Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Das jüdische Statt b von der gesamten Gemeinde Strahburg, besonders deren Wohltatigleitsanftalten und Humanitären Vereinen als eine große Lücke empfunden. Die Beerdiguitg gestaltete sich zu einer mächtigen Trauerkundgebung. Im Tranerhause entwarf Herr Rabbiner Dr. Marx ein treffendes Bild von dem unermüdlichen Wirken der Verstorbenen, besonders auf dein Gebiete der Wohltätigkeit. In längerer forinvollendeter Rede brachte hieraus Herr Oberrabbiner Dr. Netter den Dank der jüdischen Gemeinde Metz, sowie des dortigen Dainenvereins, uitd schilderte die Verstorbene als die würdige und verständnisvolle Mitarbeiterin ihres Gatten. Herr Dr. med. Schmoll sprach im Namn des Verwaltungsrates des Mädchenwaisenhauses, des Wöchnerinnenvereins „Maternitv", des Schul damenvereins, der Körperschaften, in deren Dienst die Verblichene ihre stets energische und dabei liebevolle Persönlichkeit gestellt hatte. Hierauf setzte sich der unübersehbare Trauerzug in Bewegung. Voran schritten die Zöglinge des israelitischen Mädchenwaisenhauses mit ihren Leiterinnett. Es folgten die Damenkomitees der wohltätigen Vereine und Anstalten — auch eine Damendelegation aus Metz hatte sich eingefundett — sowie die israelitischen Lehrerinnen. In dem großen Trauergeleite, das dem Leichenwagen folgte, bemerkte man Herrelt des Konsistoriums, fast sämtliche Rabbiner des Laitdes, Vertreter der Synagogenkommission lind der verschiedenen Wohlsahrtskontikees. In der Leichenhalle des Friedhofs sprach der gebeugte Gatte, Herr Oberrabbiner Ury, ein ergreifendes Abschiedswort, das alle Anwesenden aufs Tiefste erschütterte und zu Tränen rührte. — Die verhobene Frau Oberrabbiner Ury entstamntte der bekattnten Fainilie Auscher in Lauterburg, wo ihr sel. Vater lange Jahre Geineindevorstand gewesen war. Der wohltätige Sinn, der von jeher diese Familie ausgezeichnet hatte, war auch ihr Erbteil, womit sie eine ungewöhnliche Jntelligeitz und Energie verband. Möge der schwergeprüfte Gatte, dein wir unsere herzliche Anteilnahme entgegenbringcn, in der Betätigung seines hohen Berufes Kraft und Trost finden. Strahburg. Samstag abend den 15. Februar fand im Hotel Goldschmidt die alljährliche Generalversammlung des Vereins „Mutuelle" statt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt und die vorgeschlagene Neuaufnahme von Mitgliedern genehmigt. Die finanziellen Verhältnisse zeigen ein erfreuliches Bild. Es wäre zu wünschen, daß das Verständnis für die Notwendigkeit derartiger Vereine iit immer weitere Kreise dränge. Straßburg. Der israelitische „Frauenbund" beabsichtigt, am 9. März in den Sälen des Sängerhauses ein Wohltätigkeitsfest zugunsten des neugegründeten Kinderhorts zu veranstalten. Es ist hierfür ein reichhaltiges Programm vorgesehen. Straßburg. ,.L a .M >, i u v 1 1 <*." (Israelitische gegenseitige Unterstützungsgesellschaft, gegründet 1849.) Bericht zur Generalversammlung vom 15. Februar. In dieser Versammlung sprach der Präsident, Herr Marc Bl um, nachdem er die Anwesenden begrüßt hatte, von dem ersprießlichen Gedeihen des Vereines, welcher dieses Jahr wieder mit eurem Vernrögensüberschuß von 2200 Ji abschließen konnte. Dieser Ueberschuß habe der Verein vor allem dem steten Zuwachs seiner Mitgliederzc.hl zu danken; dann aber auch dein Umstand, daß, Dank der Hilfe Gottes, wir in diesem Jahre nur den Verlust eines Mitgliedes durch Ableben zu beklagen hatten. Dieser Ueberschuß ist um so mebr hernorzuheben, als dieses Geschäftsjahr dadurch, daß