Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Das jüdische Matt. 7 (pro Kind und Woche je 1 Bad) benutzt. Nachdem man Ende 1911 in ein neues, größeres Lokal übergesiedelt, hat sich dies jetzt schon wieder als zu klein erwiesen und man ist gezwungen, demnächst neue Räume in derselben Etage dazu zu mieten. Denn zurückgewandert ist wohl keine dieser östlichen Juden; wohl aber kommen täglich neue dazu, und es ist ist nicht ausgeschlossen, daß die jetzigen Balkanwirren uns neue Einwanderungen bringen. Nachdem man vor 2 Jahren die Mittagsspeisung aller Kindergartenkinder eingeführt, ist es jetzt eine unabweisbare Pflicht für den Vorstand geworden, auch den 60 Hortkindern Mittagessen zu verabreichen. Der Kindergarten nimmt die Kinder vom 2. bis 6. Lebensjahr an; dann kommen sie zwar zur Schule, was aber keineswegs eine Trennung von der Kinderstube bedeutet, da sie bislang Nachmittags nach der Schule in den Hort kamen. Hier sind sie nun bis zum 10. Lebensjahr untergebracht, um dann in den Jugendhort der August-Lamey-Loge, der ebenfalls in den Räumen der Kinderstube funktioniert, ausgenommen zu werden und diese ca. 50 Hortkinder sollen demnächst ebenfalls Mittagessen erhalten. Im Hort werden unter Aufsicht zweier Hauptlehrer zuerst die Schulaufgaben gemacht, dann widmen sich die Knaben dem Handfertigkeits-Schnitzen, Bohren, und Sägen, und die Mädchen dem Handarbeitsunterricht — Nähen Flicken und Sticken. Zum Schlüsse seien noch einige Zahlen genannt aus dem von Frau Bankdirektor Kuhn vorgetragenen Kassenbericht. An Mitgliederbeiträgen gingen 3165 ,il ein, ferner an Spenden 1160 -ll, die jüdische Gemeinde gibt einen Zuschuß von 500 Al, die Alliance von 200 c II, der Hilfsverein von 500 AL, zu Chanukkah wurden separat 2300 JL gesammelt. Zu dem von ihr geschaffenen Jugendhort gibt die Loge einen Zuschuß von 1100 Ai (für Gehälter, Beköstigung und Mietanteil). An Ausgaben finden wir für Backwaren 915, für Milch 1130, für Gehälter 2335 Al usw. verausgabt. Die äztliche Behandlung hat kostenlos Dr. Moses übernommen. Den Gesamteinnahmen von 10 366 AL standen Gesamtausgaben von 10 750 Al gegenüber, so daß 390 Al mehr ausgegeben wurden. Das Gesamtvermögen der Kinderstube, die eine eigene Verwaltung hat, beträgt zurzeit 19 200 Al, bei einer Mitgliederzahl von 308 Mitgliedern. Dem aus 6 Mitgliedern bestehenden Vorstand der jüdischen Frauenvereinigung steht die Verwaltung der Kinderstube ein Verwaltungsrat von 5 Herren und 5 Damen zur Seite. Mannheim. Die israelitische Kranken-Unterstützungskasse Bikur Cholim hat auch im letzten Jahre vielen hilfesuchenden Kranken und gebrechlichen Armen vorzügliche Hilfe geleistet. Es wurden verausgabt: Barunterstützungen 3960 Al, Medikamente 615 Al, medizinische Hilfsmittel 230 Al, Bäder 175 Al, im ganzen 5200 Al. Erfreulicherweise findet die Kasse immer mehr Anerkennung und Unterstützung für ihre humanitären, segensreichen Bestrebungen und es ist zu wünschen, daß die Zahl ihrer Freunde, welche ihre edlen Zwecke fördern, immer größer wird. Preußen. Halberstadt. Und Blatt auf Blatt fällt vom großen Stamm! Jäh und sanft entschlief Gabriel Hirsch n7>- Wir träumten von ihm als einem Führer. Stand er doch wie ein gottbestellter Wächter an dem Pfade heiliger Traditionen. Und