörden sicherten uns den Schutz dieser Familie zu. Ohne Zweifel wird das ein wertvolles Präjudiz für andere flüchtige Familien sein, die nun getrost zurückkehren werden. Von Cavalla fuhren wir weiter nach Dedeagatsch. Wir erwarteten an Bord eine Kommission der Gemeinde, die aber ausblieb, auch durften wir selbst nicht landen. Später erfuhren wir, daß der Kommandant der Stadt der Kommission verboten hatte, an Bord zu gehen. Wir mußten daher, ohne die Verhältnisse in Dedeagatsch schon letzt untersuchen zu können, weiterfahren. An 30. Januar frühmorgens kamen wir in Konstantinopcl an. Über die Lage in Konstantinopcl und Umgegend werden wir in einigen Tagen Bericht erstatten. Wir haben, nachdem wir in Serbien und Bulgarien uns theoretisch über alle einschlägigen Verhältnisse haben unterrichten lassen, den ganzen mazedonischen Kriegsschauplatz bis nach Albanien hinein besucht, und an Ort und Stelle uns über die Lage und die Not der jüdischen Bevölkerung örientiert. Dadurch sind manche Anschauungen unseres ersten Berichtes korrigiert worden. Wir wollen nicht unterlassen, hervorzuheben, welch großen Eindruck unsere Anwesenheit in den einzelnen Orten auf die Behörden und die nicht jüdische Bevölkerung gemacht hat. Überall wurde uns erklärt — und wir merkten cs selbst — daß unser Kommen allein eines der stärksten Schutzmittel für die jüdische Bevölkerung gegen Übergriffe darstellt. Eine Wirkung in dieser Richtung übten insbesondere auch aus die Audienzen, die wir beim König und der Königin von Bulgarien und beim König von Griechenland hatten. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, kann man behaupten, daß diese Audienzen erheblichen Nutzen für unsere Glaubensgenossen zeitigten. Die Behörden und die nichtjüdische Bevölkerung erkannten, daß die höchsten Repräsentanten des Staates Wert auf ein gutes Verhältnis zu den Juden legen und diese Wirkung wird auch nach unserem Fortgange bestehen bleiben. Wir werden nunmehr unsere Aufinerksamkeit der Notlage in Konstantinopel selbst zuwenden und dann noch versuchen, auch auf dem thrazischen Kriegsschauplatz in der gleichen Weise unsere Arbeiten durchzuführen wie auf dem mazedonischen. Hilfe für die infolge des Krieges in den Salkarrlirrrderm notleidenden Juden. Weitere Spenden sind eingelaufen: Van Lehrer Nußbaum, Altenmuhr, Sammlung bei Verlobung Mohr-Zollfrei 14.25 Mk. — Sigmund Zipferbier, Nürnberg 5 Mk. — Nathan Dreysus, Westhausen bei Benfeld 2 Mk. Geborene: Eine Tochter. Rabbiner Dr. Max Gugenheim u. Martha Meyer, Westhofen. — Ein Sohn, Sali Harburger, Zürich. — Luise, T. v. Emanuel Hofheimer u. Fanny Levy, Straßburg. Verlobte: Paula Hammel, Straßburg, u. Arthur Fleischer, Göppingen. — Alice Levy, Wingersheini, u. Joseph Levy, Saarburg. — Gabrielle Fohlen, Püttlingen (Lothr.), u. Lazard Klein, Colmar (Elsaß). — Emma Ehrlich, Weißen bürg, u. Henry Baumann, Straßburg. Vermahlte: Alfred Braunschweig, Zürich, u. Helene Meyer, Zürich. — Dr. med. M. Eilanger, Luzern, u. Grete zöofbauer, Wien. — Max Kaufmann, Mannheim, u. Lina Ries, Gnilinge». I» Paris: Rabbiner Moife Poliatchek, Toulouse, u. Florence Levy, Westhofen. — Rene GutiNaim i>. Pauline Kiese. Maurice IlanntiennaPrichten. (Mitteilungen für diese Rubrik werden kostenlos ausgenommen.) -