wir nun am 31. Dezeinber statt 31. Oktober abschließen, 14 Monate gedauert hat unb wir auch alle Fälle von Witwen- und Waisengeldern vorn vorigen Jahre ganz ausdezah t haben. Er betonte auch die gewissenhafte Pflichterfüllung seitens der Vorstandsmitglieder und gab sich der Hoffnung hin, daß das nächste Jahr so Gort will ein noch erfreulicheres Resultat bringen würde. Der Verein hat 190 Mitglieder und ern Vermögen von 45 919,95 J( (im Voriahr 43 719,81 M). Nach Verlesen des Protokolls der letzten Generalversammlung durch den Schriftführer, wurde der Rechnungsbericht des Schatzmeisters, den jcdes Mitglied zugesundr erhielt, ohne Diskussion einstimmig angenomnien. Artikel 3 wurde, wie voriges Jahr, wieder gutgeheißen. Zu Artikel 4 wurde, um dem Verein immer neue Mitglieder zuzusühren, ein ständiges Propaganda- K o in i t e e aus dem Schoße der Mitglieder und unter dem Vorsitz des Vorstandsmitgliedes I. Braunschweig gebildet. 5. Die vorgeschlagenen Kandidaten wurden einstimmig ausgenommen. 6. Die austretenden Vorstandsmitglieder Marc B l u m , Aloise Metzger, Maurice Haas, Laon Stein, Fernand Klein wurden einstimmig für weitere drei Jahre wiedergewählt. sWir wünschen dem Herrn Präsidenten des wackeren Vereins, daß es ihm mit Gottes Hilfe vergönnt fein möge, noch lange Jahre in körperlicher und geistiger Frische sein jüdisches Wollen dem wohltätigen Zweck zu widmen und dessen Wirkungskreis immer mehr zu erweitern. Red.s Bischweiler. In dein Bericht über den Vortrag des Herrn Dr. Coleb im hiesigen Verein für Jüdische Geschichte und Literarur hieß es, „der Referent ist Bulgare und Sephardi". Diese Beinerkung ist, wie der Herr Referent berichtigend bemerkt, dahin richtig zu stellen, daß der Referent zwar Sepharor und mit den bulgarischen Verhältnissen vollständig vertraut ist, da er 20 Jahre seines Lebens in Bulgarien verbracht hat, aber schon längst die staatsbürgerlichen Rechte als reichsdeutscher Angehöriger erworben hat und besitzt. Colmar. Herr Eamille Säe, <-onduüII<uin Paris, hat zum ehrenden Andenken an seinen verstorbenen Vater Gcrson Säe dem hiesigen israelitischen Unterstützungsverein Chaunein Dnlim 400 Gl überwiesen. Der Verein dankt dem edlen . Geber hiermit bestens. Colmarer Brief. Colmar. Wenn ich Ihr gesch. Blatt am Samstag nach dem Gottesdienste lese und sehe, wie in anderen, viel kleineren Gemeinden wie die unsrige vielfach Vorträge über das Judentum und über den Streit zwischen dem orthodoxen und liberalen Judentum gehalten werden, so beneide ich diese Gemeinden. Denn sie sind besser daran wie wir. Wir in Colmar führen ja sozusagen überhaupt ein anderes Leben. Ich will nicht behaupten, daß die I n t e r e s s e n l o s i g k e i t für das Jndentnm, überhaupt für alles, was „jüdisch" ist, bis zii 0-Grad herabgesunkcn ist, darf aber auch nicht von einer a l l z u g r o ß e n Begeisterung für unsere Sache reden. Man braucht nur zur Zeit eines Gottesdienstes einen Blick (!) in die Synagoge zii werfen, so wird inan mir recht geben. Hie und da befindet sich noch ein Gottesfürchtiger in den langen Reihen der Synagoge. Stets dieselben Gesichter, stets die Kunden, die der „alten Firma" treu bleiben. Und wird nach Gottes allmächtigem Ratschluß einer von diesen Getreuen in eiii besseres Jenseits abberufen, so wird die Lücke nicht besetzt, die Zahl der Getreuen schrumpft immer mehr zusammen. Mali könnte überhaupt sehr viel über die Zustände, die in unserer Gemeinde herrschen, schreiben. Doch das eine ist sicher: u ii s e r Glaube wird in den Hinter-