nun mag er jetzt in der Ewigkeit fragen: Wächter, was wird's aus der Nacht? denn die unermüdliche Sorge für fein großes, heißgeliebtes Judentum war seines Lebens Inhalt, ist der Zauber seiner Verklärung. ri"2'T'jTV Aus aller Welt. Frankreich. Paris. Herr Kahn, bisheriger zweiter Kantor an der Synagoge rue de la Victoire, ist zum Oberkantor, Herr Hirtz von Saarburg zum zweiten Kantor an dieser Synagoge ernannt worden. Palästina. Ein jüdisches Museum in Palästina. Baron v. Rothschild hat in Palästina Land gekauft, uin archäologische Forschungen anstellen zu lassen. Der Baron hofft Material aus der Zeit der Herrschaft der Israeliten in Palästina zutage zu fördern. In seinen! Aufträge unternahm der Grand Rabbin Nahum in Konstanttnopel Schritte bei der Regierung, um die Erlaubnis zur Anstellung der Forschungen zu erlangen und im Heiligen Lande ein Jüdisches Museum zu errichten, das mit dem Vorrecht ausgestattet werden soll, alle aufgesundenen Altertümer aufnehmen zu dürfen, ohne daß das von der Regierung unterhaltene Museum in Konstantinopel Anspruch daraus erheben kann. Der Schritt des Grand Rabbin hatte Erfolg. Der Minister des Innern will bald das Kaiserliche Jrade darüber herausgeben, welches den Behörden in Jerusalem die nötigen Anweilungen geben wird. Abschaffung des „roten Zettels" in Palästina. Der Grand Rabbin Haim Nahum erhielt von der neuen Regierung die formelle Zusicherung, daß die Einrichtung des sogenannten „roten Zettels", der den ausländischen Juden bisher bei ihrer Landung in Syrien von den Hafenbehörden überreicht wurde und der den Zweck hat, die Dauer ihres Aufenthalts im Lande auf drei Monate zu beschränken, in dem neuen Plan für die Verwaltung des syrischen Vilajets nicht mehr vorgesehen ist. Ebenso sind in dem neuen Entwurf die gegenwärtig in Palästina bestehenden Beschränkungen betreffs des Bodenerwerbs der ausländischen Juden fallen gelassen worden. England. Die Mahl des Dr. herz aus New Port zum Chief Rabbi. Schon fast zwei Jahre ist das Amt des Chief Rabbi von England verwaist. Uneinigkeit, Jntriguen und Kämpfe haben die englische Judenheit aufgewühlt. Manche Gemeinden und Gemeinschaften haben die Absicht kundgegeben oder ausgeführt, sich vom Chief-Rabbinat unabhängig zu machen, in London und in der Provinz. In London hat die Federation os Synagognes, die unter Lord Swaithling's Führung steht, sich den Oberrabbiner Jung zum Oberhaupt gesetzt und ihre weiteren Entschlüsse von der definitiven Wahl des Chief Rabbr unabhängig gemacht. Die offiziellen Kreise, deren Haupt Lord Rothschild ist, haben es an Versuchen nicht fehlen lassen, die starkbedrohte Einheit der englischen Judenheit durch behutsame Wahl des Chief Rabbi aufrecht zu erhalten. Diese Bemühungen hatten aber eine ihnen von Lord Rothschild ausgebürdete Belastung zu ertragen, die verhängnisvoll werden konnte. Lord Rothschild nämlich hat von Anfang an die Bedingung aufgestellt, der zukünftige Chief Rabbi müsse ein mit der englischen Sprache und den englischen Lebensverhältnissen vertrauter Mann sein. Infolgedessen war die Wahl einer rabbinischen Autorität vom Kontinent von vornherein ausgeschlossen. In den Ländern englischer Zunge aber sind die Männer noch seltener als in der übrigen Welt, die großes